Neuer SVP-Präsident

Andreas Glarner: «Weichspüler-Politiker haben uns keinen Erfolg gebracht»

Andreas Glarner nach seiner Wahl vor der Kamera: «Ich bin bereit, auch in schwierigen Situationen hinzustehen und meinen Kopf hinzuhalten.»

Andreas Glarner nach seiner Wahl vor der Kamera: «Ich bin bereit, auch in schwierigen Situationen hinzustehen und meinen Kopf hinzuhalten.»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner ist überrascht, dass die Parteibasis einen Hardliner wie ihn zum Kantonalpräsidenten gewählt hat. Bei den Wahlen im Herbst will er nicht auf Klimapolitik, sondern auf SVP-Kernthemen wie Migration und Ausländeranteil setzen.

Der Tag nach seiner Wahl zum neuen Kantonalpräsidenten der SVP Aargau ist für Andreas Glarner ein normaler Arbeitstag. «Wir haben kürzlich Start-up-Räume in Oberwil-Lieli bezogen und sind gerade daran, eine neue Firma im Bereich Handel und Beratung zu gründen», sagt der Nationalrat, als die AZ ihn für das Interview kontaktiert.

Sie wurden am Parteitag im Verhältnis 2 zu 1 zum SVP-Präsidenten gewählt – hat Sie das Resultat überrascht, im Vorfeld schätzten Sie Ihre Chancen ja eher gering ein?

Andreas Glarner: Ja, ich bin überrascht, ich habe nicht damit gerechnet, dass ich gewählt werde. Ich hätte nicht gedacht, dass es reicht für mich. Rolf Jäggi war im Vorfeld der Favorit, er ist Grossrat, hat ein gutes Auftreten, ist eher gemässigt und in der Partei sehr gut verankert.

Jetzt sind Sie neuer SVP-Präsident im Aargau – planen Sie personelle Änderungen in der Parteiführung?

Nein, solche Pläne habe ich nicht, ich gehe meine neue Funktion unbelastet an und schaue, wer am besten mit wem funktioniert. Ich bin allerdings auch niemandem verpflichtet und wenn es nötig ist, scheue ich mich nicht vor personellen Änderungen.

Es könnte also sein, dass Ihr Gegenkandidat Rolf Jäggi auch künftig unter Ihnen die Findungskommission der SVP Aargau präsidiert?

Ja, auf jeden Fall, er hat diesen Job sehr gut gemacht und wir haben auch persönlich ein ausgezeichnetes Verhältnis. Es war ein sehr fairer Wahlkampf zwischen uns beiden, ich schätze Rolf Jäggi und seine Arbeit für die SVP sehr.

Mit Ihrer Rede haben Sie in der SVP die Mehrheit überzeugt. Wie wollen Sie die Aargauer Wählerschaft von Ihrer Partei überzeugen?

Dafür braucht es künftig viel Knochen- und Basisarbeit, wir müssen der Bevölkerung den Nutzen aufzeigen, den sie hat, wenn sie SVP wählt. Wir haben zum Beispiel die Themen hohe Krankenkassenprämien und Altersvorsorge völlig verschlafen, dabei beschäftigt dies die Bevölkerung sehr stark.

Sie haben vor der Wahl gesagt, für einen neuen Präsidenten sei es schwierig, im Hinblick auf die Grossratswahlen im Oktober noch etwas auszurichten – geben Sie die Wahlen also schon verloren?

Nein, verloren geben wir die Wahlen natürlich nicht, aber das Ruder lässt sich in neun Monaten nicht herumreissen. Es wäre vermessen, wenn ich als neuer Präsident der SVP Aargau einen Wahlsieg im Herbst versprechen würde. Aber ich werde zu den Ortsparteien gehen und sie begeistern, wieder Plakate aufzuhängen und die harte Basisarbeit zu machen, damit die Menschen sehen, dass wir uns für ihre Anliegen einsetzen.

Sieg für den Hardliner: Glarner ist neuer SVP-Präsident

Sieg für den Hardliner: Glarner ist neuer SVP-Präsident

  

Mit welchem Thema wollen Sie im Herbst bei den Wählern punkten?

Das muss die Wahlleitung gemeinsam noch festlegen, aber sicher werden wir den Ausländeranteil unter dem Schlagwort «fremd im eigenen Land» thematisieren. Dazu kommen die Probleme in den Schulen aufgrund der starken Migration und ein weiteres Problem ist die Bevorzugung des Islam – dagegen müssen wir uns wehren.

Nach dem Verzicht von SP-Vertreter Urs Hofmann wird ein Sitz im Regierungsrat frei – wird die SVP diesen angreifen? Oder überlassen Sie den vakanten Sitz den Linken?

Wir werden diesen Sitz nicht angreifen, sondern den Fokus darauf legen, dass die beiden SVP-Regierungsräte Alex Hürzeler und Jean-Pierre Gallati wiedergewählt werden. Auch die Linken müssen schliesslich in der Kantonsregierung vertreten sein.

