Urlaubs-Frust

Aargauerin wird am Flughafen verhaftet – weil die Behörden einen Fehler machten

Kurz vor Abflug wurde die Aargauerin Sandra Piazza von der Flughafenpolizei verhaftet. (Symbolbild)

Kurz vor Abflug wurde die Aargauerin Sandra Piazza von der Flughafenpolizei verhaftet. (Symbolbild)

Sie wollte mit einer Kollegin ein paar schöne Tage in der Sonne verbringen. Doch aus dem erholsamen Strand-Urlaub wurde ein juristischer Albtraum. Kurz vor dem Abflug wurde Sandra Piazza (46) aus Aristau von der Polizei verhaftet. Zu Unrecht, wie sich herausstellte.

«Die Staatsanwaltschaft hat mir die Ferien vermiest», erklärt Sandra Piazza gegenüber der Tageszeitung «Blick». Mitte Mai wollte sich die Mutter zweier Kinder zusammen mit einer Kollegin ein paar sonnige Tage in Tune­sien gönnen.

Doch bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen Kloten wurde die 46-Jährige verhaftet – wegen eines peinlichen Behördenfehlers.

So fing alles an: Am 2. März 2016 wurde Sandra Piazza im Mercedes ihres Partners geblitzt, 16 km/h zu schnell. Der Bussenbescheid des Strassenverkehrsamts kommt zwar problemlos im Hause Piazza an.

Behörden erfassten falsche Adresse 

Aber: Die Einzahlungsaufforderung von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten geht zurück an den Absender. Wie die Behörde später erklärt, wurde intern «die falsche ­Adresse erfasst, weshalb der Strafbefehl nicht zugestellt werden konnte».

Als Reaktion auf die nicht zustellbaren Briefe wird Sandra Piazza «beim Amt für Justizvollzug zur Ausschreibung gemeldet», wie es die Staatsanwaltschaft in der Entschuldigung formuliert. Konkret: Die unbescholtene Aargauerin wird zur Verhaftung ausgeschrieben.

Bei der Passkontrolle am Flughafen habe die Polizistin zu Piazza gesagt: «Sie gehen nirgendwo hin, gegen Sie läuft ein Haftbefehl.»

Sie sei aus ­allen Wolken gefallen, so die 46-Jährige: «Ich hatte keine Ahnung, worum es geht – es wurde mir ja auch nicht ­gesagt.» Kurz darauf sei sie in einen separaten Raum eskortiert worden, wo sie vor die Wahl gestellt wurde: sofort 400 Franken zu bezahlen – oder vier Tage ins Gefängnis. Piazza zahlte – und erreichte trotz der 45-minütigen Verzögerung den Flieger. «Dort habe ich zuerst mal einen Champagner gekippt», sagt sie.

Die Ferien konnte Piazza nicht geniessen: «Statt am Strand zu sünnelen, musste ich einen Anwalt organisieren, denn so etwas lasse ich mir nicht bieten!»

Staatsanwaltschaft entschuldigte sich

Bei der Staatsanwaltschaft gibt man sich reuig: «Ein solcher Fehler sollte nicht passieren», heisst es in einem Schreiben. Trotzdem will man nicht die kompletten Anwaltskosten von Sandra Piazza übernehmen. «Auf etwa 600 Franken bleibe ich sitzen – weil mein Anwalt zu teuer sei», sagt sie.

Das Vertrauen in die Behörden hat Sandra Piazza verloren: «Eigentlich würde ich gerne nach Mallorca reisen. Am Flughafen würde ich dann sehen, ob der Fehler endlich korrigiert wurde – oder ob ich noch mal verhaftet werde.»

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