Corona im Aargau

Ärztepräsident beruhigt: «Wir werden das schaffen» ++ Notfalltelefon eingerichtet ++ Alle Ärzte dürfen Tests machen

Yvonne Hummel, Aargauer Kantonsärztin an einer «Point de Presse» zum Corona-Virus.

Yvonne Hummel, Aargauer Kantonsärztin an einer «Point de Presse» zum Corona-Virus.

Der Kanton Aargau führt alle zwei Tage um 15.15 Uhr einen kurzen Point de Presse zur aktuellen Lage sowie spezifischen Themen im Zusammenhang mit der Bewältigung der Coronavirus-Situation im Kanton Aargau durch.

Zwischen Mittwochmittag und Donnerstagmittag verzeichnet der Kanton Aargau verzeichnet neun neue Corona- Fälle. Teilweise konnte die Ansteckungskette nicht mehr nachvollzogen werden. Das gab Kantonsärztin Yvonne Hummel gestern Donnerstag bekannt. Bei 858 schweizweit positiv getesteten Personen entfallen demnach 27 auf den Kanton Aargau, wobei drei Personen bereits wieder gesund sind.

23 der infizierten Personen sind zu Hause, ihnen geht es den Umständen entsprechend gut. Eine Person musste hospitalisiert werden. Sie befinde sich aufgrund ihrer Zusatzerkrankungen in einer Spezialklinik, ihr Zustand sei aber stabil, sagte Yvonne Hummel gestern. 100 Personen, die Kontakt mit Infizierten gehabt hatten, seien derzeit in einer freiwilligen Selbstquarantäne.

Neu dürfen auch Hausärzte die Corona-Tests durchführen
Ein Anstieg von neun Infektionen quasi über Nacht wirkt happig, insbesondere, weil mittlerweile längst nicht mehr alle Personen mit Corona-Symptomen getestet werden. Doch die Kantonsärztin betont, verglichen mit anderen Kantonen sei der Anstieg sogar eher gering und kontinuierlich. Sie gab aber auch zu bedenken, dass die Zahlen nicht mehr allzu zuverlässig seien, seit nicht mehr jeder einzelne Fall entdeckt und registriert werde.

Neu können nicht mehr nur die beiden Kantonsspitäler Corona-Tests durchführen. Der Nasen-Rachen- Abstrich kann im Aargau jetzt – wie im Kanton Zürich – auch bei Hausärzten oder Rehakliniken abgenommen werden. Das nötige Equipment wird derzeit ausgeliefert. «Erkrankte Personen sollen mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Er beurteilt und entscheidet, ob ein Test notwendig ist und ob er ihn durchführen möchte», so Hummel. Dies bringe die Hausärzte einen grossen Schritt weiter, betonte Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands. «Wir wissen nun, was zu tun ist. Ausserdem können wir so auch Personen in Altersheimen testen, die wir nur ungern für einen Test in eines der Kantonsspitäler transportiert hätten.»

Der Ärzteverband bietet seit gestern Donnerstag ausserdem eine kostenlose Beratungstelefonnummer für dringliche medizinische Fragen an: 0900/401'501. Das Telefon werde bedient von medizinischen Fachpersonen, die bei Bedarf auch einen Notfalltermin vermitteln können, sagte Jürg Lareida. Er betonte wiederholt, dass die Hausärzte im Aargau zwar alle sehr stark eingespannt seien in der aktuellen Situation, aber ebenfalls gerne für Fragen und Ratschläge zur Verfügung stünden. Parallel dazu gibt es die 24 Stunden durchgehend besetzte Hotline des Bundesamts für Gesundheit (Telefon 058/463'00'00) und – vor allem auch für Fragen bezüglich Veranstaltungen im Aargau – die Mailadresse des Kantons (coronavirus@ag.ch).

Masken nur für diejenigen, die sie wirklich benötigen
Die Verantwortlichen des Kantons orten überdies Aufklärungsbedarf, was den Nutzen von Schutzmasken angeht. Die Kantonsärztin betonte, dass diese für Gesundheitspersonal, erkrankte Personen mit einem positiven Corona-Testbefund und je nach Tätigkeit auch für Apothekenpersonal gedacht seien. «Gesunde Personen sollen keine Maske tragen», betonte sie. «Erstens schützen sie Träger nicht vor Infektionen. Zweitens sollten wir sie nicht unnötig verbrauchen, damit sie denjenigen, die sie wirklich benötigen, uneingeschränkt zur Verfügung stehen.»

An dieser Front sieht es im Aargau derzeit gut aus. Der Kanton verfügt über einen Notvorrat von 3 Millionen Schutzmasken. «Sie sind reserviert für das Gesundheitswesen», betonte Patrick Smit, Fachspezialist Katastrophenvorsorge bei der kantonalen Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz. In den letzten Tagen seien 400'000 Masken ausgeliefert worden. «Wir konnten den Bestand aber bereits wieder auffüllen», so Smit. Jürg Lareida findet das «beruhigend». An die Adresse all jener, die derzeit verunsichert sind, sagt der Ärzteverbandspräsident: «Es ist nicht der Weltuntergang. Wir werden das schaffen.» Der grösste Teil der Bevölkerung sei selbst im Falle einer Ansteckung nicht bedroht, Corona heile in den meisten Fällen folgenlos wieder ab.

Das Video zum Point de Presse finden Sie hier:

Den Live-Ticker können Sie hier nachlesen:

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