Contact-Tracing-Center
Nach Conti-Massenentlassungen wehrt sich der Kanton gegen Kritik: «Halten vertragliche und gesetzliche Vorschriften ein»

Der Kanton Aargau wird das Team des Contact-Tracing-Centers massiv verkleinern. Daran gibt es heftige Kritik. Der Kanton beschwichtigt nun: Alles würde mit rechten Dingen zu und her gehen.

Raphael Karpf
Drucken
Teilen
Das Conti-Team wird verkleinert werden.

Das Conti-Team wird verkleinert werden.

Bild: Chris Iseli

Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden des Aargauer Contact-Tracing-Centers Conti muss gehen. Weil die Fallzahlen tief und die Durchimpfungsrate steigend sind, müssen nur noch wenige Menschen in Quarantäne gesteckt werden. Rund 80 der 140 Contact-Tracerinnen und Tracer werden deshalb nicht mehr gebraucht. Es wird auch Kündigungen geben. Das teilte der Kanton vor einer Woche mit.

Nun ist es normal, dass bei Entlassungen dieser Grössenordnung Kritik geübt wird, ja die Debatten zuweilen emotional geführt werden. Es geht um die Jobs von Menschen. Das war heuer nicht anders, obwohl von Anfang an klar war, dass es die Tracerinnen und Tracer, wenn die Pandemie erst einmal abflacht, nicht mehr benötigt werden würden.

Doch es ist vor allem die Art und Weise, wie die rund 80 Personen gehen müssen, die der Konferenz der Aargauischen Staatspersonalverbände KASPV sauer aufstösst.

Folgen die Kündigungen bereits in einer Woche?

Nur wenige Tage, nachdem der Kanton Personal und Sozialpartner informierte, informierte er die Medien über die Entlassungen – notabene bevor das Konsultationsverfahren überhaupt abgeschlossen war. Damit habe man die Entlassungen als «unverrückbare Tatsachen» dargestellt, kritisiert die KASPV. Und weiter: «Man muss dem Kanton fast unterstellen, dass er nicht am Inhalt dieses Verfahrens, also am Ergebnis der Konsultation, interessiert ist.»

Silvia Dell'Aquila, Geschäftsführerin der Konferenz der Aargauischen Staatspersonalverbände.

Silvia Dell'Aquila, Geschäftsführerin der Konferenz der Aargauischen Staatspersonalverbände.

Bild: zvg

Das Konsultationsverfahren ist gemäss der Konferenz der Aargauischen Staatspersonalverbände nach rund einer Woche bereits abgeschlossen. «Das ist viel zu kurz», kritisiert Geschäftsführerin Silvia Dell’Aquila. Auch den Zeitpunkt des Ganzen – Mitten in der Hauptferienzeit – kritisiert sie: Es sei schwierig gewesen, überhaupt die involvierten Personen zu erreichen.

Gemäss Mitteilung der KASPV hat die Eile aber einen Grund. Denn ein weiterer Kritikpunkt lautet: Es handle sich um Mitarbeitende, die sowieso nur befristete Verträge bis Ende Jahr hätten. Die Kritik:

«Dass diese Mitarbeitenden, welche in einer schwierigen Zeit sich bereit erklärt haben, den Kanton Aargau bei der Bewältigung der Coronapandemie zu unterstützen, nun maximal vier Monate vor dem Vertragsende entlassen werden, ist höchst fragwürdig.»

Müssten die Betroffenen nun tatsächlich vier Monate vor Vertragsende gehen, hiesse das, sie müssten Ende August gehen. Das wiederum wäre nur möglich, wenn ihnen auf Ende Juli, also in rund einer Woche, gekündigt würde. Vorausgesetzt, die Betroffenen haben einmonatige Kündigungsfristen.

Kanton weist Kritik von sich

Hier setzt die Konferenz mit dem nächsten Kritikpunkt an: Selbst aus ökonomischer Sicht mache das Ganze keinen Sinn, wenn man bedenke, welche Aufwendungen durch diese Massenentlassung auf den Kanton Aargau zukommen. Anders formuliert: Gemäss Konferenz käme es den Kanton billiger, die Personen bis Ende Jahr zu bezahlen, als den Aufwand des Kündigungsverfahrens auf sich zu nehmen.

Einzig auf diesen letzten, konkreten Vorwurf antwortet Michel Hassler, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales (DGS): «Der Abbau erfolgt aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen.»

Ansonsten beantwortet das DGS keine Fragen zu den einzelnen Kritikpunkten, sondern sagt summarisch:

«Das DGS bewerkstelligt den Abbau der Überkapazitäten unter Einhaltung der vertraglichen und gesetzlichen Vorschriften. Zurzeit laufen die vom Gesetz vorgesehenen Abläufe.»

Man würde zeitnah über das weitere Vorgehen informieren. Ausserdem verweist das DGS auf die entspanntere epidemiologische Lage: «Aufgrund der tiefen Fallzahlen ist die ausreichende Beschäftigung der Contact-Tracer aktuell nicht gegeben.» Wo möglich, würden die Tracerinnen und Tracer an anderen Orten, etwa bei der Impf- oder der Testkampagne, eingesetzt werden. Das sei aber nur in Einzelfällen möglich.

Aktuelle Nachrichten