Vorstoss

Balkan-Machos: SVP-Grossrat will ihnen das Handwerk legen

«Ich will, dass man hinschaut und einschreitet.»: SVP-Grossrat René Bodmer im Streitgespräch mit Lehrerpräsidentin Elisabeth Abbassi in der Sendung «TalkTäglich».

René Bodmer: «Ich will, dass man hinschaut, dass man einschreitet.»

«Balkan-Machos machen unsere Schulen unsicher.» Solche und ähnliche Meldungen sind in letzter Zeit immer wieder zu lesen und zu hören. Doch stimmt das wirklich? SVP-Grossrat René Bodmer (links) und Lehrerpräsidentin Elisabeth Abbassi sind sich uneinig. Sehen Sie hier die wichtigsten Momente aus der Sendung «TalkTäglich» im Zusammenschnitt.

René Bodmer will von der Aargauer Regierung wissen, wie viele Mädchen im Kanton Opfer von sexuellen Erniedrigungen durch Buben mit Migrationshintergrund sind. Im «TalkTäglich» erzählt der Schulpfleger, welche Erfahrungen er selbst gemacht hat.

René Bodmer ist «schockiert». Grund ist ein Artikel der «Sonntagszeitung», in dem von Schülerinnen berichtet wird, die vermehrt von Kollegen mit Migrationshintergrund schikaniert werden. Mädchen berichteten von Beschimpfungen wie «Nutte», «Fotze» oder «Ich ficke dich ins Grab».

Das brachte das Fass für den Aargauer SVP-Grossrat zum Überlaufen. Er handelte rasch: Gestern Dienstag reichte er beim Regierungsrat die Interpellation «betreffend Probleme an Aargauer Schulen, welche durch nicht integrationswillige und/oder integrationsfähige Knaben und Jugendliche aus dem Balkan hervorgerufen werden». Konkret stellt er der Aargauer Regierung zehn Fragen (siehe unten). 

«Ich will, dass man einschreitet, statt wegzuschauen»

Dass sich Buben in der Schweiz so verhalten, «das geht nicht!», sagte er noch am selben Abend in der Sendung «TalkTäglich». Denn: «Stellen sie sich vor, einer von uns, von der SVP, würde eine solche Aussage gegenüber einem Kind mit Migrationshintergrund machen.» Mit seinem politischen Vorstoss wolle er bezwecken, dass man von «dieser Kultur des Wegschauens» weg komme. «Ich will, dass man hinschaut, dass man einschreitet.»

Bodmers Gesprächspartnerin war die Präsidentin des Aargauischen Lehrerverbands, Elisabeth Abbassi. Es war eine hitzige Diskussion, die sich die beiden unter der Leitung von «Nordwestschweiz»-Chefredaktor Christian Dorer lieferten.

Während Bodmer ein brennendes Problem mit religiösem Hintergrund sieht, ist für Abbassi die Situation im Kanton nicht so gravierend wie andernorts. «Ich denke, dass die Situation im Aargau nicht wirklich schlimm ist», sagte die Möriker Schulleiterin zu Beginn des Gesprächs. Bei der Beratungsstelle des Lehrerverbands sei dies kein Thema. Konkrete Kenntnis der Sitation im Aargau habe der Verband aber nicht.

«So fromm sind diese jungen Mannen gar nicht»

Bodmer, selbst als Schulpfleger in Arni tätig, berichtete von Vorfällen, die ihm zugetragen wurden. Etwa von «rassistischen Äusserungen von Jugendlichen aus dem Balkan gegen das einzige Schweizer Meitli in der Klasse». Er berichtet von «Lehrpersonen, die mir wörtlich sagen: Es wird weggeschaut».

Für ihn ein «religiöses Problem»: «Im moslemischen Glauben ist Integration verboten.» Er habe jahrelang «in diesen Ländern» gearbeitet und sich intensiv mit dem Islam und dem Koran auseinander gesetzt.

