Neue Aargauer Bank
CEO Roland Hermann: «Die nackten Zahlen täuschen»

Der Chef der Neuen Aargauer Bank (NAB), Roland Herrmann, ist zufrieden mit dem vergangenen Jahr und blickt zuversichtlich auf das laufende Jahr. Er spricht sich gegen Negativzinsen für Privatkunden aus.

Drucken
Porträt Roland Herrmann
8 Bilder
Porträt Roland Herrmann
Porträt Roland Herrmann
Porträt Roland Herrmann
NAB-CEO Roland Herrmann
Porträt Roland Herrmann
Porträt Roland Herrmann
Porträt Roland Herrmann

Porträt Roland Herrmann

Lesen Sie ausserdem: «Das übertrifft die Erwartungen» – Neue Aargauer Bank erzielt Gewinn von 128,2 Millionen.

Roland Herrmann, sind Sie zufrieden mit dem Geschäftsergebnis für das Jahr 2016?

Roland Herrmann: Ja, ich bin sehr zufrieden. Mit 128,2 Millionen Franken haben wir im Vergleich der letzten fünf Jahre einen überdurchschnittlichen Jahresgewinn erzielt. Besonders freut mich, dass wir das Anlagegeschäft weiter ausbauen konnten.

Sie haben im vergangenen Jahr die neue Aargauer Bank (NAB) stark umgebaut. Wie haben Sie das Jahr des Umbaus erlebt?

Sehr intensiv. Wir sind organisatorisch und personell richtig aufgestellt, haben ein kerngesundes Kreditportfolio und trotz dem Umbau ein überdurchschnittliches Resultat erzielt. Das ist nur möglich dank der aussergewöhnlichen Leistung der Mitarbeitenden, auf die ich sehr stolz bin.

Was ist heute bei der NAB anders als noch vor einem Jahr?

Die Bank ist noch stärker lokal und digital ausgerichtet. Heute sind unsere Regionenleiter für alle Kundensegmente verantwortlich. Wir sind lokal präsent, haben die Regionen gestärkt und bauen den digitalen Bereich laufend aus. Je nach Veränderung der Kundenbedürfnisse können wir flexibel reagieren.

Ist der Umbau nun abgeschlossen? Wie geht es in diesem Jahr weiter?

Wir sind heute organisatorisch und von der Kostenstruktur so aufgestellt, dass wir für künftige Entwicklungen gut gerüstet sind. Wir investieren dieses Jahr viel Geld in die Modernisierung des Geschäftsstellennetzes und in den Ausbau digitaler Kanäle. Ich denke an den Chat und die Videoberatung.

Ihr Mutterhaus, die Credit Suisse (CS), hat sich auch neue Strukturen gegeben – mit einer neuen Schweiz-Einheit. Was ist die Rolle der NAB in dieser Einheit, die ja womöglich noch in diesem Jahr an die Börse gebracht werden soll?

Wir werden neu eine Tochter der Credit Suisse Schweiz AG. Und wir sind für die Bewertung des Unternehmens an der Börse wichtig: Die NAB macht rund 10 Prozent des Ertrags der Credit Suisse Schweiz AG.

Schaut man die Resultate des vergangenen Jahres an, fällt auf, dass Sie bei den Ausleihungen, dem Kreditgeschäft, nicht mehr so stark gewachsen sind. Wieso?

Die nackten Zahlen täuschen, sind wir doch in unseren Kernsegmenten gezielt gewachsen. Die Privathypotheken erhöhten sich und wir konnten die Ausleihungen an Aargauer Firmen stark ausbauen. Zurückhaltend sind wir hingegen bei tiefmargigen Renditefinanzierungen ausserhalb des Kantons, was insgesamt zu einem leichten Rückgang führte. Das ist ein bewusster Entscheid.

Weshalb sind Sie zurückhaltend, gehen Sie von einer Blase im Immobilienmarkt aus?

