AKB-Chefsessel
Bankpräsident Egloff: «Wir haben Waespi nicht blauäugig gewählt»

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) wird Andreas Waespi, der wegen eines Berufsverbots nicht AKB-Direktionspräsident werden kann, keine Entschädigung bezahlen. Das sagte AKB-Bankpräsident Dieter Egloff.

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«Keine gute Werbung für die Bank»: Bankratspräsident Dieter Egloff.

«Keine gute Werbung für die Bank»: Bankratspräsident Dieter Egloff.

Emanuel Freudiger

"Wir haben Waespi nicht blauäugig gewählt", sagte Egloff am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Kantonalbank sei seit dem vergangenen Januar mit Waespi im Gespräch gewesen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) habe das Verfahren gegen die Coop Bank im März eröffnet. Der Ex-CEO der Bank Coop habe die AKB jederzeit korrekt informiert.

Im Zeitpunkt der Wahl durch den Bankrat, im Juni, habe die Finma das Verfahren gegen Waespi noch nicht eröffnet gehabt. Waespi sei lediglich Auskunftsperson im Verfahren gewesen. Im August sei das Verfahren auf Waespi ausgedehnt worden.

Gemäss Bankpräsident Egloff machte Waespi klar, dass er bereit sei, den Arbeitsvertrag einvernehmlich aufzulösen, falls er den Chefposten nicht antreten könne. Waespi erhält von der Kantonalbank kein Geld und keine Entschädigung.

Andreas Waespi erhält ein dreijähriges Berufsverbot

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Keystone

Der Bankrat muss nun einen neuen Direktionspräsidenten suchen. Ein genauer Zeitplan bestehe noch nicht, sagte Egloff. Der langjährige Direktionspräsident Rudolf Dellenbach bleibt so lange im Amt, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden und einige Monate eingearbeitet ist. Dellenbach wollte Ende April 2015 in den Ruhestand gehen.

Die Nachfolgersuche dürfte auch davon beeinflusst werden, dass mit einer Revision des Gesetzes über die Kantonalbank für das Topkader eine Lohngrenze eingeführt werden soll. Der Direktionspräsident soll höchstens doppelt so viel verdienen wie ein Regierungsrat. Ein Mitglied der Regierung erhält pro Jahr knapp 300'000 Franken. Das Kantonsparlament hat die Revision noch nicht beraten.

"Keine gute Werbung für Kantonalbank"

Zum Fall Waespi sagte Egloff, die Sache sei "keine gute Werbung für die Bank". Er glaube jedoch nicht, dass die Kantonalbank einen Imageschaden davon trage. Die Kantonalbank sei vom Verdikt der Finma nur indirekt betroffen.

Bereits vor zwei Jahren hatte die AKB bei der Besetzung eines Spitzenpostens im Aargau für Gesprächsstoff gesorgt. Das Kantonsparlament wählte im Mai 2012 schliesslich den vom Regierungsrat vorgeschlagenen Egloff zum Präsidenten der Bank. Der Regierungsrat hatte die Wahl zunächst auf Eis gelegt.

Rechtsanwalt Egloff (FDP) sitzt im Verwaltungsrat der Baufirma Umbricht in Turgi AG. Die Wettbewerbskommission (Weko) büsste das Familienunternehmen wegen Submissionsvergehen mit einer Busse von 1,44 Millionen Franken.

Nach der Überprüfung hielt der Regierungsrat an seinem Vorschlag fest. Egloff habe anhand von Unterlagen aufgezeigt, dass dieser seine Verantwortung mit den von der Weko gebüssten Submissionsvergehen wahrgenommen habe, hiess es damals.

Die Aargauische Kantonalbank hatte 2013, im 100. Jahr ihres Bestehens, mit einem Jahresgewinn von 104,1 Mio. Franken soviel verdient wie noch nie. Auch der Kanton Aargau profitierte mit 88,7 Mio. Franken so stark wie noch nie zuvor vom guten Geschäftsgang seiner Staatsbank.