Regierungsratswahlen
Alex Hürzeler: Er sucht immer die optimale Vorlage

Aus seiner Partei wird der SVP-Bildungsdirektor fast stärker kritisiert als vom politischen Gegner.

Fabian Hägler
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Zum dritten Mal ein blauer Anzug: Dass Alex Hürzeler die gleiche Farbe trägt, wie seine Kollegen Hofmann und Attiger, ist wohl Zufall – oder ein Zeichen der Kollegialität?

Zum dritten Mal ein blauer Anzug: Dass Alex Hürzeler die gleiche Farbe trägt, wie seine Kollegen Hofmann und Attiger, ist wohl Zufall – oder ein Zeichen der Kollegialität?

Sandra Ardizzone

In seinem Departement steht das S für Sport am Schluss und kommt nach Bildung und Kultur – seine Hobbys sind aber überwiegend sportlich. «Jassen, Garten, Wandern, Faustball, Schiessen, Golf» sind auf Alex Hürzelers Website aufgeführt.

Vor vier Jahren, als der SVP-Mann als Bildungsdirektor bestätigt wurde, sagte er: «Der Turnverein, die Faustballmannschaft: Das ist der Ort – vom Familienkreis abgesehen –, wo ich einfach der Alex Hürzeler, der Turnkollege, bin und nicht der Regierungsrat.»

Auch heute, als 51-Jähriger, ist Hürzeler aktiver Faustballer. «Derzeit spiele ich beim TV Oeschgen 2 – logisch bin ich ab und zu entschuldigt – bis vor wenigen Jahren, selbst in der ersten Amtsperiode, war ich jahrelang fixer Bestandteil unseres 1. Teams», sagt er.

Es sei wie in jeder Mannschaftssportart: Gewinnen könne man nur als Team, hält der Regierungsrat fest. «Meine Aufgabe als Zuspieler in der Mitte ist es, den Angreifern die Bälle optimal vorzulegen, damit sie punkten können.»

Die Lieblingssportart des Fricktalers und seine Position auf dem Spielfeld mögen Zufall sein – Parallelen zu Hürzelers politischer Tätigkeit gibt es aber durchaus. So sieht sich Alex Hürzeler auch im Regierungsrat als Teil eines Teams und hält das Kollegialitätsprinzip hoch.

«Ein Regierungsrat trägt drei Hüte, die er in dieser Reihenfolge vertreten soll: Erstens ist er Teil einer Kollegialbehörde, zweitens Departementsvorsteher und drittens Parteimitglied», sagte er diese Woche im «TalkTäglich» auf Tele M1.

Teamplayer in Sport und Politik

Tatsächlich ist Faustball ein Teamsport, wobei anders als zum Beispiel beim Fussball, Handball oder Eishockey kein direkter Kontakt mit dem Gegner vorkommt – und damit auch keine Fouls möglich sind. Die beiden Mannschaften sind durch das Netz voneinander getrennt, sehen die gegnerischen Aktionen und können darauf reagieren, sie aber nicht stören.

Dies entspricht durchaus Alex Hürzelers Naturell, der als eher zurückhaltend, moderat und wenig streitlustig gilt. «Das Alter und vor allem das fast gänzlich fehlende Training hinterlassen leistungsmässig nun definitiv ihre Spuren», sagt der SVP-Politiker zu seiner Performance im Faustball.

Aber dies sei kein Problem, die Jungen seien längst «in unsere Fussstapfen getreten und wir Älteren frönen unserem Hobby weiterhin mit viel Eifer, dafür etwas weniger Athletik und Kondition, in den tieferen Kategorien ... und das ist gut so!», sagt er.

Optimal vorlegen muss Hürzeler die Bälle, oder eben die Gesetzesvorlagen, in der Politik zuerst seinen Mitspielern, also den Regierungskollegen. Entscheidend ist dann der Grosse Rat oder das Volk – und auch hier war der Volkspartei-Vertreter nicht immer erfolgreich.

So gilt im Aargau – gegen den Willen des Bildungsdirektors – seit diesem Schuljahr die Mundartpflicht im Kindergarten. Schiffbruch erlitt Hürzeler auch mit seinem neuen Standortkonzept für die Berufsschulen: Der Grosse Rat befand es für untauglich und schickte die Vorlage zurück an den Absender.

Anders als im Faustball will Hürzeler politisch nicht kürzertreten. In seinem Wahlspruch gibt sich der SVP-Bildungsdirektor gar ungewohnt Ich-bezogen: «Ich habe in allen Tätigkeitsbereichen meines Departements wichtige Fortschritte erzielen können. Ich habe Bewährtes gestärkt und weiterentwickelt. Nötige Neuerungen habe ich in verkraftbaren, pragmatischen Schritten gezielt umgesetzt.»

«Strategie und Visionen fehlen»

Kathrin Scholl, seit 2005 SP-Grossrätin und stellvertretende Geschäftsführerin beim kantonalen Lehrerverband, meldet hier Vorbehalte an. «Ich erkenne keine Strategie und keine Visionen bei Alex Hürzeler, er fährt einen bildungspolitischen Zickzackkurs.»

Scholl sagt, der SVP-Bildungsdirektor habe sich als lernfähiger Zuhörer und pragmatischer «Mehrheitsfinder» erwiesen, der ein gutes Gespür für das Machbare habe und nicht die kompromisslose Parteilinie vertrete. «Aber er führt sein Departement inhaltlich nicht, was Rainer Huber vor ihm fast zu stark tat, findet bei ihm nicht statt», kritisiert die SP-Frau.

Die Spider der Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Maya Bally, BDP
9 Bilder
Markus Dieth, CVP
Yvonne Feri, SP
Mia Gujer, Juso
Mia Jenni, Juso
Pius Lischer, IG Grundeinkommen
Robert Obrist, Grüne
Franziska Roth, SVP
Ruth Jo. Scheier, GLP

Die Spider der Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Maya Bally, BDP

Sie vermisst bei Hürzeler oft klare Aussagen, «es gibt keine Eckpfeiler, die er definiert, vieles bleibt offen, und es ist nicht klar, wohin sich der Bildungskanton Aargau entwickeln soll». Mit den Sparmassnahmen im Bildungsbereich, gegen die sich die Lehrer mit einer Demo wehren wollen, habe Hürzeler zudem viel Kredit verspielt, hält Scholl fest.

Hilft oder schadet die Kritik?

Kritik an Hürzeler kommt auch aus den eigenen Reihen – zuletzt empfahl der SVP- Muri-Präsident ihn zur Abwahl, wenn es um den Lehrplan 21 geht, steht ihm eine Zerreissprobe mit seiner Partei bevor, die gegen die Vorlage ist. Auch die Affäre um das Haus, das Hürzeler von einer deutschen Firma bauen liess, löste ein Parteikollege aus: Bäckermeister Markus Kunz aus Frick machte sie in einem offenen Brief an den SVP-Politiker publik.

Allerdings stellt sich die Frage, wie sehr der Beschuss aus den eigenen Reihen Hürzeler tatsächlich schadet. Nicht wenige Beobachter sind der Meinung, dass die harte SVP-Kritik ihm eher hilft. So könnte der Bildungsdirektor die eine oder andere Stimme von strammen Volkspartei-Wählern verlieren, dafür sogar mehr Unterstützung bei Mittewählern gewinnen.

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