«Das hat mit Religion überhaupt nichts zu tun», konterte Abbassi. «So fromm sind diese jungen Mannen ja gar nicht, das muss mir niemand erzählen.» Sei ein Mädchen die einzige Schweizerin in einer Klasse, spreche man jedoch von einem Ghetto. «Und solche Ghetto-Bildung sieht man in Frankreich in den Vororten noch und nöcher.» Für Abbassi ist das Problem deshalb nicht ein Balkan-Problem. Es sei ein «ein Sozialschichten-Problem», ein Problem der fehlenden Perspektiven bestimmter Jugendlicher. Für Bodmer ist dieser Ansatz nur «linker Täterschutz».

Machen Balkan-Machos unsere Schulen unsicher? Sehen Sie hier den ganzen Talk zum Thema.

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Bodmers zehn Fragen im Wortlaut:

  1. Besteht an den Aargauer Schulen ein Meldewesen, an das sich Lehrpersonen wenden können, in deren Klassen / Schulen solche Vorfälle vorkommen?

  2. Wie viele Fälle von verbalen und handgreiflichen Attacken gegen Mitschülerinnen, Mitschüler und / oder weiblichen Lehrpersonen sind dem Regierungsrat über die letzten fünf Jahre hinweg bekannt geworden, welche durch Buben und Jugendliche mit Migrationshintergrund begangen wurden, aus welchen Ländern stammen diese ursprünglich und wie viele von ihnen sind mittlerweile eingebürgerte Schweizer?

  3. Welche konkreten Schritte und Massnahmen wurden gegen den / die Täter ergriffen?

  4. Wie wurden die Opfer der jeweiligen Attacken betreut und mit welchen konkreten Massnahmen hat man diese im schulischen Alltag unterstützt?

  5. Gemäss Aussagen des Basler Bildungsdirektors beschäftigte man alleine für den Elternabend an einer der städtischen Schulen 12 Dolmetscher. Wie viele Dolmetscher-Stunden wurden in den letzten fünf Jahren an Aargauer Schulen für Elternabende, Eltern-Einzelgespräche, Kriseninterventionen, bei heiltherapeutischen Lektionen usw. aufgewendet und wie verläuft die Entwicklung der dafür aufgewendeten Kosten in genannter Periode? Auflistung bitte nach Jahren.

  6. Mit welchen konkreten Massnahmen begegnet der Regierungsrat den innerfamiliären Druckausübungen und der Verhinderung der Integration von weiblichen Familienangehörigen um somit der Integrationspflicht Nachdruck zu verschaffen?

  7. Mit welchen Massnahmen will der Regierungsrat die gleichberechtigte Behandlung zwischen Schweizer Kindern und den Kindern mit Migrationshintergrund (Ausländer und eingebürgerte) sicherstellen, wo doch auffällige Schweizer Kinder meist sofort mit intensiven und teuren Verfahren schulpsychologisch abgeklärt und einer Massnahme zugeführt werden, sich Familien mit einem Migrationshintergrund solchen Abklärungen und Massnahmen aber anscheinend, mit Verweis auf ihre Herkunft und die dort geltenden Sitten, oftmals leicht entziehen können?

  8. Wie gedenkt der Regierungsrat die Gettobildung und die Schaffung von rechtsfreien Räumen zu verhindern, in denen nicht Schweizer Recht zur Anwendung gelangt, sondern jenes aus den ursprünglichen Herkunftsländern? Dies insbesondere vor dem Hintergrund der Scharia-Diskussion, sowie von versprochenen Ehen zum Zeitpunkt zu dem die Kinder noch minderjährig sind.

  9. Ist der Regierungsrat gewillt Familien von auffälligen ausländischen Kindern, welche Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrpersonen drangsalieren und verbal als auch handgreiflich attackieren mit einer Einbürgerungssperre auf unbestimmte Zeit zu belegen?

  10. Wie beurteilt der Regierungsrat die Forderung vieler Schweizer Bürgerinnen und Bürger, nachdem Personen, welche sich in der Schweiz nachweislich nicht integrieren wollen, das Land zu verlassen haben und zurück in ihre Herkunftsländer zu schaffen sind? Welche konkreten gesetzlichen Möglichkeit stehen nach Meinung des Regierungsrates für die Verfügung und den Vollzug der Rückschaffung zur Verfügung?

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