«TalkTäglich»

Cédric Wermuth kritisiert SVP: «Die Läden jetzt schon wieder öffnen zu wollen, ist verantwortungslos»

Sollen die Massnahmen vom Bund gelockert werden?

Sollen die Massnahmen vom Bund gelockert werden?

Die SVP fordert eine Lockerung der Coronavirus-Massnahmen nach dem 19. April denn auch wenn die Gesundheit der Bevölkerung an oberster Stelle stehe, müsse man auch die Wirtschaft schützen. Für SP-Nationalrat Cédric Wermuth ist dies jedoch verfrüht.

Die Schweiz befindet sich in der Corona-Lockdown-Woche 4 und Politikerinnen und Politiker aller Parteien diskutieren bereits über mögliche Termine, wann die Massnahmen des Bundes gelockert werden können. SVP-Präsident Albert Rösti forderte in der Sendung «TalkTäglich», dass die Coronavirus-Massnahmen nach dem 19. April wieder gelockert werden sollten. Für die SVP habe die Gesundheit der Bevölkerung oberste Priorität, trotzdem müsse aber auch die Wirtschaft geschützt werden.

«Es ist klar, dass wir aktuell das Regime des Bundes beibehalten müssen», erklärt Rösti. «Trotzdem müssen wir uns überlegen, wie es ab dem 20. April weitergehen kann.» Es sei zentral für die Wirtschaft, dass man Gewissheit und Sicherheit habe, denn man könne das gesamte System nicht einfach innerhalb eines Tages per Knopfdruck wieder hochfahren, das brauche Zeit und Vorbereitung. Dass der Bund und die Parteien sich daher diese Überlegungen bereits jetzt machen würden, hält Rösti für wichtig.

Dies ist jedoch eine Forderung, welche der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth für verfrüht hält: «Die Läden jetzt schon wieder öffnen zu wollen, ist verantwortungslos und verunsichert die Bevölkerung massiv», meint er. Natürlich habe Rösti recht, dass man die Wirtschaft stufenweise wieder hochfahren müsse, momentan könne man aber noch nicht für die Zukunft planen. «Wir müssen im Moment jeden Tag so nehmen, wie er kommt», sagt Wermuth, damit man so bald als möglich wieder Normalität ins Land bringen könne.

Wie lange das jedoch dauert, das kann aktuell noch niemand sagen. «Wir müssen im Moment wohl davon ausgehen, dass das Virus uns auch im Mai noch beschäftigen wird», so Rösti. Dazu erklärte Bundesrat Alain Berset auch bei einer Pressekonferenz, dass man im Moment noch nichts überstürzen dürfe: «Die Erfahrung zeigt, wer zu früh nachgibt, verlängert die Krise.» Aus diesem Grund hält der Gesundheitsminister eine Lockerung der Schutzmassnahmen, wie sie etwa die SVP fordert, für illusorisch.

«Die Wirtschaft hat im März 17 Milliarden verloren, einfach so weiterzumachen wird schwierig»

Auch wenn sich die Situation in der Schweiz im Moment wieder beruhige und die Entwicklung in eine positive Richtung zeige, brauche es im Moment noch Geduld, sagt der Tessiner Lega-Regierungsrat Norman Gobbi im «TalkTäglich». Denn nach wie vor sei die Situation in vielen Regionen, gerade im Tessin, angespannt.

Auch wenn er eine Lockerung der Massnahmen begrüsse, dürfe man nichts überstürzen: «Wir gingen langsam und Schritt für Schritt in die starken Beschränkungen hinein, genau so – langsam und Schritt für Schritt – müssen wir unseren Weg auch wieder zurück in die Normalität finden.»

Um dies zu ermöglichen und zu unterstützen fordert Rösti eine breite Maskenpflicht und wenn möglich und umsetzbar auch ein Tracking über das Smartphone, damit man Ansteckungen wieder besser zurückverfolgen könne. So sei es möglich, Geschäfte langsam wieder zu öffnen, wenn man die Sicherheitsmassnahmen einhalten könne. «Unsere Wirtschaft hat im März etwa 17 Milliarden Franken verloren. Einen zweiten Monat so weiterzumachen wird für viele Geschäfte sehr schwierig».

«Das Tessin ist schön – aber es wird auch nach Corona noch schön sein: Bleibt also jetzt zu Hause»

Zum Ende der Sendung richtet Gobbi nochmals einen Appell an die Nicht-Tessiner, von denen über Ostern während der letzten Jahre viele in den Süd-Kanton gereist sind. «Im Tessin haben wir eine schöne Landschaft und herzliche Leute. Aber das alles, diese Berge, Seen und unsere Grottos, die wird es auch nach Ostern noch geben.»

Wer das Tessin aber wirklich liebe, der solle jetzt zu Hause bleiben und über Ostern bitte nicht ins Tessin kommen, so Gobbi. «Wir Tessiner können alle wieder mit unseren Deutschschweizer Freunden eins Trinken gehen, wenn das wieder vorüber ist», sagt er. Aber für diese Ostern gelte: «Bleiben Sie bitte zu Hause.» (kca)

Den Talk in ganzer Länge sehen Sie hier:

Lockdown aufheben?

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