Literatur
Büchertipps für den Corona-Herbst: Sieben Aargauer Buch-Expertinnen lesen aus ihrem Lieblingswerk

In der Pandemie-Zeit sollen wir zuhause bleiben und Kontakte meiden. Da bleibt mehr Zeit zum Lesen. Wir haben in Aargauer Buchhandlungen und Bibliotheken gefragt, welches Buch besonders empfehlenswert ist und uns daraus vorlesen lassen.

Dominic Kobelt
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Unsere Bücherexpertinnen.

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Dominic Kobelt

«Weil fast nichts passiert, passiert sehr viel»

Im Buch «Tage mit Felice» von Fabio Andina geht es um Felice, der jeden Tag barfuss herumläuft und in einem Gunten badet, im Garten werkelt und Suppe kocht. Ein beschauliches und gemütliches Leben eines 90-Jährigen. Er wird begleitet von einem jungen Mann, der seine Arbeit verloren hat. «Das Besondere ist, dass in diesem Buch praktisch nichts passiert – und gerade deshalb passiert sehr viel», erklärt Ursula Huber von der Buchhandlung Kronengasse in Aarau.

Ein Bergarbeiter will das Meer sehen

Nordengland 1946: Wir begleiten den jungen Burschen Robert, der in einem Bergbaudorf aufgewachsen ist. Seine Zukunft scheint vorherbestimmt. Ihn plagt aber die Sehnsucht, er möchte die Natur erleben und noch einmal das offene Meer sehen. So beschliesst er auf Wanderschaft zu gehen. Kathrin Steinmann von der Bücherei Otz in Lenzburg hat «Offene See» von Benjamin Myers besonders gerne gelesen: «In die wunderschönen Naturbeschreibungen kann man richtig abtauchen», schwärmt sie. «Das Buch ist nicht nur für alle Liebhaber von Grossbritannien und der Natur, sondern auch von Literatur und Sprache.»

«Eine rührende Liebesgeschichte, aber nicht kitschig»

Paul ist um die 40 und wohnt seiner Schwester und zwei älteren Onkeln zusammen. Eines Tages beschliesst er, dass er nicht allein bleiben möchte und gibt eine Annonce auf. Annet hat gerade eine schwierige Beziehung hinter sich und antwortet Paul. Die beiden Onkel und die Schwester wollen mit Annet aber nichts zu tun haben. Ursina Boner von der Buchhandlung Kronengasse in Aarau sagt, «Die Annonce» von Marie-Hélène Lafon sei eine rührende Liebesgeschichte, die aber niemals kitschig wirke. «Die karge Berggegend und die verknorzte Bewohner werden wunderbar beschrieben.»

Eine Ode an die Natur – aber auch ein Gerichtsdrama

Das Romandebüt von Delia Owens spielt in North Carolina. Kya Clark ist erst sechs Jahre alt, als sie von ihrer Familie verlassen wird. Der Gesang der Flusskrebse beschreibt das schwierige Leben eines Mädchens, das sich in der Natur zuhause fühlt, aber wenig Kontakt zu Menschen hat. Obwohl ihr Misstrauen bleibt, lernt sie Chase kennen und lieben. Als dieser tot aufgefunden wird, gehört Kya zu den Verdächtigen. Über ihre Buchempfehlung sagt Beatrice Wehrli von der Stadtbibliothek Bremgarten: «Das Buch ist sehr berührend. Es ist eine Ode an die Natur, eine herzzerreissende Liebesgeschichte und ein spannungsreiches Gerichtsdrama.»

Der Buchhändler und das gewitzte Mädchen

«Der Buchspazierer» von Carsten Henn ist momentan das Lieblingsbuch von Eliane Meier von der Buchhandlung aleph und tau in Schöftland. «Die Geschichte über einen älteren Buchhändler hat mich sehr berührt», sagt sie. Dieser lernt ein kleines Mädchen kennen, das ihn begleiten will, und seine Welt gehörig durcheinander wirbelt.

Eine Geschichte über Seide und die Liebe

Eine deutsche Frau trauert um ihren verstorbenen Mann, und wird deshalb von ihrer Tante nach Italien eingeladen. Dort ist sie von der Seidenspinnerei fasziniert. «Das Buch ist nicht nur über Seide, sondern über Architektur, über das feine italienische Essen, und natürlich ist es auch eine Liebesgeschichte», erklärt Beatrice Meier von der Stadtbibliothek Bremgarten, die den Roman «Die Seidenvilla» von Tabea Bach empfiehlt.

«Traurig, aber spannend» – Prostitution in der Schweiz

Nicht nur Fakten und Zahlen, sondern Schicksaale. Die schwierigen Lebensgeschichten von Schweizer Prosituierten sind Thema des Buchs «Piff, Paff, Puff. Prostitution in der Schweiz» von Aline Wüst. Alina von Burg von der Buchhandlung Kronengasse in Aarau sagt zu ihrer Leseempfehlung: «Ich habe gemerkt, dass ich nicht viel über das Thema weiss. Obwohl es schwierig und traurig zu lesen war, war es spannend, weil man erfährt, was in einem Leben passieren muss, damit man so weit geht.»

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