Unterschiede

Andere Kantone, andere Sitten: Diese acht Corona-Regeln gelten im Aargau und darum herum

Der Take Away: Nicht überall ist er gleich lang geöffnet am Abend. (Symbolbild)

Der Take Away: Nicht überall ist er gleich lang geöffnet am Abend. (Symbolbild)

Bei den Massnahmen rund um das Coronavirus gibt es zwischen den Kantonen grosse Unterschiede. Die AZ zeigt hier an acht Beispielen aus dem Alltag, was in den Kantonen Aargau, den beiden Basel, Bern, Luzern, Solothurn, Zug und Zürich möglich ist – und welche Einschränkungen gelten.

Take-away: Sperrstunde ab 23 Uhr in Solothurn

Ein Take-Away-Stand. (Symbolbild)

Ein Take-Away-Stand. (Symbolbild)

Gastronomie: Für alle Restaurants in der Schweiz gilt aufgrund der geltenden Vorgaben des Bundes eine Sperrstunde ab 23 Uhr. Während der Pandemie haben viele Gastrobetriebe auf Take-away-Angebote umgestellt, dies war auch im Lockdown im Frühling erlaubt, als die Restaurants schliessen mussten. Für Take-away- und Imbissbetriebe gab es während der ersten Welle keine Einschränkungen. Dies ist auch heute in den meisten Kantonen der Fall. Nur in Solothurn müssen die Take-away- und Imbissbetriebe von 23 bis 6 Uhr geschlossen bleiben. Das heisst: Wer zu später Stunde noch Lust auf einen Kebab hat, steht in Olten vor einem geschlossenen Stand, in Aarau wird er bedient. Als einziger Nachbarkanton des Aargaus hat Solothurn auch Shisha-Bars geschlossen.

Spitalbesuch: Nur eine Person pro Patient und Tag

Eine Pflegerin hilft einer alten Dame.

Eine Pflegerin hilft einer alten Dame.

Angehörige: In den  Spitälern sowie in Alters- und Pflegeheimen herrschte im Frühling ein Besuchsverbot. Derzeit gibt es im Aargau keine kantonalen Vorgaben für Besuchsregelungen. Die beiden Kantonsspitäler Aarau und Baden haben beide die gleiche Regel: Erlaubt ist höchstens ein Besucher pro Patient und Tag. In vielen Alters- und Pflegeheimen wurden im Frühling spezielle Besucherboxen installiert, damit Angehörige ihre Liebsten während der Pandemie sehen konnten. Vorschriften des Gesundheitsdepar tements für Besuche in Heimen gibt es im Aargau nicht, im Kanton Solothurn hingegen schon. Bewohner dürfen dort gemäss Vorgaben der Behörden nur noch in definierten Sektoren und unter strengen Schutzmassnahmen Besucher empfangen.

Demos: In Bern unerwünscht, in Solothurn nur in Fünfergruppen

Demonstrieren? Nur noch zu fünft – zumindest in einigen Kantonen.

Demonstrieren? Nur noch zu fünft – zumindest in einigen Kantonen.

Kundgebungen: Rund zwei Dutzend Personen demonstrierten Mitte Mai im Aarauer Casinopark gegen die Coronamassnahmen. Dies wäre auch heute erlaubt, im Aargau gilt für Versammlungen im Freien eine Limite von 50 Personen. Stehen die Demonstranten nahe beisammen oder bewegen sich in der belebten Innenstadt, müssen sie Masken tragen. Auch im Kanton Bern sind Demonstrationen mit bis zu 15 Personen erlaubt. Der Regierungsrat hat am Mittwoch einen Appell zum Verzicht auf Kundgebungen herausgegeben. Ein Demonstrationszug durch Solothurn wäre gestattet, jedoch nur in Fünfergruppen, die mindestens drei Meter Abstand voneinander haben.

Mannschaftssport: Im Kanton Bern auch für unter 16-Jährige verboten

Mannschaftssport wie Unihockey: Auch bei unter 16-Jährigen im Kanton Bern verboten.

Mannschaftssport wie Unihockey: Auch bei unter 16-Jährigen im Kanton Bern verboten.

Juniorenteams: Tausende von Amateursportlerinnen und -sportlern dürfen seit zehn Tagen nicht mehr trainieren und spielen: Sportarten wie Fussball, Unihockey, Handball und andere Mannschaftsspiele mit Körperkontakt hat der Bund mit Ausnahme der Profiligen verboten. Doch es gibt eine Ausnahme, die vor allem jene Eltern freut, die ihre Kinder in Sportvereine schicken: Wer jünger als 16 ist, darf ohne Einschränkungen trainieren. Doch was bei den U13-Handball-Teams in Rothrist möglich ist, geht bei den E-Junioren des FC Roggwil nicht: Der Kanton Bern verbietet Kontaktsport bis vorerst am 23. November auch für unter 16-jährige Kinder und Jugendliche.

