Sperrstunde
Angst, Frust und Wut: Aargauer Gastronomen bangen um ihre Existenz

Sollte die Sperrstunde ab 19 Uhr eingeführt werden, müssten viele Aargauerinnen und Aargauer ihre Restaurants ganz schliessen.

Stefania Telesca
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Drei Wirte – ein Problem: Corona und die damit verbundenen Massnahmen des Bundesrats: Patrick Schneider, Hanspeter Budmiger und Marie Therese Meier.

Drei Wirte – ein Problem: Corona und die damit verbundenen Massnahmen des Bundesrats: Patrick Schneider, Hanspeter Budmiger und Marie Therese Meier.

AZ/zvg

Sie haben trotz Corona lange Zeit die Zuversicht bewahrt: Die Aargauer Gastronominnen und Gastronomen. Doch angesichts der drohenden Sperrstunde ab 19 Uhr ist die Stimmung drastisch gekippt, wie Bruno Lustenberger, Präsident von Gastroaargau sagt: «Man hat jetzt einfach genug.»

Nach dem Lockdown im Frühling haben die Aargauer Wirte alles versucht, um den Schaden zu minimieren. Sie führten Take-Away und Lieferdienste ein und passten sich an die sich ständig verändernden Vorgaben an. Nun will der Bundesrat schärfere Massnahmen einführen, was bei der Gastrobranche schlecht ankommt. Die AZ hat mit drei Wirten gesprochen.

Marie Therese Meier, Würenlingen: «Angst, Frust und Wut»

In ihrem Restaurant Frohsinn in Würenlingen hatte Wirtin Marie Therese Meier im Frühling einen Take-Away eingerichtet.

In ihrem Restaurant Frohsinn in Würenlingen hatte Wirtin Marie Therese Meier im Frühling einen Take-Away eingerichtet.

Zur Verfügung gestellt

Marie Therese Meier führt mit ihrem Mann Marcel das Restaurant Frohsinn in Würenlingen. Die mögliche Schliessung ab 19 Uhr löst auch bei ihr viele negative Gefühle aus: «Angst, Frust und Wut», sagt sie auf Anfrage.

Die Idee des im Frühling gestarteten Mittagsmenu-Take-Aways auf den Abend ausweiten? «Damit können wir unsere Mitarbeiter aber nicht profitabel beschäftigen.» Meier und ihr Mann haben eine Geschäftsgrösse, bei der man die Mitarbeiter und deren Lebenssituation gut kenne. Sie sagt:

Man fühlt sich ihnen gegenüber verpflichtet.

So könne es nicht weitergehen: «Selbst, wenn wir wie bisher bis 23 Uhr offen haben können, ist unser Haus oft leer. Das Bundesamt für Gesundheit ruft die Menschen ja dazu auf, zu Hause zu bleiben.»

Hanspeter Budmiger, Muri: «Gastrobranche ist coronamüder als der Rest»

Hanspeter Budmiger wünscht sich, dass es nicht zu einem totalen Lockdown kommt.

Hanspeter Budmiger wünscht sich, dass es nicht zu einem totalen Lockdown kommt.

Zur Verfügung gestellt

«Es ist zum Weinen», sagt Hanspeter Budmiger, Inhaber der Wave-Café-Bar und Gemeindepräsident in Muri. «Der Gastrobereich ist noch coronamüder als der Rest der Schweiz.» Auch er habe in seinem Lokal immer wieder Anpassungen gemacht und sich an die Massnahmen gehalten. «Ich habe die Weihnachtseinsatzplanung bereits vier Mal gemacht und nun kann ich sie wahrscheinlich erneut über den Haufen werfen.»

Sollte die Sperrstunde ab 19 Uhr sowie eine Schliessung an den Sonntagen kommen, so werde er seine Café Bar, die einen Abendbetrieb vorsieht, zu 85 Prozent der Zeit geschlossen halten müssen. Budmiger sagt:

Bereits jetzt sind meine Umsätze nicht annähernd gewinnbringend.

Mit den aktuellen Öffnungszeiten könne er maximal die Lohnkosten decken, auf den Fixkosten bleibt er sitzen. Auch mit einem Foodshop hatte er versucht, den Schaden in Grenzen zu halten.

Trotzdem erhofft er sich keinen totalen Lockdown: «Wenn die angesagten Einschränkungen kommen, dann werde ich trotzdem an einzelnen Tagen offen haben. Schon alleine, um den Kontakt zu den Gästen zu behalten.» Dass die soziale Komponente komplett wegfalle, finde er traurig.

Peter Schneider, Aarau: «Der Frust ist da»

Peter Schneider und seine Schwester Manuela Schmid. Fotografiert am 30. März 2020.

Peter Schneider und seine Schwester Manuela Schmid. Fotografiert am 30. März 2020.

Sandra Ardizzone

Peter Schneider, der mit seiner Schwester Manuela Schmid den Gasthof Schützen in Aarau führt, will nicht aufgeben. Auch wenn die Sperrstunde ab 19 Uhr kommen sollte, werden sie ihr Restaurant nicht schliessen. «Der Frust ist da und es wäre für uns extrem schlecht», sagt der Gastronom und fügt an:

Aber entweder man schliesst ganz oder man versucht die Herausforderung anzunehmen.

Ihr Vorteil sei, dass sie durchgehend warme Küche anbieten. Und ihre Gäste, vor allem diejenigen, die bereits pensioniert sind, kämen oft bereits um 17 Uhr zum Abendessen. «Für alle anderen, die berufstätig sind, wird es zeitlich nicht mehr aufgehen.»

Immerhin sei die Nachfrage für den Take-Away bereits wieder gestiegen und werde nochmals steigen, sagt Schneider. Auch den Tagesteller-Lieferdienst, den sie während des ersten Lockdowns eingeführt hatten, haben die Geschwister vor ein paar Wochen wieder in Betrieb genommen.