«Es ist zentral, dass Entwicklungsstörungen frühzeitig erkannt und Betroffene adäquat unterstützt werden», sagt BDP-Grossrätin Maya Bally. Entsprechend fordert sie mit Kolleginnen und Kollegen aus sämtlichen Fraktionen per Motion, dass der Regierungsrat einen Bericht mit Massnahmenplan zur frühkindlichen Unterstützung bei Entwicklungsstörungen erarbeitet.

Der Regierungsrat teile die Auffassung der Motionäre, dass eine frühe Förderung bei Kindern mit Beeinträchtigung eine sehr hohe Wirksamkeit aufweise, schreibt dieser in seiner Antwort auf den Vorstoss. Dass die Regierung das Anliegen lediglich als unverbindlicheres Postulat entgegennehmen will, hat formale Gründe: Gefordert wird ein Bericht mit Massnahmenplan, was nicht eine Motion erfordert, üblich ist ein Postulat. Damit kann Maya Bally
leben, sie ist zufrieden damit, dass der Regierungsrat auf das Anliegen eingehen will und sie versteht die Einwände zur Formalität: «Der Regierungsrat scheint das Problem erkannt zu haben», sagt sie, das hätten sie und ihre Mit-Motionäre erreichen wollen.

In die Kleinen investieren

«Gerade bei Beeinträchtigungen, welche im Autismus-Spektrum eingeordnet werden, ist eine frühe Förderung wichtig und kann viel zum positiven bewirken», sagt Maya Bally. Der geforderte Bericht soll aufzeigen, welche Massnahmen für die frühkindliche Intensivbetreuung bei Autismus-Spektrum-Störungen im Besonderen und Entwicklungsstörungen im Allgemeinen, bereits vorhanden sind und wo Optimierungsbedarf besteht.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie zusätzliche Förderungen bezahlt werden sollen. «Über die Finanzierung wird der Grosse Rat wahrscheinlich diskutieren», so Maya Bally. Dies sei in Spar-Zeiten immer ein Knackpunkt. Sie sei aber davon überzeugt, dass auch die Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf das Thema sensibilisiert sind, und dass ihnen klar ist, wie wertvoll eine frühe Intensivbetreuung ist.

«Wir wissen, dass Mittel, welche bei kleinen Kindern mit Beeinträchtigungen eingesetzt werden, gut investiertes Geld ist. Der Versuch, diese Störungen später zu therapieren oder noch nicht unterstützte Kinder in der Volksschule zu integrieren, kostet ein Vielfaches», gibt die Ständeratskandidatin zu bedenken. «Wenn die Kinder klein sind, haben wir eine grössere Chance. Das wird auch dem Grossen Rat einleuchten», zumal es jetzt, in einem ersten Schritt, konkret darum gehe, Klarheit zu schaffen und mögliche Lösungen vorzuschlagen, so Bally.

Anschubfinanzierung hängig

Möglicherweise kommt diesen Diskussionen sogar der Bund zuvor. Dort ist die parlamentarische Initiative «Chancengleichheit vor dem Kindergartenalter» hängig, welche fordert, dass die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung besser in der Schweizer Bildungspolitik verankert wird – und dass der Bund die Kantone dabei unterstützt. Oft würden gerade in den frühen Kindsjahren und nicht erst ab dem Kindergartenalter die Weichen für die Zukunft gestellt, begründet Initiant Matthias Aebischer (SP, BE) sein Anliegen. Die Kommission Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats hat kürzlich beschlossen, der parlamentarischen Initiative Folge zu leisten. Analog zur Kinder- und Jugendpolitik soll der Bund die Kantone im Bereich der frühen Förderung mit einer befristeten Anschubfinanzierung unterstützen.

Das Anliegen decke zwar nicht explizit das ab, was ihr Vorstoss fordere, sagt Maya Bally, insbesondere weil es nicht Entwicklungsstörungen im Speziellen anspreche. Aber: «Es freut mich natürlich sehr, dass auch vom Bund Signale kommen, wie wichtig es ist, dass kleine Kinder bestmöglich gefördert werden», sagt sie. Sie begrüsse die Erkenntnis, dass frühkindliche Förderung ebenso wie die Förderung von Schulkindern und Jugendlichen als Aufgabe der Öffentlichkeit anerkannt wird.