Personentransport: In Luzern gilt Maskenpflicht auch in Privatautos

Maske im Auto: Im Kanton Luzern kein ungewohntes Bild mehr.

Maske im Auto: Im Kanton Luzern kein ungewohntes Bild mehr.

Mobilität: Im öffentlichen Verkehr, also in Zügen und Bussen, gilt schon seit einiger Zeit eine allgemeine Maskenpflicht. Im Frühling montierten einige Taxibetreiber in ihren Fahrzeugen kurzerhand Plastikfolien, um die Sicherheit von Chauffeuren und Fahrgästen zu verbessern. Kürzlich hat der Verein Nez Rouge Aargau, dessen freiwillige Helfer nicht mehr fahrfähige Lenker im eigenen Auto nach Hause chauffierten, seine Aktion für dieses Jahr abgesagt. In einigen Kantonen gilt Maskenpflicht in Taxis und Cars, Luzern geht gar noch weiter: Hier sind Masken auch in Privat- und Transportfahrzeugen obligatorisch, wenn nicht alle Personen im gleichen Haushalt leben.

Bordelle: Im Aargau offen, in Zürich nur mit Kontaktdaten-Angabe

Kontaktdaten im Bordell angeben: Muss man – zumindest im Kanton Zürich

Kontaktdaten im Bordell angeben: Muss man – zumindest im Kanton Zürich

Sexgewerbe: Während des Lockdowns im Frühling mussten auch Erotikbetriebe schweizweit schliessen. Derzeit gilt kein solches Verbot, im Aargau dürfen Bordelle mit Schutzkonzept offen sein. Demnach ist Sex nur mit Maske, Kondom und Handschuhen erlaubt. Der Service darf nur fünfzehn Minuten lang dauern. Die Erfahrungen mit diesen Vorgaben seien gut, sagte SP-Grossrätin Lelia Hunziker, Geschäftsführerin der Fachstelle Frauenhandel und Migration, kürzlich in der AZ. Die Kantone Luzern, Solothurn und Bern haben Sex- und Erotikbetriebe dennoch geschlossen. Im Kanton Zürich gilt für Freier die obligatorische Kontaktdatenerfassung im Prostitutionsgewerbe.

Museen: Stapferhaus-Ausstellung  30 Kilometer weiter westlich nicht möglich

Museen sind nicht mehr in allen Kantonen offen.

Museen sind nicht mehr in allen Kantonen offen.

Kultur: Vor einer Woche wurde im Stapferhaus am Bahnhofe Lenzburg die neue Dauerausstellung «Geschlecht» eröffnet. Die Verantwortlichen mussten lange bangen, ob die Museen offen bleiben würden, konnten am Ende aber aufatmen. Seither ist die Ausstellung geöffnet – mit einem Schutzkonzept, beschränkter Besucherzahl, Online- Anmeldung und Desinfektionsmittel für alle. Der Aufwand für das Stapferhaus ist gross, und dass er sich lohnt, hat auch etwas Zufälliges. Würde das Museum gut 30 Kilometer weiter westlich in Langenthal BE stehen, wären die Ausstellungsräume leer. Der Kanton Bern hat Kinos, Theater, Museen und Bibliotheken geschlossen.

Eisbahn, Kletterhalle, Thermalbad: offen im Aargau, geschlossen in Bern

Austoben in der Kletterhalle kann man sich mehr in jedem Kanton.

Austoben in der Kletterhalle kann man sich mehr in jedem Kanton.

Wellness und Sport: In der kalten Jahreszeit sind Eisbahnen und Thermalbäder beliebt – dies umso mehr, als derzeit von Ferienreisen abgeraten wird. Der Aargau ist ein Kanton der Thermalbäder, diese dürfen derzeit auch geöffnet sein. Offen ist zum Beispiel das Aquarena in Schinznach-Bad, wie es auf der Website des Bades heisst. Ein paar Kilometer weiter, im Tägi Wettingen, ist auch die Eisbahn offen. Und auch der Kraftreaktor, die Kletterhalle in Lenzburg, ist in Betrieb. Anders sieht dies weiter westlich jenseits der Kantonsgrenze von Bern aus: Die kantonalen Behörden haben Kletterhallen, Eisfelder, Schwimmbäder, Sport- und Fitnesscenter geschlossen.

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