Medikamenten-Initiativen
Ärzte-Präsident Hans-Ulrich Iselin: «Wir akzeptieren das Ergebnis»

Der Aargauische Ärzteverband verlagert seine Bemühungen nach dem Nein des Souveräns zu ihrer Initiative auf die eidgenössische Ebene. Er beklagt, dass die Apotheker die Motivation der Ärzte ausschliesslich auf materielle Interessen zurückführten.

Mathias Küng
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Hans-Ulrich Iselin, Präsident Aargauischer Ärzteverband.

Hans-Ulrich Iselin, Präsident Aargauischer Ärzteverband.

Chris Iseli/ AZ

Herr Iselin, akzeptieren Sie das für Sie negative Ergebnis?

Hans-Ulrich Iselin: Wir sind Realisten und akzeptieren das Ergebnis, werden unsere Bemühungen nun aber auf die eidgenössische Ebene verlagern, wo bei der Revision des Heilmittelgesetzes ein weiterer Generalangriff auf die ärztliche Kompetenz in der Anwendung und Verabreichung von Arzneimitteln droht.

Wie enttäuscht sind Sie vom Ergebnis vom 22. September?

Ich habe Verständnis für das Resultat in einem von Misstrauen geprägten Umfeld. Von Apothekerseite wurden Sicherheitsbedenken geltend gemacht und in unzumutbarer Weise die Motivation der Ärzteschaft ausschliesslich auf materielle Interessen zurückgeführt. Zudem wurde ein bestehendes Problem der heutigen Regelung nicht genügend diskutiert.

Welches meinen Sie?

Die Regelung, die den Patienten eine Stunde mit dem öV zur nächsten Apotheke zumutet,ist wohl die schlechteste Regelung, um Ausnahmen vom Medikamentenverkaufsverbot für Ärzte festzuhalten. Es gibt nämlich kaum mehr Orte im Kanton, welche angesichts eines gut entwickelten öV-Systems in der nötigen Distanz von einer Praxis liegen. Damit sind die Ärzte, die jetzt noch Medikamente verkaufen dürfen, buchstäblich vom Wohlwollen der Apotheker und Behörden abhängig.

Und darüber hinaus?

Ganz vernachlässigt wurde der Unterschied zwischen Verschreibung und Verkauf. Es gibt gewisse Bereiche in der selbständig-medizinischen Praxis wie beispielsweise in der Radiologie und der Onkologie, wo Medikamente direkt angewendet werden. Zum Beispiel in einer Chemotherapie bei einer Tumorerkrankung. Da wäre es wichtig, dass der Arzt, der dies selbst durchführt, in der Lage wäre, beim Grossisten das nötige Material einzukaufen. Das wäre kostengünstiger, sondern auch eine Voraussetzung für das Weiterbestehen selbständiger spezialärztlicher Praxen.

Wie geht es weiter?

Wenn die vielfältige Diskriminierung selbständiger Ärzte in der Grundversorgung anhält, droht ein sehr rascher Rückgang der selbständigen ärztlichen Tätigkeit. Damit einher ginge eine Verlagerung zu kleineren und grösseren institutionellen Anbietern. Denn dann hätte niemand mehr Lust auf eine selbständige Tätigkeit. Das bringt dann aber letztlich Mehrkosten und eine faktische Rationierung.Ob dsich dieser Trend noch umkehren lässt, ist äusserst fraglich.

Regierungsrätin Hochuli setzt darauf, dass Ärzte und Apotheker beim Masterplan Integrierte Versorgung mittun. Sind Sie dabei?

Selbstverständlich machen wir mit. Dieser Masterplan kann aber nur funktionieren, wenn die notwendigen Investitionen für eine lückenlose und pannenfreie Kommunikation zwischen Patient, Arzt, Spital und Apotheker getätigt werden. Weder die Apotheker noch die Ärzte haben heute die Mittel, sich so auszurüsten, dass es funktioniert. In den bisherigen Tarifverhandlungen auf nationaler und kantonaler Ebene wurde dieser Investitionsbedarf regelmässig ausgeblendet. Es gibt zwar hoffnungsvolle Absätze.

Wo?

Zum Beispiel bei verkehrsmedizinischen Untersuchungen, wo die Ärzte online mit dem Strassenverkehrsamt kommunizieren können. Aber das ist ein Tropfen auf den heissen Stein.

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