Corona-Virus

Aargauer Veranstalter brauchen ab 150 Personen eine Bewilligung: So setzt der Kanton das Verbot des Bundes um

Corona-Virus: So setzt der Kanton Aargau das Grossveranstaltungs-Verbot des Bundes um

Im Video: Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Yvonne Hummel, Leiterin des Kantonsärztlichen Dienstes, anlässlich der Medienkonferenz am Freitagnachmittag.

Das Corona-Virus führt zu starken Einschränkungen: Ab sofort müssen auch Veranstalter kleiner Anlässe beim Kanton ein Online-Gesuch zur Durchführung einreichen. Zu Hause bleiben müssen gesunde Menschen trotzdem nicht, sagt die Kantonsärztin.

Ein Konzert, ein Sportanlass, eine Fasnachtsveranstaltung, eine grosse Hochzeitsfeier: Wer im Kanton Aargau eine Veranstaltung mit mehr als 150 Menschen organisiert, muss zuerst beim Kanton eine Bewilligung einholen. Das hat die Aargauer Regierung am Freitag beschlossen. Diese Regelung gilt vorläufig bis zum 15. März.

Mit dieser einschneidenden Massnahme setzt die Regierung das vom Bundesrat erlassene Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmenden um. Das Verbot wiederum basiert auf dem Epidemiegesetz. Die Bevölkerung soll durch die Unterbindung von Menschenmengen vor dem Corona-Virus geschützt und eine Verbreitung des Krankheitserregers in der Schweiz eingedämmt werden. Auch das schweizweite Verbot gilt bis mindestens Mitte März. Die Kantone sind dafür verantwortlich, die Einhaltung des Verbotes zu überwachen und zu kontrollieren.

Mit der zusätzlichen Entscheidung, Veranstaltungen mit 150 bis 999 Teilnehmenden bewilligungspflichtig zu machen, setzt der Aargau im Vergleich zu anderen Kantonen die Limite für eine Bewilligung tiefer an: Zürich bleibt beim Verbot ab 1000 Personen, im Baselbiet müssen die Organisatoren bei Veranstaltungen mit 200 bis 1000 Teilnehmern eine Risikoabwägung mit den kantonalen Behörden vornehmen. Weshalb der Aargau die Grenze bei 150 Teilnehmenden ansetzt, erklärt Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, der Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales: «Letztlich handelt es sich um einen Ermessensspielraum, im Kanton Aargau haben wir diesen auf 150 bis 999 Teilnehmende festgelegt.» Die Veranstalter sollen laut Gallati möglichst rasch Gewissheit erhalten, ob sie einen Anlass durchführen können oder nicht. «Mit der nun getroffenen Regelung erhalten auch Veranstaltungen im Bereich von 150 bis 200 Teilnehmenden einen klaren Bescheid.»

Jean-Pierre Gallati, Vorsteher Departement Gesundheit und Soziales, zeigt den Medien die Verordnung des Bundesrates.

Jean-Pierre Gallati, Vorsteher Departement Gesundheit und Soziales, zeigt den Medien die Verordnung des Bundesrates.

    

Organisatoren von Anlässen müssen Besucher informieren

Wie Veranstalter nun vorgehen müssen, erklärten Jean-Pierre Gallati und die neue Kantonsärztin Yvonne Hummel am Freitagnachmittag in Aarau vor den Medien. Veranstalterinnen und Veranstalter, die einen Event mit mehr als 150 Gästen planen, können online auf der Seite des Kantons ein Antragsformular ausfüllen. Erst nach Genehmigung durch die Kantonsärztin darf die Veranstaltung durchgeführt werden. Die Gesuche für die Veranstaltungen, versicherte Jean-Pierre Gallati, würden vom Kantonsärztlichen Dienst zeitnahe behandelt.

Aargauer Organisatoren müssen im Formular die Art der Veranstaltung, Datum, Uhrzeit, Durchführungsort und Anzahl der teilnehmenden Personen angeben. Ausserdem müssen die Antragssteller dem Kanton mitteilen, wie sie die Veranstaltungsteilnehmer darüber informieren, dass Risikogruppen den Anlass nicht besuchen dürfen. Dies gilt für kranke Personen, Menschen, die Symptome des Corona-Virus aufweisen oder auch Menschen, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem betroffenen Gebiet aufgehalten haben, also zum Beispiel in China, oder in Norditalien waren.

Veranstalter sollen am besten Flüssigseife zur Verfügung stellen

Ohne Bewilligung ist die Durchführung solcher Events verboten. Veranstaltungen mit weniger als 150 Personen dürfen im Aargau weiter ohne Bewilligung durchgeführt werden. Organisatoren müssen eigenständig eine Risikobeurteilung vornehmen. Das Departement Gesundheit und Soziales empfiehlt Veranstaltern aufgrund der aktuellen Lage gewisse Punkte zu beachten: So sollen Organisatoren die Toiletten mit genügend Seife ausstatten und aus hygienischen Gründen möglichst Flüssigseife anbieten. Weiter sollen sie wenn möglich Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen und Auflageflächen und Türgriffen regelmässig reinigen und desinfizieren. Die Teilnehmenden einer Veranstaltung zu bitten, Hygienemasken zu tragen oder gar Masken zur Verfügung zu stellen, sei nicht notwendig. Die gesunde Bevölkerung müsse keine Masken tragen, erklärte Kantonsärztin Yvonne Hummel.

An Orten, die per se viele Menschen anziehen, wie Kinos oder Theater, sind keine Eingangskontrollen nötig: «Wir appellieren sehr an die Eigenverantwortung der Leute, wir fordern Veranstalter auf, die Teilnehmenden oder Kunden zu informieren, dass sie nicht an die Veranstaltungen oder ins Kino gehen sollen, wenn sei sich krank fühlen», sagte Kantonsärztin Hummel.

Lesen Sie hier den Liveticker zur Pressekonferenz nach:

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