Strassenverkehr

Baustellenreport: Diese 60 Baustellen behindern im Aargau derzeit den Verkehr

Sommerzeit ist Baustellenzeit. So wird im ganzen Kanton Aargau pro Arbeitstag eine Million verbaut. Lesen sie hier, wo im Aargau überall gebaut wird, welche Behinderungen sich ergeben, und wie lange sie dauern.

Im Aargau gibt es derzeit mehrere verkehrliche Grossbaustellen. In Aarau entsteht die neue Aarebrücke Pont Neuf, in Bad Zurzach macht die Ostumfahrung mit dem Tunnelbau sichtbar Fortschritte. Die Südwestumfahrung Brugg nimmt Formen an, der Rohbau beim A1-Zubringer Lenzburg ist fast fertig. Dort läuft bereits der Tunnel-Innenausbau. In Sins steht der Rohbau des Tunnels im zeitlichen Vorsprung. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.

Dazu kommen jetzt die traditionellen Sommerbaustellen (vgl. grosse Tabelle unten). Tatsächlich hat das kantonale Baudepartement ständig etwa 750 Bauprojekte – wovon jedes Jahr etwa 80 als erledigt abgehakt werden können. Dies sagt Kantonsingenieur Rolf H. Meier. Die Arbeit am Strassennetz geht nicht aus. Denn das 1200 Kilometer lange Kantonsstrassennetz will ständig unterhalten und erneuert sein.

62 neue Bauprojekte  allein in diesem Jahr

Dieses Jahr wurden bzw. werden 62 mittlere und kleinere Bau- und Sanierungsprojekte in Angriff genommen. Insgesamt investiert der Kanton dieses Jahr 260 Millionen Franken für den Ausbau und den Werterhalt der kantonalen Verkehrsinfrastruktur. Umgerechnet auf die Arbeitstage ist das rund eine Million Franken pro Tag. Laut Meier «werden dabei alle Regionen des Kantons berücksichtigt». Ein Blick auf die nebenstehende Tabelle und die interaktive Baustellenkarte online bestätigt dies.

Sanierung am liebsten mit Vollsperrung und Umleitung

Anders als früher versucht man im Baudepartement, möglichst längere Abschnitte aufs Mal zu sanieren. Und dies womöglich mit Vollsperrung. Das gibt zwar für die Verkehrsteilnehmenden Umleitungen. Dafür erfolge die Einschränkung «weniger als halb so lange wie beim Einsatz von Lichtsignalen mit Einspurbetrieb», sagt Meier. Einspurregime gibt es derzeit beispielsweise bei Bauarbeiten in Schafisheim und Oftringen.

So spare der Kanton viel Zeit, denn der Aufwand für allfälligen Landerwerb, Einsprachen, Projektierung etc. werde darob nicht grösser. Meier: «Zudem können wir so qualitativ besser bauen. Denn dank Vollsperrung gibt es beim Belagseinbau weniger Etappen und Fugen. Das verlängert die Lebensdauer des Belags.» Ziel sei jeweils, die Beeinträchtigungen für Verkehrsteilnehmende und Anwohnerschaft auf ein Minimum zu reduzieren.

Der Kreuzplatz in Aarau ist besonders anspruchsvoll

Verkehrstechnisch als das derzeit anspruchsvollste Projekt sieht Meier den Kreuzplatz in Aarau, wo die Bauarbeiten eben erst begonnen haben. Am ersten Tag habe es an der sehr komplexen Baustelle wie zu erwarten bei den Verkehrsteilnehmern «etwas ein Gnusch» gegeben, sagt der Kantonsingenieur. Ein Kollaps sei aber ausgeblieben.

Man spüre bereits, dass sich die Verkehrsteilnehmer auf die neue Situation einstellen, sagt Meier weiter. Hier könne man allerdings nicht mit Lichtsignalen arbeiten. Ein Verkehrsdienst regelt den Verkehr. Wie die Situation am Kreuzplatz aktuell ist, lesen Sie hier.

Reicht das Geld überhaupt für all die Projekte?

