Finanzen

AKB mit neuen Rekorden: «Die Banken haben kein Interesse, Negativzinsen weiterzugeben»

Direktionspräsdient Dieter Widmer.

Direktionspräsdient Dieter Widmer.

Die Aargauische Kantonalbank legte ihre Zahlen für das Jahr 2019 vor. Die AKB erreichte den zweithöchsten Gewinn ihrer Firmengeschichte mit 148 Millionen Franken. Der Rekord wurde 2015 erreicht mit 155,4 Millionen. Im Anschluss an die Präsentation erklärte Direktionspräsident Dieter Widmer, wie die AKB verschiedenen Trends begegnet, die der schweizerischen Bankenwelt zu schaffen machen.

So leidet das Geschäft mit dem Ausleihen und Verleihen von Geld schon seit Längerem. Die Differenz hat abgenommen zwischen dem Zins, den Banken für geliehenes Geld zahlen, und jenem Zins, zu dem sie das Geld wieder verleihen. Es ist die direkte Folge der rekordtiefen Zinsen, die derzeit in allen Industriestaaten vorherrschen. Auch die AKB spürt dies, wie Widmer sagte. «Der Druck auf das Zinsgeschäft ist nach wie vor hoch.» In den Zahlen zeigt sich dies am Bruttoerfolg, der in diesem Geschäft kaum zulegte. Nur ein Wachstum von 0,2 Prozent war möglich.

Sechs Millionen Franken an die Nationalbank bezahlt

Eine zusätzliche Belastung für die Schweizer Banken ist der Negativzins der Schweizerischen Nationalbank. Diesen erhebt die SNB auf überschüssige Gelder, die Banken bei ihr parkieren. Die Bankiervereinigung beklagte kürzlich, insgesamt hätten die Schweizer Banken im Jahr 2018 rund 2 Milliarden an die Nationalbank abliefern müssen. Inzwischen hat die Nationalbank zwar die Banken entlastet. Doch die AKB musste 2019 über 6 Millionen Franken abliefern.

Damit stellt sich die Frage: Wird die AKB die Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben? Widmer: «Ja, bei Kunden mit einem Vermögen von mehr als zwei Millionen Franken haben wir die Möglichkeit heute schon.» Gemacht werde dies, wenn der Kunde keine weiteren Geschäfte mit der Bank mache. «Wir wollen nicht Parkplatz spielen für Grosskunden oder reiche Privatpersonen. Die Negativzinsen der Nationalbank lassen dies nicht zu.» Deshalb habe man schon bei einigen vermögenden Kunden negative Zinsen erheben müssen, wobei die Bank selber eher von einer Gebühr spricht.

Könnte es sein, dass dereinst auch Kleinsparer negative Zinsen zahlen müssen? Widmer verneint. «Wir haben keine Pläne, die Limite von 2 Millionen zu senken.» Ähnlich fällt Widmers Einschätzung für die Gesamtbranche aus. Man beobachte zwar, dass immer mehr Banken das Thema angehen würden. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die breite Bevölkerung negative Zinsen wird zahlen müssen.» Kunden mit Vermögen von weniger als 100000 Franken würden davon ausgenommen bleiben. Andernfalls sei mit einem Abzug von Kundengeldern im grossen Stile zu rechnen. «Das zeigt: Die Banken haben kein Interesse daran, Negativzinsen weiter zu geben.»

Dass die AKB dennoch den Gewinn erhöhen konnte – das war dem Geschäft mit der Verwaltung von Kundenvermögen zu verdanken. Die verwalteten Depotwerte konnten von 5,3 Milliarden auf 6,6 Milliarden Franken gesteigert werden. Und die Einnahmen im Anlagegeschäft gingen um 9 Prozent nach oben. Dass die momentane Stärke in diesem Geschäft zu einer Schwäche werden könnte, wenn die Börse dereinst nicht mehr boomt – das glaubt Widmer nicht. «Natürlich wird es irgendwann eine Korrektur geben. Aber wichtig ist, dass wir die Kunden in der Beratung auf die Chancen und Risiken hinweisen, wobei langfristig – das zeigen die letzten Jahrzehnte – die Chancen überwiegen.»

Ein anderer Trend ist der boomende Bau von Wohnungen. Der Kanton Aargau ist davon bekanntlich besonders betroffen. Im schweizweiten Vergleich ist die Zahl der leer stehenden Wohnungen sehr hoch, wie die AKB festhält. Zuletzt stand gemäss ihren Zahlen 2,6 Prozent aller Wohneinheiten leer, wobei die Leerstände regional sehr unterschiedlich ausfallen. Immerhin ist dies ein kleiner Rückgang zum Jahresanfang, als die Leerstandsquote noch bei 2,7 Prozent lag. Den Rekord für den höchsten Anteil an leer stehenden Wohnungen hält der Kanton Solothurn. Dort beträgt die Quote derzeit 3,4 Prozent.

Eine baldige Wende zum Besseren ist nicht zu erkennen. Im Kanton Aargau sei zwar ein Rückgang der Baugesuche zu beobachten. Und die Leerstandsquote stieg nicht weiter an. Doch das generelle Bild in der Schweiz sei klar. «Es werden noch immer mehr Wohnungen erstellt als notwendig wären, um die zusätzliche Nachfrage durch das Bevölkerungswachstum zu decken.» Von einem Crash gehe er zwar nicht aus. Der boomende Bau werde von fundamentalen Faktoren getrieben, notabene den extrem tiefen Zinsen. «Aber die Risiken haben insbesondere bei den Renditeliegenschaften zugenommen, weil die Preise gestiegen sind und es mehr Leerstände gibt.»

Dem gängigen Trend widersetzt sich die AKB auch beim Thema Filialnetz. In der gesamten Schweiz nimmt die Zahl der Bankfilialen nämlich laufend ab. Gemäss einer Studie eines Beratungsunternehmens sind in den letzten zehn Jahren bereits rund 500 Filialen verschwunden. Und der Studie zufolge wird es im nächsten Jahrzehnt im gleichen Stile weiter gehen. Sprich, es werden nochmals 500 Filialen weggespart. Somit würde jede dritte Filiale aufgehoben.

Dem gängigen Trend zum Abbau von Filialen widersetzt

Widmer hingegen hält nichts von derartigen Abbauprogrammen. Seine Bank hält nicht nur an ihrem bestehenden Netz von 32 Filialen fest. Sie hat letztes Jahr zudem eine neue Niederlassung eröffnet, in Spreitenbach. Alle seien sehr rentabel. Und auch ein Vorteil im Wettbewerb. Widmer sagt: «Wenn Konkurrenten bediente Schalter streichen, stellen wir jedes Mal einen Zulauf von Kunden fest.»

Auf der weniger ernsten Seite äusserte sich Widmer auch zum Tragen von Krawatten. Sein Vorgänger hatte den Verzicht auf die Krawatte noch zum Symbol für einen Kulturwandel erhoben. Man habe sich zu neuen Werten verpflichtet und dies den Mitarbeitern so kundgetan. Doch Widmer scheint von derlei Symbolpolitik nicht viel zu halten. An der Präsentation trug er eine Krawatte. Zu viel Bedeutung mag er dem Thema nicht geben. «Manchmal trage ich sie, manchmal nicht, das hängt vom Kunden oder Anlass ab.»

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