Autokrane haben mit Helikoptern etwas gemeinsam: Sie faszinieren kleine und grosse Buben – und auch viele Mädchen. Darum ist die Firma Senn AG aus Oftringen landesweit bekannt. Sie hat heute 15 Kräne mit einer Tragkraft von bis zu 1200 Tonnen und ist schweizweit einer der Marktführer. Von den rund 300 Angestellten arbeiten aber nur rund 50 im Bereich Kran und Transport.

Die gelben Pneukrane sorgen dennoch für das Image – selbst wenn sie ursprünglich für die Metallbaufirma nur Mittel zum Zweck waren. Heinz Senn kaufte anfangs der sechziger Jahre den ersten Kran, etwa fünf Jahre, nachdem er seine Firma gegründet hatte. Letzte Woche ist die markante Unternehmerpersönlichkeit im 91. Altersjahr gestorben, wie die Familie mitteilte. In der Todesanzeige stand: «Dein erfülltes Leben war geprägt von grossem Unternehmensgeist, Familienliebe und einer bewundernswerten Vitalität.»

«Ich mied den Stammtisch»

Im Sommer 2017, aus Anlass des 60-Jahre-Jubiläums der Firma, erklärte Heinz Senn in einem Interview dem Zofinger Tagblatt»: «Der Begriff Tellerwäscher passt mir nicht. Ich habe Schlosser gelernt und die Meisterprüfung gemacht. Was jedoch stimmt: Ich komme aus einfachen Verhältnissen.» Über seine Anfangszeiten erzählte Heinz Senn einmal: «Ich rauchte nicht und mied den Stammtisch sowie das Jassen, weil mich das Geld und die Zeit reuten.

Mit dem Gesparten erfüllte ich mir den Wunsch nach einem Auto und finanzierte die Werkzeuge und das übrige Material für die Selbstständigkeit. Im Weitern halfen mir zwei Onkels mit je einem Darlehen von 4000 Franken aus. Keine Bank war bereit, mir zu dieser Zeit ein Startgeld zu gewähren.» Und: «Es gab zu den Anfangszeiten weniger Konkurrenz. Ich habe aber auch sieben Tage die Woche gearbeitet. Der Erfolg kam durch Fleiss, Durchhaltevermögen, das ‹Die-Arbeit-fertig-Machen›.»

Mit der Concorde um die Welt

Der Familienvater war ein leidenschaftlicher Jäger, gehörte etwa 50 Jahre der Jaggesellschaft Aarburg-Oftringen-Rothrist an («Ich führte immer einen Vorstehhund») und war ein passionierter Reiter (seine Frau nahm als Dressurreiterin an den Olympischen Spielen 96 in Atlanta teil). Zudem sagte Heinz Senn: «Ich habe mir nebst zahlreichen Geschäftsreisen oft grössere Ferien geleistet. Mit der Concorde bin ich zweimal um die Welt geflogen. Und weil ich quasi ein halber Bauer bin, habe ich in Kanada eine 780 Hektaren grosse Farm gekauft.»
Als Unternehmer war Senn manchmal seiner Zeit möglicherweise voraus. Zum Beispiel als er 2009 von der Firma Liebherr den weltweit stärksten Teleskopmobilkran bauen liess – in der Hoffnung damit Windkraftanlagen aufstellen zu können. 2016 verkaufte die Senn AG den Kran, weil sich die Windkraft hierzulande wegen Einsprachen nicht wie erhofft entwickelt hatte.

Die Firma Senn ist heute in den Geschäftsfeldern Stahl- und Metallbau, Blech- und Edelstahlcenter, Notstromanlagen, Pneukrane und Transporte, Hydraulikschlauchservice sowie Planung und Herstellung von Fertigbetonelementen tätig. Sie wird von drei Söhnen des Firmengründers Beat, Jörg, und Heinz jun. geführt.

In seinem letzten grossen Interview, als damals 88-Jähriger, sagte Heinz Senn: «Ich komme so lange zur Arbeit, wie ich kann.» Jetzt kommt er definitiv nicht mehr – und der Aargau ist um einen Unternehmer mit Pioniercharakter ärmer.