Bildung

Aargauer Regierung will den Lehrplan 21 kostenneutral – die Lehrer halten dies für einen Irrtum

Ist der Lehrplan 21 kostenneutral einzuführen? Zwischen der Aargauer Regierung und den Lehrern ist der Streit vorprogrammiert.

Ist der Lehrplan 21 kostenneutral einzuführen? Zwischen der Aargauer Regierung und den Lehrern ist der Streit vorprogrammiert.

Für die Aargauer Regierung gilt: Der Lehrplan 21 muss konstenneutral zu haben sein. Der aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband hält dies für verfehlt.

Im November wird der Regierungsrat den Anhörungsbericht zum Lehrplan 21 präsentieren. Der Bericht soll aufzeigen, was alles zum neuen Aargauer Lehrplan gehört und wie er umgesetzt werden soll. Doch bereits jetzt ist klar, was am meisten zu diskutieren geben wird: Der Regierungsrat geht davon aus, dass der neue Lehrplan kostenneutral eingeführt und umgesetzt wird. Der aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) hält diese Vorgabe für völlig verfehlt und unrealistisch.

Am 12. Februar 2017 haben die Aargauerinnen und Aargauer die Initiative, welche die Einführung des Lehrplans 21 im Aargau verhindern wollte, mit einem Neinstimmen-Anteil von 69,2 Prozent deutlich abgelehnt. Seither laufen die Vorbereitungsarbeiten für die aargauspezifische Version des Lehrplans 21.

Dabei hat der Regierungsrat sein Versprechen wahr gemacht und betroffene Kreise von den Landfrauen bis hin zum Gewerbeverband eingeladen und befragt; zurzeit werden Fächer- und Fächergruppen definiert und die Stundetafeln für die einzelnen Stufen und Klassen ausgearbeitet.

Im November wird eine erste Version des Lehrplans vorgestellt, es folgt eine freiwillige Anhörung. 2018 wird der Regierungsrat unter Einbezug des Erziehungsrates entscheiden. Es folgt die Vorbereitung der Einführung. Dazu gehören etwa die Weiterbildung der Lehrpersonen, die Überprüfung der Lehrmittel, die Vorbereitung der Schulen vor Ort. Nach dem neuen Lehrplan soll ab dem Schuljahr 2020/21 unterrichtet werden.

Lehrplan 21 ist nicht gratis

Auch wenn die Regierung erst im Herbst über die Details informieren will; der Lehrerverband hält es für einen Irrtum zu glauben, der neue Lehrplan verursache keine Mehrkosten. Er hat dafür gute Gründe: Im Aargau gehen heute die Kinder deutlich weniger zur Schule als in den meisten andern Kantonen. Nimmt man die Harmonisierung zwischen den Kantonen ernst, dann muss der Aargau vor allen an der Unterstufe und der Realschule die Anzahl der Pflichtlektionen pro Woche deutlich erhöhen. Und das kostet Geld.

«Auch Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen für die neuen Anforderungen, die der kompetenzorientierte Unterricht stellt, sind nicht gratis zu haben», sagt Elisabeth Abbassi, Präsidentin des alv.

Beharrt die Regierung darauf, dass der neue Lehrplan keine zusätzlichen Kosten verursachen darf, dann rechnet der alv mit verschiedene Szenarien: So könnte die Regierung das Projekt redimensionieren und darauf verzichten, die Pflichtlektionen anzuheben. Damit wäre die verlangte Harmonisierung nur zum Teil umgesetzt. Oder man könnte zusätzliche Lektionen schaffen, und zwar auf Kosten des Halbklassenunterrichts. Oder man spart anderswo, setzt die Aus- und Weiterbildung auf ein Minimum. Für Elisabeth Abbassi ist klar: Kostenneutralität als oberstes Prinzip bei der Umsetzung eines neuen Lehrplans ist der falsche Weg. «Wir werden uns gegen den neuen Lehrplan wehren, wenn er die Unterrichtsqualität einschränkt und den Lehrpersonen erst noch Mehrarbeit im Übermass bringt.»

Wie der neue Lehrplan letztlich die angestrebte Kostenneutralität erreichen will, darüber kann Simone Strub, Leiterin Kommunikation beim Bildungsdepartement, noch keine Auskunft geben. Sie verweist auf den Anhörungsbericht, der im November erscheint und auch auf diese offenen Fragen Antworten liefern werde. Die Positionen sind bezogen.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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