In einem Leserbrief an diese Zeitung bezeichnet Paul Küng, ehemaliger CFO bei ABB Schweiz, den Verkauf der Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen als «Skandal». Obwohl er selber Aktionär ist, bemängelt er, dass das Geld vom Verkauf nicht der ABB als Unternehmen zu Gute komme.

Somit folgt er der Argumentation von Rainer Huber in einem Facebook-Post. Dieser bezeichnete die Argumente des ABB-Chef Ulrich Spiesshofer als «zum Kotzen peinlich»Wie schon SP-Präsidentin Gabriela Suter findet Küng es «skandlös», dass der ganze Netto-Erlös ausschliesslich an die Aktionäre fliessen soll. Seiner Ansicht nach sei die bisherige Dividendenpolitik «durchaus gut bis sehr gut» gewesen. 

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer, als er den Deal mit Hitachi verkündet.

      

Mit seiner Kritik stellt sich Küng in eine Reihe von Kritikern des Hitachi-Deals. Bisher hatten sich der amtierende Volkswirtschaftdirektor des Kanton Aargaus Urs Hoffman (SP) und alt Regierungsrat Rainer Huber (CVP) ihren Unmut über den Verkauf der Stromnetzsparte geäussert. Auch der Aargauer Regierungsrat und die SP Aargau bemängelten die Entscheide der ABB-Führung in Medienmitteilungen. 

Der ehemalige CFO könne zwar verstehen, dass man «aus Risikoüberlegungen das Sortiment eines Konzerns» optimieren müsse. Er bezweifle aber, dass «der schrittweise Ausstieg aus der Stromübertragung zum jetzigen Zeitpunkt» vernünftig sei. Er sei «sehr enttäuscht» von der Entscheidung der Konzernleitung. (cez)

Der Leserbrief in voller Länge:

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann zum ABB-Verkauf: «Da müssen wir die Augen offen halten»

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann zum ABB-Verkauf: «Da müssen wir die Augen offen halten»

17.12.2018: Der Industriekonzern ABB verkauft den Grossteil der rund 36'000 Mitarbeiter starken Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen Hitachi. ABB will sich durch den Verkauf zeitgleich neu ausrichten, rechnet indes nicht mit einem weiteren Stellenabbau in der Schweiz. Was der ABB-CEO dazu sagt sowie die Reaktionen von Roland Villiger, Leiter Verkauf ABB Semiconductors Lenzburg, und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann.