Im Juli 2016 erhielt eine Autofahrerin aus der Region einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau. Darin wurde wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von 200 Franken verurteilt.

Dass sich diese Summe mittlerweile vervielfacht hat und happige Gerichtskosten dazu kommen, ist dem Umstand geschuldet, dass die Frau ihren Schuldspruch durch alle Instanzen gezogen hat.

Konkret wird der Frau vorgeworfen, bei einer Kreuzung, die sie geradeaus passierte, einen Velofahrer übersehen zu haben. Der 11 Jahre alte Knabe kam vortrittsberechtigt von rechts und wollte nach rechts abbiegen. Als er merkte, dass die Autofahrerin ihm den Vortritt nehmen würde, bremste er stark ab und kam deshalb zu Fall.

Bei der auf Video aufgezeichneten Einvernahme konnte der Knabe nicht nur das Auto genau beschreiben - ein grosser weisser BMW - und die ersten vier Ziffern des Nummernschildes nennen. Er sagte auch, eine Frau sei am Steuer gewesen, und er habe das Auto vorher bei der Post gesehen.

Letzteres bestritt die Fahrerin nicht, beteuerte aber, sie sei ortskundig und habe sich an der Kreuzung versichert, dass sich niemand von rechts nähere. Der Knabe sei noch nicht im Bereich der Kreuzung gewesen.

Ihr Antrag auf einen Augenschein vor Ort, um abzuklären, ob die Autofahrerin den Velofahrer hätte sehen müssen, war schon vom Bezirksgericht abgelehnt worden. Dieses hatte sich mit dem Fall zu befassen, weil die Frau gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben hatte. Dieser Schuss ging nach hinten los, erhöhte doch das Bezirksgericht die Strafe für die Missachtung des Rechtsvortritts von 200 Franken auf 800 Franken.

Auch das Obergericht hielt daran fest und wies darauf hin, dass auch eine Verurteilung weger grober Verletzung der Verkehrsregeln infrage gekommen wäre. Die Frau gelangte ans Bundesgericht – und auch dort blitzte sie nun ab. Neben der Busse muss sie nun auch die Bundesgerichtskosten von 3000 Franken und ihre Anwaltskosten zahlen. (nro)