Murgenthal

Auch Vierbeiner brauchen Physiotherapie, um beweglich zu bleiben

Daniela Schenk führt in Glashütten seit rund einem Jahr eine Physiotherapie-Praxis für Hunde. Dort hilft sie Vierbeinern, die Schmerzen haben, aber auch solchen, die sich von einer Operation erholen müssen oder als Sporthunde viel in Bewegung sind.

Schäferhund Eiko ruht auf der Massageliege, die Augen sanft geschlossen. Er geniesst gerade eine Behandlung bei Hundephysiotherapeutin Daniela Schenk. Wenige Wochen ist es her, als er beim Spielen mit einem anderen Hund plötzlich vor Schmerzen aufjaulte. Die Diagnose des Tierarztes ergab eine lumbosakrale Stenose, eine Verengung zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Kreuzbein. Das Syndrom kommt häufig bei Schäferhunden vor. Es löst starke Schmerzen und Lähmungen aus, weil dabei Nerven zusammengedrückt werden. Eiko verlagert momentan sein ganzes Körpergewicht auf die Vorderbeine, um sich zu schonen. Das sorgt jedoch für Verspannungen im Schultergürtel, die Daniela Schenk jetzt mit einer Massage wieder löst. Mehr darf sie momentan nicht machen: Ihr Patient hat vom Tierarzt Kortison bekommen und muss sich sechs Wochen schonen, bis sich der Nerv im Rücken erholt hat. Mit gekonnten Griffen lockert sie die Verspannungen entlang der oberen Wirbelsäule, massiert die Schultern, dehnt sanft die Schulterblätter und die gesamte Vordergliedmasse.

Seit Januar 2018 führt Daniela Schenk ihre Hundepyhsiopraxis in Murgenthal. Dort hilft sie Vierbeinern wie Eiko, die beim Gehen Schmerzen haben, aber auch solchen, die sich von einer Operation erholen müssen oder als Sporthunde viel in Bewegung sind. «Manche Halter möchten ihrem Hund auch einfach eine Wellnessbehandlung gönnen», sagt die 46-Jährige. Und so sieht es in ihrer Physiopraxis auf den ersten Blick aus wie in einem Trainingsraum für menschliche Patienten: Neben der Massageliege steht ein Stepper, am Boden liegen Matten und Gummibälle. Im Hintergrund läuft leise Entspannungsmusik. 

Den Hunden etwas zurückgeben

«Ich habe mich schon immer für medizinische Berufe interessiert», erzählt die Murgenthalerin, die hauptberuflich als Prophylaxeassistentin in einer Zofinger Zahnarztpraxis arbeitet. Vor rund acht Jahren stiegen sie und ihr Mann mit der gemeinsamen Schäferhündin Fashion in den Hundesport ein. «Bald wurde mein Wunsch geweckt, den Hunden etwas zurückzugeben, ihnen etwas Gutes zu tun. Sie müssen im Sport schliesslich hohe Leistungen erbringen.»

Eine Bekannte aus Deutschland brachte sie auf die Idee, sich zur Hundephysiotherapeutin ausbilden zu lassen. In der Schweiz gibt es dafür zurzeit drei Schulen. Daniela Schenk erwarb ihr Diplom bei einem Ausbildungszentrum für Tierheilkunde in Münsingen, wo sie neben Hundephysiotherapie-Lektionen auch veterinärmedizinische Grundlagen erlernte. Einen Tierarzt könne sie allerdings nicht ersetzen, betont sie. «Unser Ziel ist eine Zusammenarbeit mit den Veterinären, damit sich die beiden Disziplinen ergänzen.» So könne sie manchmal auch Vierbeinern helfen, bei denen der Tierarzt nicht mehr weiterweiss. «Einmal wurde ein Hund zu mir gebracht, der Lähmungserscheinungen zeigte, für die der Tierarzt keine Ursache gefunden hatte. Ich löste verschiedene Blockaden, und der Hund konnte sogar wieder in den Hundesport zurückkehren.»

Kleinste Signale beachten

Die Arbeit als Hundephysiotherapeut erfordere viel Einfühlungsvermögen. «Der Mensch sagt, wenn ihm etwas weh tut – beim Hund muss man auf kleinste Signale achten, zum Beispiel ein Zucken der Ohren.» Wichtig sei dabei auch die Kommunikation mit dem Besitzer, der bei jeder Therapiesitzung dabei ist. So sitzt Eikos Halterin Renate Meyer heute am Kopfende der Liege, streichelt Eikos Kopf und spricht mit ihm, bis die halbstündige Massage vorbei ist.

Zum Abschluss dieser dritten Therapiesitzung geht es für den Hund auf das Unterwasserlaufband – ein grosses Becken mit integriertem Laufband, das mit warmem Wasser befüllt werden kann. Das schont die Gelenke und entspannt die Muskulatur. Weil Eiko aber erst nach seiner Schonzeit mit dem Bewegungstraining beginnen darf, macht er heute nur eine Trockenübung: Er setzt sich auf das ausgeschaltete Laufband und schnuppert an der Antirutschmatte, die auf dem Boden liegt. «So hat er sich schon an das Gerät gewöhnt, wenn wir in ein paar Wochen damit anfangen zu arbeiten», erklärt Daniela Schenk. Und damit er dann auch gerne wiederkommt, gibt es für Eiko zum Abschied ganz viele «Gudeli».

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