Aarburg

«Bettwil ein gutes Vorbild»: Aarburgs Ammann legt nach gegen Asylunterkunft

Kinder in einem Asylzentrum - Aarburgs Ammann Hans-Ulrich Schär möchte keine zusätzlichen Asylsuchenden in seiner Gemeinde.

Kinder in einem Asylzentrum - Aarburgs Ammann Hans-Ulrich Schär möchte keine zusätzlichen Asylsuchenden in seiner Gemeinde.

Der Kanton plant Asylunterkünfte in Aarburg. Die Gemeinde fühlt sich hintergangen. «Wir haben den Gemeinderat rechtzeitig über den Bezug informiert», kontert Balz Bruder, Mediensprecher des Departements Gesundheit und Soziales.

Der Kanton plant, in Aarburg weitere Asylsuchende unterzubringen. Laut einer Medienmitteilung der Gemeinde Aarburg hat der kantonale Sozialdienst zwei Mehrfamilienhäuser zur Unterbringung von bis zu 90 Asylsuchenden gemietet. Zurzeit hat Aarburg 34 Asylsuchende aufgenommen. Aufgrund seiner Bevölkerungszahl müsste die Gemeinde 18, also rund die Hälfte davon aufnehmen.

Diese Mehrfamilienhäusern liegen an der Lindengutstrasse im Quartier Aarburg Süd und sollen ab Mai in Betrieb genommen werden. Der Gemeinderat der Stadt Aarburg wurde über diese Pläne Anfang April in Kenntnis gesetzt.

Die Anmietung der Wohnhäuser ohne vorgängige Information sei ein absoluter Vertrauensbruch und würde der Gemeinde schaden, heisst es in der Aarburger Mitteilung weiter.

Der Gemeindeammann von Aarburg, Hans-Ulrich Schär, macht darauf aufmerksam, dass die Stadt Aarburg gerne Asylbewerbende aufnehmen würde, doch angesichts der grossen Zahl an bereits aufgenommenen Hilfesuchenden sei es nun die Aufgabe der anderen Gemeinden, Asylbewerbende aufzunehmen.

Schär: «Jetzt ist Schluss. Es hat noch viele Gemeinden, die sich zieren und nicht vorwärts machen wollen. Die sollen nun ihre Tore öffnen.»

Aarburg will keine 90 Asylbewerber

Aarburg will keine 90 Asylbewerber

Der Kanton ist sich mit einem Vermieter einig: Im Mai sollen 90 Asylbewerber in zwei Mehrfamilienhäusern einziehen. Der Gemeinderat von Aarburg will sich wehren.

Kanton bleibt hart

Darauf will der Kanton aber nicht eingehen. Balz Bruder, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales, erklärt auf Nachfrage: «Auf der Suche nach geeigneten Wohnobjekten zur Unterbringung von Asylsuchenden wurde der Kanton in Aarburg fündig, weil ihm dort ein Objekt angeboten wurde.»

In den meisten anderen Gemeinden gebe es derzeit keine vergleichbaren Angebote, so Bruder.

Dass der Kanton seine Entscheidung zu spät mitgeteilt hätte, bestreitet Bruder: «Wir haben ein Mietobjekt angemietet und den Gemeinderat rechtzeitig über den Bezug informiert. Ein Baugesuchsverfahren oder etwas Ähnliches brauchte es in diesem Fall nicht. Im Weitern haben wir den Gemeinderat auch über flankierende Massnahmen sowie über die Schliessung von zwei kleineren Unterkünften ins Bild gesetzt.»

Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär nimmt die Stellungnahme des Kantons zur Kenntnis, weist aber darauf hin, dass sich die Gemeinde wehren werde. Denn diese vertrete schliesslich die Bewohner, welche die Entscheide des Kantons nicht willkommen heissen würden. «Es brodelt im Quartier», beschreibt er die Stimmung in der Bevölkerung.

Gegenüber «Tele M1» facht Schär das Empörungsfeuer weiter an. «Bettwil ist uns ein gutes Vorbild», sagt er. In der Gemeinde im Bezirk Muri war es im November 2011 an einer Informationsveranstaltung zur geplanten Bundes-Asylunterkunft zur Eskalation gekommen. Regierungsrätin Susanne Hochuli und Migrationschef Mario Gattiker wurden von wütenden Bettwilern beschimpft und ihr Fahrzeug mit Traktoren blockiert (die az berichtete).

Dass Widerstand auch anders möglich ist, hatten die Bürger von Koblenz im Bezirk Zurzach gezeigt, als im November 2012 öffentlich wurde, dass der Kanton im ehemaligen Restaurant Veranahof eine Asylunterkunft für 64 Personen einrichten wollte. «Es ist nie unser Ziel gewesen, wie Bettwil auf die Barrikaden zu gehen», sagte der damalige Vizeammann Roland Christen (die az berichtete). Später beerdigte der Kanton tatsächlich die Pläne für die Unterkunft. Auch die Pläne in Bettwil wurden nicht umgesetzt.

Dass es im Quartier in Aarburg nicht nur «brodelt», wie sich Schär ausdrückte, zeigt eine Umfrage von «Tele M1» vor Ort. Sie habe ein «gemischtes Gefühl» und verspüre «Unsicherheit», sagt einerseits eine Frau. Dagegen meint ein Mann mit ausländischem Akzent auf seinem Balkon: «Ich bin nicht dagegen», und ein anderer, angesprochen auf der Strasse, sagt: «Das macht mir überhaupt nichts aus. Bis jetzt habe ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.»

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