Bezirksgericht Baden
Forellendrama von Birmenstorf: Bauarbeiter freigesprochen, Fischzüchter meldet Berufung gegen Urteil an

Die drei Angestellten einer Baufirma, die bei der Sanierung der A1-Brücke über der Fischzucht in Birmenstorf unsorgfältig vorgegangen sein sollen, sind freigesprochen worden. Laut dem Bezirksgericht Baden sind sie nicht verantwortlich dafür, dass verschmutztes Abwasser in die Teiche gelangte und Tausende Fische starben.

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
Die Fischzucht von Roman Hufschmid unter der A1, die über die Reuss bei Birmenstorf führt, wurde bei der Sanierung der Brücke 2015 vergiftet. Nach der Sanierung der Becken und des Quellhanges leben wieder Fische in den Teichen.

Die Fischzucht von Roman Hufschmid unter der A1, die über die Reuss bei Birmenstorf führt, wurde bei der Sanierung der Brücke 2015 vergiftet. Nach der Sanierung der Becken und des Quellhanges leben wieder Fische in den Teichen.

Alex Spichale

Vor bald sechs Jahren kam es in der «Forellenquelle», der Fischzucht von Roman Hufschmid in Birmenstorf, zu einem grossen Fischsterben. Tausende von Tieren verendeten oder mussten getötet werden, weil von der Autobahnbrücke, die über die Anlage führt, giftige Zementreste in die Becken fielen.

Zu der verhängnisvollen Verschmutzung - am Ende mussten über fünf Tonnen tote Fische entsorgt werden - kam es während Sanierungsarbeiten an der Brücke. Am vergangenen Donnerstag standen drei Angestellte einer Baufirma vor Gericht, die für die Betonabdichtung auf der Baustelle verantwortlich gewesen sein sollen.

4-Millionen-Schaden für den Fischzucht-Betreiber?

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, die Abdichtung entweder falsch montiert oder nicht richtig kontrolliert zu haben. Auf jeden Fall sei entweder durch ein Leck bei der Abdichtungsfolie oder wegen falscher Installation des Gerüsts verschmutztes Wasser von der Brücke in die Fischzucht gelaufen, hiess es in der Anklageschrift.

Fischzucht-Betreiber Roman Hufschmid sagte, ihm sei dadurch ein Schaden von rund 4 Millionen Franken entstanden: Durch die verendeten Fische, die nötigen Reinigungsmassnahmen in der Anlage und den Ertragsausfall, bis die Fischzucht Ende 2019 wieder in Betrieb gehen konnte. Hufschmid verlangte entsprechenden Schadenersatz - das Gericht liess ihn aber nicht als Privatkläger zu, weil er sich im Verlauf des Verfahrens nicht korrekt konstituiert habe.

Verteidigung sah Bauarbeiter nicht in der Verantwortung

So blieb am Donnerstag nach rund vierstündiger Verhandlung die Frage, ob die drei Bauarbeiter strafrechtlich belangt werden können. Die Staatsanwaltschaft sah dies als erwiesen an und verlangte für die Beschuldigten bedingte Geldstrafen von 21'000 Franken, 19'800 Franken bzw. 10'800 Franken. Dazu sollten die Beschuldigten mit 4200 Franken, 3900 Franken bzw. 2100 Franken gebüsst werden.

Die Verteidigung verlangte Freisprüche, die Anwälte der drei Bauarbeiter argumentierten, ihre Mandanten seien zur fraglichen Zeit nicht auf der Baustelle gewesen und die Kontrolle der Abdichtung habe nicht in ihrer Zuständigkeit gelegen. Zudem sei nicht erwiesen, dass die Verschmutzung der Fischzucht tatsächlich durch ausgelaufenes Wasser mit Zementresten verursacht worden sei. Es sei auch möglich, dass die kleinen Partikel durch den Wind oder ein Gewitter in die Fischteiche transportiert worden seien.

Freispruch für alle Beschuldigten – Begründung noch ausstehend

Nun hat das Bezirksgericht Baden die drei Angeklagten freigesprochen, wie Jürg Krumm, der Rechtsanwalt von Fischzüchter Roman Hufschmid, auf Anfrage bestätigt. Das Urteil wurde ihm und den Verteidigern schriftlich zugestellt, eine Begründung steht noch aus. «Wir haben gegen alle drei Freisprüche bereits Berufung angemeldet, werden das begründete schriftliche Urteil genau prüfen und dann entscheiden, ob wie es beim Obergericht anfechten», sagt Krumm.

Der Anwalt des Klägers ist enttäuscht, dass nach jahrelangen Ermittlungen immer noch nicht klar ist, wer das Fischsterben verursacht hat und Hufschmid dafür entschädigen müsste. Wir waren der Ansicht, dass die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit gut gemacht hat und die Beweise für eine Verurteilung reichen, sagt Krumm. Dass das Gericht dies anders gesehen habe, sei für seinen Mandanten sehr bedauerlich.

Aktuelle Nachrichten