Zum Gedenken

Cartoonist Jürg Furrer – Der Botschafter der Lebensfreude

Jürg Furrer in seinem Atelier in Seon.

Cartoonist Jürg Furrer ist im Alter von 75 Jahren gestorben

Jürg Furrer in seinem Atelier in Seon.

Er war ein geselliger, beredter Erzähler - eine ansteckende Frohnatur. Nun ist Cartoonist Jürg Furrer im Alter von 75 Jahren im Kantonsspital Aarau verstorben. Eine Würdigung.

Ernst ist das Leben – heiter die Kunst. Unter dieses Vorzeichen liess sich der letzte öffentliche Auftritt von Jürg Furrer stellen. Zusammen mit Eva Furrer präsentierte er im Dezember 2013 im Müllerhaus Lenzburg «viel Neues».

Der Schwerpunkt lag bei Florida- und Tier-Bildern. Vater und Tochter hatten soeben den Ernst des Lebens mit Leib und Seele erleben und verarbeiten müssen. Und trotzdem war und ist ihre Kunst nach wie vor heil und heiter geblieben.

Jetzt hat die Krankheit den so lebensfrohen und immer optimistischen Künstler wieder eingeholt. Am 18. Mai ist Jürg Furrer im Kantonsspital Aarau im 75. Altersjahr verstorben.

Zurück bleibt ein reiches, breit gefächertes Œuvre als Cartoonist, Illustrator, Zeichner und Maler, der vor allem seine Bilder hat sprechen lassen – der aber im Familien- und grossen Freundeskreis als geselliger, durchaus beredter Erzähler in bester, dankbarer Erinnerung bleiben wird. Seine ansteckende Frohnatur kam in Wort und Bild gleichermassen zum Ausdruck.

700 Folgen «Muck»

Jürg Furrer wurde am 23. August 1939 in eine Bähnlerfamilie geboren, was häufige Wohnortwechsel in der Innerschweiz zur Folge hatte. In den Fussstapfen des Vaters war er in verschiedenen Funktionen bei den SBB beschäftigt. 1965 verheiratete er sich mit Elsi Zimmermann von Luzern, der Ehe entsprossen 1967 Samuel und 1970 Eva. «Freude und Stolz» erfüllten ihn nach eigenen Worten über seine Familie. 1973 etablierte er sich endgültig als selbstständiger Künstler. Kurz darauf installierte sich die Familie im eigenen Haus am Stoltenweg in Seon.

Tatsächlich waren es literarische Fingerübungen, welche Jürg Furrer in den 60er-Jahren immerhin zum Kurzgeschichten-Autor im «Schweizer Spiegel» arrivieren liessen, die er auch illustrierte.

Doch das Talent, sich in seiner eigenen Bild-Sprache in unverwechselbarem Stil auszudrücken überwog, und ab 1966 gehörte er während 30 Jahren zum «harten Kern» der «Nebelspalter»-Karikaturisten.

«Furrer» wurde zum Markenzeichen und war bald einmal in einer vielfältigen internationalen Palette von Zeitschriften, Publikationen, Verlagen, Galerien omnipräsent: Vom «Aargauer Tagblatt» über die «Süddeutsche Zeitung», «Tages-Anzeiger», «Pardon», «Playboy», «Neutralität», «Underground», «Natürlich» bis «Zuger Presse».

Hierzulande machte Furrers Comic-Strip vom speziellen Hund «Muck» in 700 täglichen Folgen im «Aargauer Tagblatt» Furore, und über 1100 Karikaturen und Zeichnungen aus aktuellen Anlässen ergötzten die Leserschaft. Seine stets anwachsende Fangemeinde erfreute Furrer auch mit diversen Buchpublikationen, Kinderbüchern, zahlreichen Autoren stand er als zeichnender Co-Autor/Illustrator zur Seite.

Der Cartoonist schöpfte aus dem Alltagsleben, in scheinbar unspektakulären Szenerien, Kleinigkeiten und Einzelheiten zeichnete er das Leben in seiner oft absurden Art auf. Furrers Federstriche waren Federstiche, aber mit feinem, hintergründigem Humor. Cartoonisten regen zum Schmunzeln an, nicht zum lauten Lachen.

Ehrenbürger von Everglade City

An 30 Ausstellungen im In- und Ausland von Aarau bis Zürich, Basel, Bern, Genf, Berlin, Belgrad, Dresden, Mailand, Liubljana und Warschau erfreute Jürg Furrer als «Botschafter des Humors» und der Lebensfreude mit seinen Bildern. Das brachte ihm Anerkennung und Auszeichnungen wie den «Golden Pen Belgrad» für Kinderbuchillustrationen, die «Goldene Diana Novi Sad», die «Goldene Dattel» und die «Goldene Palme» am Salone Internazionale del’Umorismo Bordigera ein.

Sein kreatives Schaffen entfaltete Jürg Furrer im Atelier in Seon. Das Refugium teilte er mit seiner Familie und einem ganzen Kleinzoo mit Hühnern, Hunden, Vögeln aller Art, Schlangen, Schildkröten, Leguanen und andern Kriechtieren.

Mit Flora und Fauna beschäftigte er sich nicht nur künstlerisch, sondern auch wissenschaftlich; Furrer galt als einer der besten Orchideenkenner im Lande. Zu seinen Hobbys gehörte auch die Mitwirkung bei der Minimum Training Band, wo er das Schlagzeug bewirtschaftete. Auszeiten nutzte er für Reisen rund um die Welt.

Ab 1983 fand Jürg Furrer nach einer Expedition in die Everglades in Florida seine zweite Heimat. Zweimal jährlich flog er nach Everglade City, wo er die Sümpfe und ihre Fauna und Flora akribisch erforschte.

Bilder aus jener Gegend gehörten fortan zu seinem Repertoire, und wie bei den Cartoons ging es dem Künstler auch hier darum, Geschichten ohne Worte zu erzählen, und der hintergründige Humor erschloss sich dem Betrachter zumindest auf den zweiten Blick.

Der leutselige Schweizer wurde für seine Verdienste 2005 zum Ehrenbürger von Everglade City ernannt. In seinen Bildern, Büchern, Logos und Vignetten bleibt uns Jürg Furrer in vergnüglicher Erinnerung.

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