Nein. Es gibt neue Marktteilnehmer wie Versicherungen oder Pensionskassen, die eine andere Regulierung haben. Im rein auf Volumen ausgerichteten Geschäft machen wir nicht mit. Grosse Renditeobjekte finanzieren wir gerne bei einer umfassenden Kundenbeziehung. Die NAB will insbesondere nachhaltig bei Privaten und KMU wachsen und investiert auch weiter in die Online-Hypothek, die gut läuft.

Zielen Sie digital auch auf Kunden ausserhalb des Kantons?

Nein, auch unsere digitalen Angebote richten sich an die Aargauer Bevölkerung und an die Aargauer Wirtschaft. In der Vergangenheit sind viele Banken daran gescheitert, dass sie ausserhalb ihrer Marktgebiete höhere Risiken eingegangen sind. Unser Heimmarkt ist der Aargau, und den kennen wir ausgezeichnet.

Wie gesund ist der Immobilienmarkt im Kanton Aargau eigentlich?

Der Markt der Einfamilienhäuser ist intakt. Ausser an teuren Lagen, sogenannten Hotspots, sehen wir keine Überhitzung in der Breite. Bei grossen Renditeobjekten hingegen wird nach wie vor viel gebaut. Hier sehen wir, dass der Leerbestand an Mietwohnungen in einzelnen Regionen deutlich zunimmt.

Sind Sie dafür, dass die Tragbarkeitsregeln gelockert werden sollen, wie dies die Raiffeisen-Gruppe kürzlich vorgeschlagen hat?

Auf keinen Fall, das ist der falsche Weg. Es macht keinen Sinn, dass sich Kunden ein Eigenheim kaufen, das sie sich bei steigenden Zinsen nicht mehr leisten können. Das ist auf für eine Bank nicht nachhaltig.

Die Kundeneinlagen haben Sie im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Auch die Neugelder haben zugenommen. Von wo kommen die Kunden?

Die Kundengelder kommen aus allen Kernsegmenten. Wir positionieren uns seit 2012 als Anlagebank. Sehr erfreulich ist, wie sich unsere MyNAB Anlagepakete entwickeln. Unser Erfolg zeigt, dass heute einfache Produktpakete mit einer transparenten Preisgestaltung geschätzt werden. Versteckte Courtagen sind ein Auslaufmodell. Im Rahmen eines attraktiven Gesamtpaketes sind Kunden auch bereit, etwas für eine gute Beratung zu bezahlen.

Sie haben im vergangenen Jahr die Filiale in Spreitenbach umgebaut und die Schalter durch Bancomaten ersetzt. Wie ist das angekommen?

Wir haben seit der Neueröffnung weit überdurchschnittliche Verkäufe und hatten praktisch keine Reklamationen. Der Grund ist einfach: Die Kunden wünschen sich heute eine persönliche Beratung und keine Schalter, die mit Panzerglas gesichert sind. Bisher machten die Kunden vor allem eins: Geld abheben und einzahlen. Heute betreiben wir in Spreitenbach eine sehr erfolgreiche Beraterbank.

Also gibt es keinen weiteren Abbau von Filialen?

Die lokale Nähe ist uns wichtig. Deshalb investieren wir ins Geschäftsstellennetz und werden noch weitere Standorte zu modernen Berater-Geschäftsstellen umbauen.

Seit Jahren kämpfen die Bankkunden, aber auch die Banken, mit tiefen Zinsen. Einige Banken haben schon Negativzinsen eingeführt. Wie sieht es bei der NAB aus?

Die NAB verzichtet bewusst auf die Weitergabe von Negativzinsen an ihre Privatkunden und an die Aargauer KMU. Sollte sich das Umfeld verschlechtern und die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen noch einmal senken müssen, müsste sich die ganze Branche unter Führung der Nationalbank zusammensetzen und eine gemeinsame Strategie verfolgen. Es macht keinen Sinn, dass einzelne Banken hier vorpreschen.

Aktuelle Nachrichten