Aarburg

Bis 700 Franken pro Tag sind zu viel: SVP-Grossrätin will Jugendheim in der Festung schliessen

Bis zu 700 Franken pro Tag: Platz im Jugendheim Aarburg immer teurer

Bis zu 700 Franken pro Tag: Platz im Jugendheim Aarburg immer teurer

Rund 200‘000 Franken jährlich kosten jugendliche Straftäter in der Festung. Tendenz steigend. SVP-Grossrätin Martina Bircher fordert Gegenmassnahmen.

Rund 200'000 Franken kostet es jährlich, einen jugendlichen Straftäter im Jugendheim Aarburg unterzubringen. Viel zu teuer findet das SVP-Grossrätin Martina Bircher. Sie würde die jungen Insassen am liebsten umplatzieren und die Räumlichkeiten in der Festung Aarburg für andere Zwecke nutzen.

Im Jugendheim in der Festung Aarburg landen junge Straftäter um ihnen möglichst wieder auf den richtigen Weg im Leben zu helfen. Doch die insgesamt 47 Plätze in der Aargauer Institution sind teuer: Ein Tag in der Festung kostet zwischen 500 und 700 Franken. Auf ein ganzes Jahr hoch gerechnet macht das rund 200'000 Franken pro Therapieplatz. 

Viel zu teuer findet das SVP-Grossrätin Martina Bircher, die selbst in Aarburg lebt. Gegenüber dem Regionalsender Tele M1 erklärt Sie: «Das ist massiv viel Geld. Da frage ich mich schon, was denn das Ganze so teuer macht?»

Nicht zu teuer empfindet hingegen Ratskollege Florian Vock (SP) die Kosten der Plätze im Jugendheim. Er entgegnet der SVP-Politikerin: «Wenn es Frau Bircher schafft, für 700 Franken täglich ein Gefängnis, eine psychologische Betreuung, eine Ausbildungsstätte, eine Berufsschule und ein Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten, dann soll sie dies doch einmal bei sich zu Hause versuchen. Ich glaube nicht, dass das zu viel Geld ist.»

Immer teurere Plätze, schwache Auslastung

Fakt ist, dass die Kosten für Plätze im Jugendheim steigen: Waren es 2017 noch 186'000 Franken je Platz und Jahr, rechnet man im aktuellen Jahr bereits mit Aufwänden von 201'000 Franken. Für das kommende Jahr 2019 sind bereits 205'000 Franken budgetiert. 

Ein Grund für die Kostenexplosion sei offenbar die schlechte Auslastung von aktuell nur 75 Prozent, wie Recherchen von Tele M1 zeigen. Ein Umstand, der Martina Bircher ebenfalls missfällt. «Wenn 25 Prozent der Betten gar nicht belegt sind», so die SVP-Grossrätin, «dann muss man andere Institutionen mit ähnlich schwacher Auslastung füllen.» So könne man schliesslich auch die Räumlichkeiten in der Festung Aarburg anders nutzen. 

SP-Grossrat Florian Vock bleibt hingegen dabei, dass das Jugendheim eine wichtige letzte Chance für die Jugendlichen sei und erhalten bleiben müsse. «In der Festung werden Jugendliche rund um die Uhr damit konfrontiert, was sie verbrochen haben. Das ist wertvoll, kostet aber auch etwas», so sein Fazit.

Nach dem politischen Vorstoss von Martina Bircher will der Aargauer Regierungsrat nun die Vor- und Nachteile des Weiterbetriebs des Jugendheims in Aarburg abwägen. Eine Entscheidung darüber wird im Jahr 2019 erwartet. (luk)

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