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Nach Covid-Bewältigung: Kantonsärztin Yvonne Hummel hat überraschend gekündigt

Yvonne Hummel spielte in der Bewältigung der Covid-Krise im Aargau eine zentrale Rolle, jetzt verlässt sie das Departement Gesundheit und Soziales wieder.

Rolf Cavalli
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Kantonsärztin Yvonne Hummel, im Sitzungszimmer DGS in Aarau

Kantonsärztin Yvonne Hummel, im Sitzungszimmer DGS in Aarau

Fabio Baranzini

Die Kantonsärztin habe nach Beruhigung der epidemiologischen Lage beschlossen, «sich beruflich zu verändern», schreibt das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) in einer Medienmitteilung vom Freitagabend.

Es sei der Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung gekommen, weshalb sie sich entschieden habe, die Verwaltung des Kantons Aargau per Ende September 2021 zu verlassen; so die Begründung von Kantonsärztin Yvonne Hummel für ihren Entscheid.

Die Nachricht kommt unerwartet. Hummel hat erst auf Anfang 2020 ihr Amt als neue Kantonsärztin übernommen. Ihre ersten anderthalb Jahre waren geprägt von der Bewältigung der Pandemie. Die erste Ansteckung mit dem Coronavirus im Kanton Aargau erfolgte bereits 16 Tage nach ihrem Arbeitsbeginn. Hummel blickt zurück:

«Ich habe es stets als Privileg erachtet, in dieser Situation einen persönlichen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten zu können und bedanke mich für die grosse Unterstützung, die ich erhalten habe.»

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati spricht der Kantonsärztin seinerseits im Namen des Regierungsrats seinen grossen Dank aus: «Dr. med. Yvonne Hummel hat sich in den letzten 17 Monaten mit grossem persönlichen Einsatz für das Wohl der Aargauer Bevölkerung eingesetzt.» Für ihre «wertvolle Arbeit und die fruchtbare Kooperation» während der Pandemie danke er ihr herzlich und wünscht ihr für die Zukunft alles Gute.

Der Beitrag von TeleM1: Aargauer Kantonsärztin Yvonne Hummel hat gekündigt.

TeleM1

Zuerst stand Hummel im Rampenlicht, dann Obrecht

Yvonne Hummel stand vor allem im ersten Covid-Jahr im Rampenlicht. Zusammen mit Gesundheitsdirektor Gallati bestritt sie die meisten Medienkonferenzen zur Entwicklung der Pandemie im Kanton Aargau.

Eine ihrer grössten und schwierigsten Herausforderungen war der Aufbau und der Betrieb des sogenannten Contacttracing-Centers, kurz: Conti. Dieses dient dazu, Infektionsketten zu unterbrechen. Das Ziel ist es, erkrankte Personen zu erfassen und diejenigen Personen zu identifizieren, welche engen Kontakt zu diesen hatten und deshalb möglicherweise angesteckt worden sind. Das Conti stand vor allem Ende letztes Jahres in der Kritik, als die Pandemie einen neuen Höhepunkt erreicht hatte und das Conti mit der Kontaktierung von Betroffenen aufgrund der Menge in einzelnen Fällen Wochen hinterher hinkte.

In den letzten Monaten trat anstelle von Kantonsärztin Hummel neu Andreas Obrecht zunehmend in den Vordergrund. Er wurde auf Anfang Jahr als Chef der Impfkampagne angestellt. Seit Ende Mai leitet er das ganze Covid-19-Programm des Kantons und ist dabei auch für den geordneten Rückbau der Massnahmen zuständig. Dazu gehören neben der Impfkampagne auch das Testen, das Contacttracing und anderes.

Contact Tracing: Wieviele Leute werden abgebaut?

Vor allem das Contact Tracing ist sehr personalintensiv. Zwischenzeitlich wurde das Conti letzten Herbst von anfangs 40 auf über 100 Stellen ausgebaut. Wie stark und wie schnell der Rückbau des Conti und anderen Einrichtungen nun durchgeführt werden soll, ist noch offen. Dazu will der Kanton nächste Woche mehr Informationen liefern.

Die Stelle der Kantonsärztin wird zur Neubesetzung ausgeschrieben. Interimistisch übernimmt die stellvertretende Kantonsärztin Celina Belfrage die Leitung des kantonsärztlichen Dienstes. Die beiden Chefinfektiologen der Kantonsspitäler Aarau und Baden, Christoph Fux und Andrée Friedli, werden bis zur Neubesetzung den epidemiologischen Verantwortungsbereich abdecken.

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