Lenzburg

Abstimmung im Mai über die Schulpflege wird hoch emotional

Ob die Schulpflege im Aargau eine Zukunft hat oder nicht, entscheidet sich erst am 17. Mai. Doch die Emotionen gehen jetzt schon hoch, wie eine Tagung zeigte.

Ist die Schulpflege ein Auslaufmodell, oder ist die Abschaffung dieses vom Volk gewählten Gremiums unsinnig? So brachte FDP-Präsident Lukas Pfisterer an einer von seiner Partei organisierten kontradiktorischen Tagung in Lenzburg die weit voneinander entfernten Positionen auf den Punkt. Dass das Thema jetzt schon – vier Monate vor der Abstimmung – sehr interessiert und starke Emotionen weckt, zeigte sich bei den über 100 Anwesenden in der Debatte sofort.

So fragte Schulpfleger Bruno Studer aus Niederlenz mit hörbarem Zweifel in der Stimme, ob der Gemeinderat, der die verbliebenen Aufgaben der Schulpflege übernehmen soll, das dann auch zu einem so günstigen Preis machen werde? Die Antwort gab er gleich selbst: Zu glauben, das gehe zum selben Preis, sei eine Illusion. Gemeinderätin Gina Kern aus Ehrendingen hielt dagegen, bei ihnen sei eben eine Schulpflegerin in den Gemeinderat gewählt worden.

Das könnte doch auch für andere eine Option sein, um ihr grosses Wissen weiter einzubringen, schlug sie vor. Umgekehrt warf Karin Reinhard, Schulpflegepräsidentin von Boniswil, ein, wenn die Schulpflege entfalle, bekämen die Bezirksschulräte viel mehr Arbeit. Ein weiterer Votant warnte eindringlich, ja beschwörend, vor einer Abschaffung.

Schulpfleger wehren sich heftig gegen die eigene Abschaffung

Den zahlreich anwesenden Schulpflegerinnen und Schulpflegern sprach «ihr» Verbandspräsident Franco Corsiglia aus dem Herzen. Corsiglia ist die personifizierte Ablehnung einer Abschaffung. Die Schulpflege sei vom Volk gewählt, betonte er. Das sei auch gut so. Sie sei keinesfalls eine Führungsebene zu viel. Eine Abschaffung wäre Demokratieabbau, weil sie vom Volk gewählt wird.

Dann könne dieses nicht mehr sagen, wer für die Schule zuständig sein soll. Man höre ja immer wieder, die Gemeinderäte hätten viel Arbeit. Corsi­glia zweifelnd: «Jetzt soll auch noch die Schule dazu kommen?» Er befürchtet, die Schule verlöre ihre Lobby, und im Gemeinderat käme es zu einer «gefährlichen Machtkonzentration». Auch wäre eine Mehrbelastung der Schulleitungen garantiert, am Schluss käme es sogar teurer, ist Corsiglia überzeugt. Sein Gegenantrag: «Schulpflege weiter entwickeln statt abschaffen.»

Viele werden in stiller Wahl gewählt

Demgegenüber betonte Peter Hochuli, Gemeindeammann von Unterlunkhofen und Bezirkslehrer, die Vorlage richte sich keinesfalls gegen die Schulpflegen, «die hervorragende Arbeiten leisten». Er sehe aber nicht, wieso es diese Hierarchiestufe noch brauche. Den Vorwurf einer Machtkonzentration wies er vehement zurück.

Der Gemeinderat müsse zweimal jährlich an der Gemeindeversammlung Rechenschaft ablegen, da könnten die Menschen dann direkt sagen, wenn sie beim Schuldossier ein Problem sehen. Zudem würden heute sehr viele Schulpflegerinnen und Schulpfleger in stiller Wahl gewählt.

Laut Beat Petermann, Präsident des Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Kanton Aargau, liessen sich die Schulleitungen lieber vom Gemeinderat als von der Schulpflege führen. Durch deren Wegfall gebe es zudem keine neuen Aufgaben für die Schulleiter, widersprach er Corsiglia, «alles wandert zum Gemeinderat». Der könne ihnen indessen Aufgaben delegieren, das mache er aber jetzt schon. Die Debatte in Lenzburg zeigte: Im Mai kommt eine hochemotionale Abstimmungsdiskussion auf uns zu. (mku)

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