Per Ende 2019 lagen in der Strassenkasse des Kantons 248 Millionen Franken. In den nächsten zehn Jahren erwartet Meier diesbezüglich keine grossen Verwerfungen, die Mittel für die begonnenen und geplanten Projekte seien da. Auch für die über 200 Millionen Franken teure Ost- und Südumfahrung Suhr, die ab 2024/25 realisiert werden soll, werden die nötigen Mittel bereitstehen. Klar sei, dass dazu natürlich erst dem Grossen Rat ein Kredit unterbreitet werden muss.

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Ob die Kasse dereinst auch für das geplante Megaprojekt Regionales Gesamtverkehrskonzept Ostaargau mit Zeithorizont 2040 ausreichend gefüllt sein wird, falls gleich zwei Tunnel realisiert werden sollten, vermag er noch nicht zu sagen. Nur so viel: Wenn in drei bis zehn Jahren alle bereits bewilligten oder aufgegleisten Projekte realisiert seien, werde der Strassenfonds gegen null tendieren. Danach wird er für die späteren Grossprojekte langsam wieder aufgefüllt.

Coronapandemie bewirkte keinen Bauunterbruch

Bei den SBB wurden nach dem Coronaausbruch im März zahlreiche Baustellen vorübergehend eingestellt. Das kantonale Baudepartement nahm damals sofort Kontakt mit «seinen» Baufirmen auf. Diese hätten schnell Schutzmassnahmen entwickelt und umgesetzt, so Meier: «Deshalb mussten wir nirgendwo die Bauarbeiten unter- oder gar abbrechen.

So sind wir zeitlich auf Kurs, zumal der Frühling warm und trocken war, so wie jetzt auch der Sommerbeginn.» Auch beim Baumaterial habe es keine Engpässe gegeben: «Kies, Beton, Strassenbeläge kommen von hier.» Im Winter dann werden in Sins Spezial-Tunnelventilatoren aus Holland erwartet. Meier: «Ich habe keinerlei Signale, dass es da wegen Corona Verzögerungen geben könnte.»

Diese Grossprojekte geht der Kanton 2020 an

Vor wenigen Wochen erfolgte nach jahrelangem juristischen Hin und Her zwischen dem Kanton und den Umweltverbänden WWF und VCS auch der Spatenstich für die Umfahrung Mellingen, auf die die Region so lange warten musste. Unser Bild oben zeigt, dass die Arbeiten zwischen Mellingen und Wohlenschwil auch physisch schon begonnen haben.

Voraussichtlich im August erfolgt der Baustart für umfangreiche Sanierungsarbeiten der Angliker-/Nutzenbacherstrasse im Raum Villmergen/Wohlen. Die Strasse ist in schlechtem Zustand und wird saniert. Die dortige SBB-Brücke ist zu wenig hoch und breit für das Kreuzen zweier Lastwagen. Sie wird vergrössert. Die Bachleitung des eingedolten Krebsbachs wird ebenfalls teilweise saniert, ersetzt und umgelegt.

Schon im Januar ist der Spatenstich für die Umfahrung für den Flecken Bad Zurzach erfolgt. Der Tunnelbau läuft dort laut Kantonsingenieur Meier normal. Vor drei Wochen wurde in einer spektakulären Aktion im Rahmen der Umfahrungsarbeiten eine 17 Meter lange SBB-Brücke ersetzt, bei der alles praktisch auf die Minute genau geplant werden musste.

So wurde die SBB-Brücke ersetzt

So wurde die SBB-Brücke ersetzt

Die beiden Brückenköpfe sowie die 17 Meter lange neue SBB-Brücke wurden auf der Baustelle in Bad Zurzach vorfabriziert und mit einem Spezialkran auf den Zentimeter genau eingefügt.

Das nächtliche Bild oben stammt von diesen Arbeiten (vgl. Video mit Zeitrafferaufnahmen). Am Freitagabend, 19. Juni, wurde die Bahnlinie unterbrochen, am Montag, 22. Juni, um 4 Uhr in der Früh fuhr wie geplant der erste Zug über die neue Brücke. In Bad Zurzach wartet man ungeduldig auf die Umfahrung, um das historisch wertvolle Ortszentrum endlich aufwerten zu können.

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