Huawei ist hierzulande ein unbekanntes Unternehmen. Dabei sind die Netzbetreiber Sunrise und Swisscom Kunden des chinesischen Konzerns.

Ins Gerede gekommen war Huawei im vergangenen Jahr wegen Arbeitsbewilligungen. Für den zweitgrössten Mobilnetzbetreiber der Schweiz baut Huawei das Netz der nächsten Generation. Im Aargau liegt das Unternehmen im Clinch mit einer Datenfirma.

Ohne externe Fachleute ist eine globale Strategie, wie sie sich Huawei vorgenommen hat, unmöglich.

Auch deshalb sucht man die Zusammenarbeit mit Hochschulen, und so reiste im März eine Gruppe von zwölf Informatik- und Wirtschaftsinformatikstudentinnen und -studenten zusammen mit Thomas Schmitt, Informatikprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, an den Hauptsitz.

Huawei unternimmt solche Schulungsreisen, um «die Entwicklung junger Talente und die IKT-Ausbildung zu fördern», wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.

Technische Innovationen geschützt

«Während ihres Aufenthalts hörten die Studenten Vorlesungen über Branchentrends und Produktlösungen, sie nahmen an Workshops in Laboratorien mit Experten von Huawei teil, diskutierten mit Führungskräften, besuchten Produktionsstätten sowie Forschungs- und Entwicklungszentren und arbeiteten an einem Projekt, das sie Anfang März vorstellten», so Huawei weiter.

«Die Studenten konnten eine Menge darüber erfahren, wie ein Konzern mit 17 000 Forschungs-Ingenieuren allein in Shenzen und wie das Informationsmanagement organisiert wird», sagt Schmitt.

Entwicklungen bei Huawei würden oft durch die Kunden in aller Welt angestossen; die weiteren Schritte bis zu Marktreife würden dann in den eigenen Entwicklungsabteilungen vorgenommen.

«Die Studenten haben eine Menge über Organisationsentwicklungen gelernt», so Schmitt, «aber es wurden viele technische Innovationen unter Hinweis auf die extrem kurzen Innovationszyklen in der Technologie geschützt, und etliche Fragen wurden deshalb auch nicht konkret beantwortet.»

Huawei entwickelt auch Produkte für Kunden wie Swisscom weiter. «Im Unterschied zu westlichen Firmen lässt Huawei mehrere Teams parallel an bestimmten Projekten arbeiten», beobachtete Schmitt weiter.

«Bemerkenswert waren die anderen Umgangsformen in der Firma selber», sagt Lukas Keller, angehender Wirtschaftsingenieur an der FHNW. Sein Teilprojekt betraf das Personalmanagement in globalen Firmen.

«Dabei gab es viele Herausforderungen wie auch in anderen globalen Firmen», so Keller, beispielsweise zu lokalen Anpassungen des Marketings.»

Einige Innovationen hatte Keller gezeigt bekommen wie beispielsweise eine Basisstations-Antenne für die 5. Generation der Mobilkommunikation. «Wir hatten aber keine vertieften Einblicke in die Technologien und weiteren Innovationen», sagt Keller.

Offene Diskussionen

«Wir waren davon überrascht, wie unkompliziert die Fachleute auch über die Herausforderungen in ihrem eigenen Unternehmen sprachen», sagt Informatikstudent Gerhard Stöckli.

Die gezeigten Technologien fand auch er nicht aufregend. «Umso aufschlussreicher war für mich der Vergleich eines KMU mit 130 Angestellten, in dem ich arbeite, mit einem globalen Konzern mit 140 000 Angestellten.»

An Marketing und Organisation würden andere Anforderungen gestellt. «Und deshalb müssen auch die Probleme, die dabei entstehen, anders gelöst werden.»