Meiereien
Auf der Suche nach Polderhorn im Val Bavona

Der Redaktor Jörg Meier stieg als einziger Passagier in Bignasco ins Postauto, das ihn zuhinterst ins Val Bavona brachte. Dort wollte er Polderhorn besuchen.

Jörg Meier
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Suche nach Polderhorn im Val Bavona
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Mitten im Tal versperrt ein mächtiger Fels den Durchgang.
Der Wald mit den vielen Farnen erinnert an eine Urlandschaft.
Die Häuser von Sonlert wurden zwischen den Felsen eines Steinschlags gebaut.
Überall verträumte und verlassene Rustici, wie hier bei Roséd - doch nirgends eine Spur von Poderhorn.
Jeder Quadrameter zählt: eine auf einem Felsen angelegte Hängewiese, die nur über eine Steintreppe zu erreichen ist.
Eine ganz besondere Unterkunft. Aber ob sch Polderhorn damit zufrieden gibt?
Hält sich Polderhorn im Weiler Fontanelade auf?

Suche nach Polderhorn im Val Bavona

Jörg Meier

Wenn er schon im Tessin war, hatte sich der Redaktor gedacht, könnte er doch auch gleich einmal Polderhorn mit einem Besuch überraschen, der sich da irgendwo in dieses Tal zurückgezogen hatte, um seinen ersten grossen Roman zu vollenden. Der Redaktor hatte schon seit bald einem Monat nichts mehr von Polderhorn gehört. Nicht dass er sich Sorgen gemacht oder ihn gar vermisst hätte; das sicher nicht. Nein, er dachte, das könnte doch seine kleine Rache sein, wenn er auf einmal unangemeldet bei Polderhorn auftauchen würde. Und er freute sich diebisch auf Polderhorns Irritation.

Unterwegs in Richtung Sabbione - und immer noch keine Spur von Polderhorn.
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Ritorto - einer der vielen stromlosen und nur im Sommer bewohnten Weiler.
Der Weg durchs Tal ist lang und verändert sich stetig.
In der grünen, scheinbar menschenleeren Talsohle.
Der Weiler Ganarint ist umringt von haushohen Felsblöcken. Überall Steine, aber keine Spur von Polderhorn.
Der Wald steht saftig-grün und scheint undurchdringlich.
Der berühmte Wasserfall von Foroglio. Hier hat schon Leni Riefenstahl gedreht. War Polderhorn auch hier?
Hat sich Polderhorn in dieses Rustico zurückgezogen?

Unterwegs in Richtung Sabbione - und immer noch keine Spur von Polderhorn.

Jörg Meier

In San Carlo stieg der Redaktor aus. Das Postauto fuhr leer weiter bis zur Talstation der Gondelbahn nach Robiei, die erst am 16. Juni wieder den Betrieb aufnimmt. In der Gartenwirtschaft des Ristorante Basadino sassen drei Einheimische, sonst schien der Weiler verlassen. Der Redaktor fragte sie nach Polderhorn. Sie aber wussten nichts von Polderhorn. Da begann der Redaktor seine Wanderung durchs Val Bavona. Er war noch immer überzeugt, dass er Polderhorn unterwegs antreffen würde, sinnierend, schreibend, palavernd - er würde ihn finden.

Ein paar Stunden später hatte der Redaktor über ein Dutzend steinerne Weiler durchwandert, er hatte verstanden, dass hier der Fels, das Mass aller Dinge ist, er hatte die Spuren des immerwährenden Kampfes zwischen Mensch und Stein gesehen. Er hatte saftige Wiesen, Felder und Auen durchquert und die vielen steinernen Halden. Er war einer Schlange begegnet und dem irisierenden Wasserfall von Foroglio, er hatte die Ställe unter den Felsen gefunden und die surrealen Hängewiesen. Der Redaktor kam sich vor wie ein Entdecker, der unverhofft ein neues Land findet und nur noch staunen mag. Nein, Polderhorn ist er nicht begegnet. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr.

joerg.meier@azmedien.ch

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