Coronakrise
Aargauer Regierung möchte Waldbesitzer mit zehn Millionen unterstützen – doch es gibt Gegenwind

2,8 Millionen Verlust im 2019, für 2020 wird gar das Doppelte erwartet. Die Coronakrise trifft Waldbesitzer hart. Deshalb möchte die Aargauer Regierung helfen. Mit zu viel Geld, kritisieren FDP und SVP.

Raphael Karpf
Drucken
Teilen
Auch die Waldbesitzer sind von der Coronakrise betroffen. Erhalten sie nun Unterstützung? (Archivbild)

Auch die Waldbesitzer sind von der Coronakrise betroffen. Erhalten sie nun Unterstützung? (Archivbild)

Severin Bigler

Der Wald im Aargau leidet. 2018 verwüstete der Sturm Burglind grosse Flächen, weitere Stürme folgten. Mehrere Hitzesommer setzten den Bäumen zu. Und dann wurde im sowieso schon angeschlagenen Wald auch noch der Borkenkäfer zu einer Plage. All diese Schäden müssen die Waldbesitzer irgendwie abfedern. Aber genau diese Waldeigentümerinnen stehen nun selbst vor Problemen.

Wegen der Coronakrise ist der Absatzmarkt für Holz eingebrochen, die Bäume sind kein Geld mehr wert. 2019 machten die Waldbesitzer bereits ein Minus von 2,8 Millionen Franken. Und für 2020 rechnet der Verband der Waldeigentümerinnen damit, dass das Minus doppelt so hoch ausfallen wird. Daher will die Aargauer Regierung den Waldbesitzern unter die Arme greifen. Dazu schlägt sie ein Massnahmenpaket vor. 9,6 Millionen Franken will sie in den Jahren 2021 bis 2024 investieren.

Pflanzen, die in einer Welt mit Klimawandel überleben

Der erste und mit Abstand grösste Bereich betrifft die Wiederbewaldung. 7,7 Millionen Franken möchte die Regierung dafür investieren, auf zerstörten Flächen wieder Wald wachsen lassen. Und zwar gezielt mit Pflanzen, die auch in einer Welt mit Klimawandel überleben können. Zudem soll das Holz besser vermarktet werden, und zwar durch den Aufbau einer Holzvermarktungsorganisation.

Die Entscheidungsgrundlagen für Waldbesitzer, wie sie auf Waldschäden reagieren sollen, werden aktualisiert. Und schliesslich sollen Försterinnen und Förster bei der Weiterbildung finanziell unterstützt werden, mit dem Fokus auf der Arbeitssicherheit und dem Waldbau unter veränderten Klimabedingungen. Die vorgeschlagenen Massnahmen werden von Parteien von links bis und mit CVP begrüsst: Der Einfluss des Klimawandels sei unbestritten, ein Massnahmenpaket sei notwendig, so der Tenor.

Alle vier Punkte und die 9,6 Millionen Franken werden unterstützt. Anders tönt es weiter rechts: FDP und SVP unterstützen zwar ebenfalls das grösste Massnahmenpaket, die Wiederbewaldung. Die anderen drei lehnen sie aber ab. Es sei nicht die Aufgabe des Kantons, privaten Waldeigentümern bei der Vermarktung ihrer Produkte zu helfen, ihnen Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung zu stellen oder ihnen die Weiterbildung zu bezahlen, wird argumentiert. Die FDP beantragt statt der 9,6 Millionen Franken «nur» 8,5, die SVP beantragt 9,15 Millionen Franken.

«Waldeigentümer brauchen das Paket unbedingt»

Und was meinen die Waldeigentümer? Man sei froh, dass die Regierung ein solches Massnahmenpaket vorgeschlagen hat, sagt Vreni Friker, Präsidentin von WaldAargau. «Die Waldbesitzer brauchen das Paket unbedingt. Denn Fakt ist: Der Wald braucht dringend Hilfe.» Und zwar werde das gesamte Paket benötigt, und nicht nur der Teil mit der Wiederbewaldung, auch wenn dieser der wichtigste sei, so Friker weiter: «So haben etwa viele private Waldbesitzer gar nicht das Wissen oder die finanziellen Möglichkeiten, ihr Holz professionell zu vermarkten.» Das müsse der Kanton übernehmen, analog wie er etwa auch im Energiebereich für nachhaltiges Heizen werben würde. Entscheidend sei, dass Bauherren immer und immer wieder über den Einsatz von Holz als Baumaterial informiert würden.