Am Anfang standen Einsprachen: Die Gemeinden Rupperswil, Möriken-Wildegg und Holderbank hatten sich dagegen gewehrt, dass das Ausbruchmaterial vom Bözbergtunnel per Lastwagen nach Wildegg gekarrt wird. Von dort aus hätte die Jura Cement das Material zur Wiederauffüllung Oberegg gebracht. Wäre dieser zweite Schritt per Lastwagen passiert, dann hätte auch die Gemeinde Veltheim Einsprache erhoben. Die SBB mussten umdenken, wenn sie ihren Zeitplan einhalten wollten.

Dass der Transport der Steine heute per Bahn und Förderband möglich ist, verdankt sie Stefan Heeb von SBB Cargo. Er entwarf eine Transportlösung, die laut SBB letztlich überzeugender war als die Strassenvariante.

Aus der Not geboren

Seit diesem Monat wird das Gestein abtransportiert. Wären vorher 56'700 Lastwagenfahrten nötig gewesen, braucht es jetzt 780 Züge, um das Material bis Juni 2019 abzutransportieren. Es wird sechsmal weniger Energie verbraucht als bei einem Transport auf der Strasse, die CO2-Bilanz ist fünfzig Mal besser.

«Das Projekt ist ein voller Erfolg geworden», so Thomas Zieger, Gesamtprojektleiter. Die SBB hatten dazu eingeladen, den Verlad von Ausbruchmaterial auf die Eisenbahnwagen live zu beobachten. Von der Besucherplattform oberhalb des Tunneleingangs ist zu sehen, wie ein Radlader Material aufnimmt und aus der grossen Schaufel in den Eisenbahnwaggon fallen lässt.

Drei Fahrten sind nötig, dann ist der erste Waggon bereits gefüllt. Dreimal pro Tag fährt ein Zug vom Tunneleingang über Brugg bis nach Wildegg. Dort wird das Material umgeladen und per Förderband zur Wiederauffüllung Oberegg transportiert. Dann wird es zwischengelagert, bis die Jura Cement es für die Renaturierung des Steinbruchs verwendet.

«Die Transportlösung per Lastwagen wäre zwar billiger gewesen», so Zieger. Rund 6 Millionen Franken mehr mussten die SBB in die Hand nehmen. «Aber die heutige Lösung ist ökologischer. Es ist ein unkonventionelles Projekt, das aus der Not heraus geboren wurde und sich absolut gelohnt hat.»

Vorzeigeprojekt geschaffen

Der Kopf hinter dem Projekt, Stefan Heeb, steht ebenfalls auf der Plattform. Stolz gibt er Auskunft über sein Projekt. «Das Schwierige war der Zeitdruck», erinnert er sich. «Wir mussten schnell fertig werden, weil wir für den Bahntransport eine neue Bewilligung brauchten.»

In einem ersten Schritt schaute er sich die Situation vor Ort an und merkte: Das übliche Modell mit einer Lokomotive funktioniert nicht. «Es gab nur ein Gleis und keinen Platz für einen Lokwechsel. Also mussten wir eine verpendelte Lösung suchen.» Verpendelt bedeutet, dass an beiden Enden des Zuges eine Lokomotive angebracht ist. «Das ist ein Novum, weil es mehr Ressourcen braucht. Zwei Loks sind viel teurer.»

Um die Kosten zu senken, versuchte er, möglichst effektive Konzepte für die Ver- und Entladung zu finden. Der Radlager ist ein Beispiel dafür, weil er schnell und effektiv arbeitet. Schliesslich konnte er die SBB von seiner Idee überzeugen.

Heeb ist stolz auf seine Lösung. Er hat ein Pilotprojekt geschaffen, das auch in Zukunft angewendet werden kann. «Wir können es immer wieder aus der Schublade holen und anpassen», erzählt er und strahlt. «Es war definitiv eines der spannendsten Projekte, an denen ich gearbeitet habe.» Er freut sich, dass er zeigen konnte, dass sich der Transport auf den Schienen lohnt. «Die Bahn bietet einfache und effiziente Lösungen. Sie muss nur früher in die Planung einbezogen werden, am besten schon im Vorprojekt.»