Seit 2010 gibt es in der Schweiz für jeden und jede einmal im Leben die Möglichkeit, mit einer Selbstanzeige Schwarzgeld offenzulegen. Dann zahlt man Nachsteuern, aber keine Busse. Der seit 1. Januar 2017 gültige Automatische Informationsaustausch (AIA) für ausländische Bankkonten und Wertschriftendepots gibt dieser Amnestie jetzt zusätzlich Schub.

Im Aargau zeigten sich letztes Jahr laut einer Auswertung des Kantonalen Steueramtes 1113 Personen selber an – mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Und mit 282 Millionen Franken kam fast doppelt so viel Schwarzgeld zum Vorschein wie im Vorjahr. Daraus resultierten Nachsteuern von 18,5 Millionen Franken.

Speziell daran ist, dass drei von vier Selbstanzeigen, die aus Angst vor dem Automatischen Informationsaustausch erfolgten, bisher nicht deklarierte ausländische Liegenschaften betreffen – hauptsächlich sind es Häuser in Ita-lien, Spanien und Portugal.

Wer ausländische Bankkonten und Wertschriftendepots hält, hat laut der Eidgenössischen Steuerverwaltung nur noch bis zum 30. September dieses Jahres Zeit für straffreie Selbstanzeigen solcher Vermögenswerte. Danach, so David Schenker, Leiter Nachsteuern und Bussen im Kantonalen Steueramt Aargau, «müssen die fehlbaren Steuerpflichtigen auch bei Selbstanzeigen mit der Eröffnung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung rechnen».

Die grösste Selbstanzeige betrifft laut Schenker ein bislang der Besteuerung vorenthaltenes Wertschriftenvermögen von gesamthaft rund 10 Millionen Franken. Allein aus dieser Selbstanzeige resultierten Nachsteuern und Verzugszinsen im Gesamtbetrag von rund 1,5 Millionen Franken (neun Nachsteuerjahre).

Löwenanteil betrifft Liegenschaften

Doch woher kommen die über 1000 Selbstanzeigen? Zu Beginn der kleinen Steueramnestie wurden vorab kleine Konti mit Beträgen meist unter 20 000 Franken offengelegt. Das hat sich im Zuge des Automatische Informationsaustausch AIA grundlegend geändert. 2017 betraf der
Löwenanteil der Selbstanzeigen (rund 75 Prozent) laut Schenker «bislang nicht in den Steuererklärungen deklarierte ausländische Liegenschaften, hauptsächlich in Italien, Spanien und Portugal».

An zweiter Stelle standen ausländische Bankkonten mit Guthaben von bis zu 50 000 Franken. Schenker: «Sowohl die ausländischen Liegenschaften als auch die ausländischen Bankkonten wurden aufgrund der Entdeckungsgefahr durch den Automatischen Informationsaustausch offengelegt.» Hinsichtlich der Liegenschaften im Ausland sei darauf hinzuweisen, dass die entsprechenden Einkommens- und Vermögensfaktoren in der Schweiz nicht nochmals besteuert, sondern lediglich bei der Bestimmung des Steuersatzes berücksichtigt werden.

Was der Standort der Häuser vermuten lässt, bestätigt Schenker: Es erfolgten überdurchschnittlich viele Selbstanzeigen durch ausländische Steuerpflichtige bzw. durch Steuerpflichtige mit ausländischen Wurzeln. An erster Stelle standen Personen aus Italien, gefolgt von Spanien, Portugal und Deutschland.

Die Werte lassen sich aus zwei Gründen nicht beziffern. Die zur Nachbesteuerung angemeldeten Vermögenswerte werden einerseits statistisch nicht nach Vermögensart erfasst. Andererseits werden die entsprechenden Einkommens- und Vermögensfaktoren in der Schweiz lediglich bei der Bestimmung des Steuersatzes berücksichtigt.

Hohes Risiko für Steuersünder

Für Steuerpflichtige, die Geld verstecken, ist mit dem Automatischen Informationsaustausch ein grosses Risiko verbunden. Daher, so Schenker, «kommen viele von sich aus und zeigen sich an». Treuhänder und Banken gehen gar ähnlich wie bei mutmasslichen ausländischen Steuersündern aktiv auf Mandanten zu und versuchen, sie zur Selbstanzeige zu bewegen.

Wie jedes Jahr wurden im Aargau auch 2017 diverse Erbenanmeldungen registriert. Der grösste der gemeldeten 24 Fälle betrifft ein Wertschriftenvermögen im Gesamtwert von knapp 15 Millionen Franken. Daraus resultierten Nachsteuern und Verzugszinsen im Gesamtbetrag von knapp 1 Million Franken.

Eine Zwischenbilanz seit Gültigkeit der Steueramnestie ab 2010 zeigt: Bisher wurden allein im Kanton Aargau dem Fiskus Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 1,237 Milliarden Franken zur (straffreien) Nachbesteuerung angemeldet.

Der Kanton wartet nicht einfach, bis sich jemand meldet, sondern wird auch von sich aus aktiv. Letztes Jahr führte das Kantonale Steueramt – abgesehen von den Selbstanzeigen – rund 350 Nachsteuer- und Bussenverfahren durch. Allein daraus resultierten rund 4,2 Millionen Franken Nachsteuern und Verzugszinsen sowie rund 4,4 Millionen Franken Bussen.

Im Rahmen eines Strafverfahrens wegen versuchter Steuerhinterziehung gegen eine juristische Person, also eine Firma, wurden letztes Jahr Bussen im Gesamtbetrag von rund 1,5 Millionen Franken verfügt.

Niemand profitiert zweimal

Diese Zahlen zeigen: Die unbefristete kleine Steueramnestie wirkt zunehmend. Doch wie stellt man sicher, so die Frage an David Schenker, dass jemand nicht von Kanton zu Kanton zügelt, Steuern hinterzieht und jeweils nach einigen Jahren Schwarzgeld deklariert? Das funktioniere nicht, versichert Schenker.

Die Kantone melden ihre Daten in eine zentrale Datenbank der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Schenker erklärt: «Wenn eine frisch zugezogene Person, die eine Selbstanzeige macht, den Eindruck erweckt, sie könnte dies schon woanders gemacht haben, fragen wir in Bern nach und bekommen die entsprechende Auskunft. So kommt niemand zweimal in den Genuss einer straflosen Selbstanzeige.»