Coronavirus

Contact Tracing: Schon 63 Aargauer mussten in Quarantäne

Contact Tracing: Was, wenn der Test positiv ist?

Contact Tracing: Was, wenn der Test positiv ist? Die Reportage von Tele M1.

Um Infektionsketten zu unterbrechen, werden wieder die Kontaktpersonen von Coronakranken aufgespürt. So sollen weitere Ansteckungen vermieden werden.

Etwa fünf Menschen stecken sich momentan täglich im Aargau mit dem Coronavirus an. Diese Zahlen sind einigermassen stabil – und tief genug, dass der Kanton wieder zu einem alten Mittel der Virusbekämpfung greifen kann: zum sogenannten Contact Tracing.

Wenn jemand am Virus erkrankt, versucht der Kanton, die engen Kontakte dieser Person herauszufinden und steckt diese vorsorglich für zehn Tage in Quarantäne. So soll verhindert werden, dass diese Kontaktpersonen wiederum andere Menschen anstecken. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil man an Corona erkranken und das Virus weitergeben kann, bevor man überhaupt Symptome bemerkt. Konkret muss in Quarantäne, wer im selben Haushalt wie ein Coronakranker lebt, oder wer sich in den 48 Stunden vor der Diagnose für mindestens 15 Minuten näher als zwei Meter bei dieser Person aufgehalten hat. Bereits zu Beginn der Coronakrise wurde auf diese Weise versucht, Infektionsketten zu unterbrechen. Doch dann stiegen die Zahlen der Neuinfektionen so schnell, dass es unmögliche wurde.

Noch befinden sich nur wenige Aargauer in Quarantäne

Nun nimmt der Kanton also wieder einen Anlauf. Dafür hat er ein eigenes «Contact Tracing Center» aufgebaut. Mitten in Aarau, im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Eniwa. Momentan sind 14 Mitarbeiter – mehrheitlich Zivilschützer, aber auch Personen vom Roten Kreuz, von der Lungenliga und vom Kantonsärztlichen Dienst – da­- mit beschäftigt, herumzutelefonieren. Denn nicht nur müssen sie die Kontakte von erkrankten Personen ermitteln, diese müssen sie dann auch über ihre Quarantäne informieren und sich dann regelmässig – im Normalfall täglich – um deren Befinden erkundigen. Das Team wird noch aufgestockt werden, in zwei Wochen sollen insgesamt 26 Mitarbeiter beschäftigt werden. Und sollten die Infektionszahlen wieder steigen, würde man nochmals aufrüsten.

63 Personen wurden diese Woche bereits in Quarantäne geschickt. Und das bei insgesamt 18 Neuinfektionen. Drei bis vier Kontaktpersonen pro Erkrankter: Diese Zahl ist eher tief. Ursprünglich rechnete man damit, dass auf eine erkrankte Person rund 20 Kontaktpersonen kommen würden. Allerdings: Diese Berechnungen stammen noch aus Zeiten vor dem Lockdown. Für eine abschliessende Interpretation dieser Zahlen sei es zwar noch etwas früh, meint Kantonsrätin Yvonne Hummel: «Vielleicht zeigen diese Zahlen aber ein Stück weit, dass sich die Menschen tatsächlich an die Massnahmen halten.»

Quarantäne-Verweigerern drohen Bussen bis zu 5000 Franken

Wer in Quarantäne gesteckt wird, muss zu Hause bleiben. Das heisst unter anderem auch, dass diese Person nicht mehr selber einkaufen gehen darf. Ausnahmen gibt es nur in Notfällen, etwa bei wichtigen Arztterminen. Das Ganze ist eine behördliche Anordnung. Das bedeutet auf der einen Seite, wer in Quarantäne gesteckt wird, hat einen Anspruch auf Lohnfortzahlungen. Es bedeutet auf der anderen Seite aber auch, wer sich nicht an die Qua­ran­täne hält, dem drohen im Extremfall Bussen von bis zu 5000 Franken. Allerdings: Bis jetzt habe man noch keine einzige Busse verteilen müssen, so Hummel: «Die Betroffenen kooperieren sehr gut.»

Dieses Regime soll nun bis auf weiteres so fortgeführt werden. Voraus­gesetzt, die Zahlen steigen nicht wieder so stark, dass eine Nachverfolgung aller Kontaktpersonen unmöglich wird. Wo die Obergrenze genau liegt, das sei schwer konkret zu beantworten, sagt Hummel. Das hänge auch davon ab, wie aufwendig die Betreuung der einzelnen Personen effektiv sein wird. Grob wird aber davon ausgegangen, dass die 26 Mitarbeiter, die bald für das Contact-Tracing-Center arbeiten werden, rund fünf bis zehn Neuansteckungen täglich mit jeweils 20 Kontaktpersonen abdecken könnten.

Aufrechterhalten werden soll dieses Regime wohl noch für eine ganze Weile. Gut möglich, dass das Contact-Tracing-Center betrieben wird, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist.

Meistgesehen

Artboard 1