Prozess

Bub zu Tode geschüttelt: Stiefvater wehrt sich vor Aargauer Obergericht gegen 13 Jahre Haft

Gerichtssaal im Aargauer Obergericht (Archivbild)

Gerichtssaal im Aargauer Obergericht (Archivbild)

Vor dem Aargauer Obergericht steht am Donnerstag ein 42-jähriger Mann, dem vorsätzliche Tötung und mehrfache Körperverletzung vorgeworfen werden. Das Bezirksgericht Baden hatte ihn im September 2017 schuldig gesprochen und zu einer 13-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Schweizer hatte gestanden, an einem Sonntagabend im Oktober 2014 den 26 Monate alten Sohn seiner Freundin heftig geschüttelt zu haben. Das Kleinkind erlag seinen schweren Verletzungen im Spital. Die Mutter hatte das Schütteln nicht mitgekriegt, sie hatte kurz die Wohnung verlassen, um den Müll hinunterzubringen.

Laut den Bezirksrichtern hat der Mann den Tod des Kindes zwar nicht direkt gewollt und geplant. Er habe ihn aber in Kauf genommen, als er ihn derart schüttelte. Damit liege Eventualvorsatz vor. Der Verteidiger hatte auf fahrlässige Tötung und eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten plädiert.

Die Gerichtsmediziner entdeckten zahlreiche frische und ältere Verletzungen an dem Kinderkörper. Der Beschuldigte verneinte allerdings, damit etwas zu tun zu haben. Für das Gericht stand er aufgrund der Indizien jedoch als Verursacher fest. Nur in Bezug auf einzelne Beulen, blaue Flecken und Kratzer sprach es ihn frei. Diese hätte sich das Kind auch bei Stürzen und dergleichen holen können.

Urteilsverkündung im Fall des zu Tode geschüttelten Kindes: Das sagen die Staatsanwältin und der Verteidiger der Mutter.

So berichtete Tele M1 über die Urteilsverkündung vor dem Bezirksgericht: Das sagen die Staatsanwältin und der Verteidiger der Mutter.

Mutter schaute weg

Vor dem Bezirksgericht stand im September 2017 auch die Freundin des Beschuldigten und Mutter des Kindes. Die Deutsche wurde wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Die Serie von Verletzungen des Kindes hatte begonnen, als der neue Mann ins Leben der Frau trat. Während sie arbeitete, betreute er den Kleinen häufig allein. Laut Gericht hätte sie aufmerksam werden und die Erklärungen ihres Freundes für die diversen Blessuren hinterfragen müssen, zumal verschiedene Ärzte die Möglichkeit von Gewalteinwirkung ansprachen. (sda/mon)

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