Coronakrise

Aargauer Unternehmer Otto H. Suhner kritisiert: «Das führt zu einem wirtschaftlichen Tsunami»

Otto H. Suhner trägt beim Medientermin im Kabelwerk Brugg eine Schutzmaske.

Otto H. Suhner trägt beim Medientermin im Kabelwerk Brugg eine Schutzmaske.

Der Verwaltungsratspräsident der Brugg Group macht sich grosse Sorgen um die Wirtschaft. Unternehmer Otto H. Suhner kritisiert den Bundesrat und sagt, was ihn während des Lockdown traurig stimmt.

«Ich verstehe nicht, warum die kleinen Läden in der Brugger Altstadt noch geschlossen sein müssen und ich bei Frau Vogel kein neues Hemd kaufen oder bei Leder Küng mein Schlüsseletui reparieren lassen kann», sagt Unternehmer Otto H. Suhner im Sitzungszimmer neben seinem Brugger Büro der Suhner Holding. Während der Coronakrise gehört er mit seinen 75 Jahren zur Risikogruppe.

Suhner zeigt zwar Verständnis für die vom Bundesrat empfohlenen Vorsichtsmassnahmen wie Abstand halten, Hände desinfizieren und je nach Situation Schutzmaske tragen. Er macht sich aber grosse Sorgen um die Wirtschaft. Er fordert die rasche Öffnung aller Betriebe. «Was der Bundesrat seit Ostern geboten hat, ist ein Desaster.» Einzig mit der Durchführung von Massenveranstaltungen müsste man wohl noch zuwarten.

«Das, was jetzt abläuft, führt zu einem wirtschaftlichen Tsunami», hält der ETH-Maschineningenieur fest. Die Ölpreiskrise in den 1970er-Jahren und die Finanzkrise 2008 seien im Vergleich zur Covid-19-Pandemie nur Trainingsläufe gewesen. «Die Regierungen versprechen den Leidtragenden aktuell Geld, das sie nicht zur Verfügung haben.» Es müsse mit brutalen Steuereinbrüchen 2020 und tieferer Nachfrage gerechnet werden. Dies könnte seiner Ansicht nach zur grössten Depression seit den 1930er-Jahren führen. «Ja, Wirtschaft ist nicht alles. Aber ohne eine gut gehende Wirtschaft ist alles nichts. Und da stehen wir jetzt», so Suhner.

Der Verwaltungsratspräsident der Brugg Group war von Ende Februar bis Mitte März noch auf Geschäftsreise in Indien, Australien, Mexiko und in den USA. Als der Bözberger am 14. März mit einem Verwaltungsratskollegen von Atlanta via Miami in die Schweiz zurückkehrte, konnte er nicht glauben, dass die Skisaison im Bündnerland schon zu Ende war.

Der Bözberger putzte sein Auto selber zu Hause

Mit dem Lockdown änderte sich auch das Leben des Unternehmers, der sich gerne mit seinen Freunden aus dem Rotary Club oder Geschäftspartnern zum Essen im Restaurant trifft. «Weil die Waschanlage geschlossen war, putzte ich mein Auto zu Hause. Und am Abend bin ich allein und muss mich entscheiden, ob ich ein Joghurt, ein Birchermüesli oder ein Fertiggericht aus der Mikrowelle essen soll. Das stimmt mich manchmal schon traurig», sagt Suhner, dessen Ehefrau Heidi im Juli 2018 an Krebs verstorben ist. Seine Einkäufe erledigt der 75-Jährige selber; wenn notwendig mit Schutzmaske. Dabei berücksichtigt er auch die kleine Bäckerei auf dem Bözberg.

Nachdem die Brugg Group die Kabel-Sparte an den italienischen Energieversorger Terna verkauft hatte, ist der frühere Verwaltungsratspräsident noch eines von zwei Schweizer Mitgliedern im Verwaltungsrat der Brugg Kabel AG. «Bis im vergangenen Herbst machte ich mir grosse Sorgen um die Kabelwerk-Mitarbeiter. Ich reichte selber eine Offerte ein, um die Mehrheit des 1896 von meinem Urgrossvater gegründeten Unternehmens zu übernehmen», erzählt Suhner. Doch dann sei das Angebot aus Italien gekommen und er habe gesehen, dass dieses erheblich nachhaltiger war als sein Vorschlag.

Den Ratschlag seines Vaters will er befolgen

Bei der Brugg Group wird Otto H. Suhner das Verwaltungsratspräsidium nächstes Jahr abgeben. «Als ich 32 Jahre alt war, bläute mir mein Vater ein, dass man die Leitung spätestens mit 75 Jahren an die nächste Generation übergeben muss und dieser Grundsatz gilt auch für mich, wenn das Geschäftsjahr 2020 abgeschlossen ist», erklärt er.

Weiterhin engagieren wird sich Suhner als Verwaltungsratspräsident des Medizinischen Zentrums Brugg (MZB). «In der Coronakrise mussten wir auf 10% Prozent der üblichen Eingriffszahlen runtergehen und Kurzarbeit anmelden. Jetzt hat sich die Lage zum Glück etwas entspannt.» Der Verwaltungsrat ist stolz, dass die Liquidität des MZB trotz der drastischen Einbussen immer gewährleistet war.

Otto H. Suhner freut sich nach den ersten Lockdown-Lockerungen am meisten darauf, seine Enkelkinder wiederzusehen und Blumen zu kaufen.

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