Bei den Grossratswahlen gibt es keine Listenverbindungen, die SVP kann dieses Jahr also allein marschieren. Bei den nationalen Wahlen spannte die SVP mit der FDP zusammen – wie sieht Ihr Verhältnis zu den Freisinnigen aus?

Ich habe die FDP kritisiert, als sie von Petra zu Greta schwankte – also für ihren Slalomkurs in der Klimapolitik. Dennoch werde ich mit FDP-Kantonalpräsident Lukas Pfisterer natürlich das Gespräch suchen, ich strebe eine gute Zusammenarbeit mit den Freisinnigen an. Es geht letztlich darum, gemein- same Positionen zu stärken, und nicht, sich gegenseitig zu bekämpfen.

Das klingt sehr versöhnlich, dabei gibt es durchaus Konfliktpotenzial: Vor den Nationalratswahlen kritisierte FDP-Aargau-Präsident Lukas Pfisterer das Würmer-Plakat der SVP, Sie haben das Sujet verteidigt…

Wir müssen die FDP einfach dazu bringen, auf den bürgerlichen Pfad zurückzukehren, dann kann sie für uns ein guter Partner sein.

Sie wollen die Aargauer SVP zum Leuchtturm machen – was heisst das konkret: höchster Wähleranteil aller Kantonalsektionen, besonders radikale Positionierung…?

Die SVP Aargau soll ein Leuchtturm sein und eine nationale Ausstrahlung haben, wie dies einst die Zürcher Sektion hatte. Wir wollen künftig ein Vorbild sein für andere Kantonalparteien, eine Sektion, die hart arbeitet und einen hohen Wähleranteil hat.

Bisher war die Zürcher SVP als Hardliner-Sektion bekannt, auch in Zürich hat die Partei bei den letzten Wahlen aber deutlich verloren – sind Sie sicher, dass Sie wirklich den richtigen Kurs fahren?

Es wäre der richtige Kurs gewesen, wenn der ehemalige Zürcher Kantonalpräsident nicht völlig davon abgewichen wäre. Den Erfolg haben der SVP nicht Weichspüler-Politiker gebracht, sondern Leute wie Christoph Blocher, Hans Fehr, Christoph Mörgeli oder Ulrich Schlüer, die mit viel Engagement und klaren Positionen gearbeitet haben.

Sie selber haben bei den Nationalratswahlen 2019 insgesamt 64'053 Stimmen erzielt, vor vier Jahren waren es noch 75'305 – das würde dafür sprechen, dass die Hardliner-Strategie nicht funktioniert.

Das sehe ich nicht so: Die SVP hat insgesamt deutlich Stimmen verloren, ich habe das drittbeste Resultat aller Kandidaten erreicht, für mich persönlich ist das ein gutes Ergebnis.

«Das ist ein Fingerzeig für die SVP Schweiz»: der Kommentar zum neuen Aargauer Parteipräsidenten

«Das ist ein Fingerzeig für die SVP Schweiz»: der Kommentar zum neuen Aargauer Parteipräsident

Ein klarer Kurs auf Parteilinie, eine Kantonalpartei als Vorbild für den Aufschwung in der SVP – am Parteitag am Mittwochabend wählen die Delegierten klar Hardliner Andreas Glarner als Präsidenten. Was meint Glarner damit, wenn er sagt, die SVP Aargau müsse ein Leuchtturm werden und welche grosse Frage stellt sich jetzt im Hinblick auf die Grossratswahlen im Herbst? Der Kommentar von AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli.

Die SVP hat im Aargau im Herbst mehr als sechs Prozent an Wähleranteil und einen Sitz im Nationalrat verloren – weil sie zu brav war?

Nein, das war nicht der Grund für das schlechte Ergebnis. Wir haben Stimmen verloren, weil ein Klimahype herrscht, der gegen uns läuft. In dieser Situation hätte kein Präsident, egal wie er heisst, Erfolg haben können. Man kann nicht gewinnen, wenn ein fragwürdiges Thema alles andere völlig überlagert.

Sie sagen jetzt Klimahype, früher haben Sie auch schon von der Klimalüge der Linken gesprochen. Sind Sie der Meinung, dass der Mensch nicht für den Klimawandel verantwortlich ist?

Es ist eine gigantische Lüge, wenn man sagt, dass eine CO2-Reduktion in der Schweiz dazu führt, den Klimawandel zu verlangsamen. Wir werden sicher nicht auf diesen Zug aufspringen, zumal ich bezweifle, wie stark der Einfluss des Menschen auf den Klimawandel ist, der schon immer stattgefunden hat.

Auch in Ihrer Partei gibt es aber Stimmen, die Lösungen in der Klimapolitik fordern. Gerade aus Kreisen von SVP-Bauern, welche mit zunehmender Trockenheit zu kämpfen haben, ist dies zu hören.

Unternehmer und Bauern in der SVP tun freiwillig viel gegen den Klimawandel. Aber wir sind gegen Verbote und Ablasshandel, wir wollen keine riesige Umverteilungsmaschinerie, wie sie von den Linken angestrebt wird.

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