Lenzburg
Ausländische Hände gegen ausländische Pflanzen: Asylbewerber bekämpfen Neophyten

Pro Natura will im Kanton Aargau die Ausbreitung von Neophyten eindämmen. Der Umweltverband Pro Natura hat bisher mit Zivilschützern versucht, die Neophyten zu bekämpfen – nun greift der Verband auf ausländische Hände zurück.

Merken
Drucken
Teilen
Asylsuchende bekaempfen Neophyten im lenzbuger Wald.

Asylsuchende bekaempfen Neophyten im lenzbuger Wald.

Annika Buetschi

Asylsuchende mit laufendem Verfahren (Status N) können an Beschäftigungsprogrammen teilnehmen. Seit Anfang Juni 2013 können Asylsuchende an einem Pilotprojekt des Kantonalen Sozialdienstes (KSD) und der Pro Natura teilnehmen, das zum Ziel hat, die Ausbreitung von Neophyten einzudämmen, teilt der Kanton mit.

Das Projekt ist in der Region Aarau gestartet. Die ersten Ergebnisse nach rund fünf Wochen sind erfreulich. Die Arbeiten schreiten unter Anleitung von Spezialisten rasch voran und die Motivation für eine nicht alltägliche, sinnvolle Beschäftigung ist insbesondere auch bei den Asylsuchenden gross.

Zehn Freiwillige

Am Projekt nimmt aktuell eine Gruppe von zehn Asylsuchenden aus der Volksrepublik China (Tibet), aus Eritrea, aus Äthiopien und aus Afghanistan teil. Sie sind zwischen 24 und 48 Jahre alt, wohnen in verschiedenen kantonalen Unterkünften und werden von drei Instruktoren betreut.

Die Teilnehmenden erhalten nebst der ihnen zustehenden Unterstützung gemäss Sozialhilfe- und Präventionsverordnung (SPV) eine sogenannte Motivationsentschädigung von sieben Franken pro Tag.

Die Kosten für die Umsetzung des Projekts betragen rund 100'000 Franken. Diese werden durch das Departement Bau, Verkehr und Umweltschutz getragen. Die Motivationsentschädigungen werden durch den KSD finanziert.

Diese Auslagen sind Bestandteil der Globalpauschale, die der Bund an die Kantone ausrichtet. Für die Auswahl der geeigneten Asylsuchenden, die an diesem und anderen Beschäftigungsprogrammen teilnehmen, sind das KSD und das Amt für Migration zuständig.

Fassettenreiche Programme

Beschäftigungsprogramme haben gemeinnützigen Charakter und dürfen den normalen Arbeitsmarkt nicht konkurrenzieren. Beschäftigungsprogramme finden in verschiedenen Bereichen statt: Öko und Landwirtschaft, Brennholz- und Metallverwaltung, Montage und Recycling, Geschützte Werkstätte und Textil. Im Kanton Aargau stehen insgesamt rund 140 Plätze dafür zur Verfügung.

Invasive Neophyten (sich rasch vermehrende, eingeschleppte Pflanzenarten), wie zum Beispiel das Drüsige Springkraut und die Kanadische Goldrute, wie sie aktuell in Lenzburg bekämpft werden, sind nicht immer leicht zu erkennen. Sie richten aber grossen Schaden an, weil sie einheimischen Pflanzen ihre Existenzgrundlage entziehen.

In der Schweiz gibt es etwa 24 Arten von Neophyten, die in diesem Sinne als gefährlich eingestuft werden müssen.