Corona

Braucht es im Aargau eine Maskenpflicht? Das sagen Gesundheitspolitiker

Von links nach rechts: die Grossräte Severin Lüscher (Grüne), Martina Sigg (FDP), Clemens Hochreuter (SVP), Jürg Knuchel (SP).

Von links nach rechts: die Grossräte Severin Lüscher (Grüne), Martina Sigg (FDP), Clemens Hochreuter (SVP), Jürg Knuchel (SP).

Die Grossratsmitglieder Martina Sigg (FDP), Clemens Hochreuter (SVP) und Severin Lüscher (Grüne) fordern keine Maskenpflicht. SP-Grossrat Jürg Knuchel hingegen würde Masken nicht nur in Läden, sondern auch an Schulen begrüssen.

Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Aarau (KSA), würde eine Maskenpflicht beim Einkaufen auch im Aargau begrüssen. Und zwar, «um die Barriere zwischen der Allgemeinbevölkerung und der Risikogruppe möglichst hochzuhalten».

Seine Meinung teilen nicht alle. FDP-Grossrätin und Apothekerin Martina Sigg zum Beispiel steht einer Maskenpflicht beim Einkaufen kritisch gegenüber: «Wenn die Maskenpflicht in Läden Ansteckungen verhindern würde, müssten in Kantonen ohne Maskenpflicht ja mehr Mitarbeitende im Verkauf krank werden.» Ausserdem sei dies ein weiterer Wettbewerbsnachteil für das lokale Gewerbe.

Sigg: «Abstandhalten und Personal schützen ist zentral»

Für sie sei in Geschäften nicht die Maske, sondern Abstandhalten und das Personal schützen zentral. In ihrer Apotheke beobachtet sie zwar, dass Kundinnen und Kunden zunehmend freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz tragen. «Aber es sind immer noch weniger als zehn Prozent.»

Sollte der Aargau dennoch nachziehen und die Maskenpflicht einführen, wünscht sich Sigg eine konsequente Umsetzung. «Wenn die Pflicht kommt, soll sie nicht nur in Läden gelten, sondern in allen geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel im Kino oder im Theater.»

Hochreuter: Fokus auf die grossen Ansteckungsherde

SVP-Gesundheitspolitiker Clemens Hochreuter sieht im Moment ebenfalls keinen Grund für eine Maskenpflicht in Läden. «Man muss auf die grossen Ansteckungsherde fokussieren und das sind im Moment nicht Läden und Geschäfte», sagt er.

Ihm ist bewusst, dass sich die Situation ändern könnte: «Die Beurteilung, welche Massnahmen sinnvoll sind, überlasse ich aber der Kantonsärztin», sagt er. Dass im öffentlichen Verkehr eine Maskenpflicht gilt, versteht Hochreuter: «Geschlossene Räume, in denen mehrere Menschen über längere Zeit nahe beieinandersitzen, stellen eher ein Risiko dar.» In einem Laden hingegen halte man sich seit Corona sowieso nur noch kurz auf und achte darauf, Abstand zu halten.

Knuchel: «Wir dürfen nicht vorzeitig nachlassen»

SP-Grossrat und KSA-Arzt Jürg Knuchel hingegen sieht es gleich wie Christoph Fux und befürwortet eine Ausweitung der Maskenpflicht ganz klar. Und zwar «auf sämtliche Läden und – mit gewissen Einschränkungen – auf alle Schulen und allenfalls weitere Bereiche des öffentlichen Lebens».

Knuchel argumentiert einerseits mit dem Schutz der eigenen Person wie auch der anderen Person. Allerdings ist die Maskenpflicht für ihn auch ein «klar erkennbares Signal und Motivation zu anhaltender Vorsicht und strikter Einhaltung der Distanz-und Hygieneregeln». Er sagt: «Wir befinden uns in einem Marathon und dürfen nicht vorzeitig nachlassen, das könnte sonst verheerende Folgen haben.»

Die Maskenstrategie im Aargau beurteilt Knuchel entsprechend als «wenig vorausschauend». Sie werde der zu erwartenden Entwicklung nicht gerecht und führe dazu, «dass wir bei einer Beschleunigung der Pandemie zu spät kommen».

Lüscher: «Die Maske gehört heute einfach in den Sackbefehl»

Grünen-Grossrat Severin Lüscher ist wie Knuchel ebenfalls Arzt. Er findet die Fokussierung auf die Maskenpflicht nicht zielführend. «Wir müssen vielmehr unsere Schutzkonzepte als Zusammenwirken der verschiedenen Massnahmen verständlich machen und die Menschen dazu bringen, sie im ganz normalen Alltag auch zu befolgen», sagt er. Masken seien nur das zweitbeste Mittel, um Infektionen zu vermeiden. «Abstand und Händewaschen sind immer noch zuvorderst», sagt Lüscher. Aber die Maske gehöre heute einfach in den «Sackbefehl» und wenn der Abstand von 1,5 Meter absehbar unterschritten werde, ziehe man sie an. «Völlig unabhängig davon, was der Kanton für den Spezialfall Einkaufsläden verfügt.

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