Pandemie

Coronahilfe vom Staat: Aargauer Firmen erhalten fast eine Milliarde Franken

Die Coronapandemie hat der Aargauer Wirtschaft in diesem Jahr stark zugesetzt. (Archivbild)

Die Coronapandemie hat der Aargauer Wirtschaft in diesem Jahr stark zugesetzt. (Archivbild)

Kurzarbeitsentschädigung, Coronakredite der Banken und Leistungen aus dem Hilfspaket belaufen sich bisher auf 937 Millionen Franken. Auf der Plattform des Kantons haben sich bereits 1600 Firmen für Beiträge aus dem kantonalen Hilfspaket registriert.

Die Coronapandemie hat der Aargauer Wirtschaft in diesem Jahr stark zugesetzt – und mit den neuen Massnahmen, die seit Donnerstag gelten, drohen für gewisse Branchen weitere Ausfälle. Mitte April, als der Lockdown rund einen Monat dauerte, schnürte der Regierungsrat ein grosses Hilfspaket für die Aargauer Wirtschaft. Insgesamt 150 Millionen Franken stellte der Kanton zur Verfügung, um eigentlich gesunde Unternehmen vor dem drohenden Konkurs zu retten.

Schon diese 150 Millionen Franken des Kantons sind ein hoher Betrag – doch eine Auswertung der AZ zeigt: Insgesamt wurde die Aargauer Wirtschaft in der Coronakrise mit fast einer Milliarde Franken unterstützt. Neben dem kantonalen Hilfspaket gab es Kurzarbeitsentschädigungen und Coronakredite der Banken. Insgesamt summieren sich die staatlichen Hilfen für Aargauer Firmen derzeit auf 938 Millionen Franken, bis Ende Jahr dürfte die Milliardengrenze wohl überschritten sein. Den grössten Posten machen dabei Coronakredite für Aargauer Firmen aus. Diese wurden zumeist von den Hausbanken der Unternehmen vergeben und von Bund oder Kanton abgesichert.

Banken vergaben Kredite von knapp 600 Millionen

Eine aktuelle Umfrage bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB), der Neuen Aargauer Bank (NAB) sowie der UBS im Aargau zeigt, dass allein diese drei Banken bisher Kredite von knapp 600 Millionen Franken gesprochen haben.

Die Aargauische Kantonalbank vergab laut Sprecherin Christine Honegger bisher 280,5 Millionen Franken aus den Covid-19-Kreditprogrammen. Am häufigsten gingen Kredite an Handelsunternehmen (ca. 30 Prozent), Unternehmen aus dem Baugewerbe sowie Firmen aus der Gastro-, Hotel- und Reisebranche. Beansprucht haben die Unternehmen laut Honegger bisher rund 60 Prozent der Kreditsumme, also knapp 170 Millionen Franken.

Die Neue Aargauer Bank hat laut Sprecher Roland Teuscher bis heute Kreditlimiten von über 215 Millionen Franken gesprochen. «Aktuell sind knapp 180 Millionen Franken, also 84 Prozent der beantragten Limiten, beansprucht worden», ergänzt Teuscher. Stark betroffen seien Gastro-,Reise- und Veranstaltungsbranche und die Zulieferbetriebe. Fast 100 Firmen haben den Covid-19-Kredit laut Teuscher bereits zurückbezahlt, während andere regelmässig Teilbeträgezurückzahlen.Insgesamt seien etwas über 20 Millionen Franken zurückbezahlt worden. Die NAB geht davon aus, dass einige Firmen den Covid-19-Kredit als Vorsichtsmassnahme bezogen haben, «während andere mit den klassischen Rückzahlungen von Krediten beginnen».

Die UBS gewährte Unternehmen im Aargau bisher Kredite in der Höhe von 100 Millionen Franken, davon wurden laut Sprecher Igor Moser rund 80 Millionen auch tatsächlich bezogen. Verteilt wurde das Geld «querbeet über alle Branchen hinweg», wie der UBS-Sprecher ausführt. Ein paar wenige Firmen haben die Kredite laut Moser schon zurückgezahlt, die Summe der Rückzahlungen liegt bei 1,5 Millionen Franken.

Die Frage nach Kreditausfällen beantworten AKB und UBS nicht, für die NAB hält Sprecher Teuscher fest: «Bis jetzt haben wir keinen Covid-19-Kreditausfall und nur ganz wenig notleidende Firmen mit überschaubaren Kreditbeträgen, bei denen es im weiteren Verlauf noch zu einer Inanspruchnahme der Bundesbürgschaft kommen kann.»

Kurzarbeitsentschädigung: 312 Millionen ausbezahlt

Ein sehr wichtiges Element zur Bewältigung der Coronakrise sind die Kurzarbeitsentschädigungen für Unternehmen, welche ihren Betrieb ganz oder teilweise einstellen mussten. Dabei übernimmt der Staat einen Teil des Lohnes von Angestellten. Seit März wurden laut Sandra Olar, der Sprecherin des Volkswirtschaftsdepartements, im Aargau insgesamt 312,5 Millionen Franken an Kurzarbeitsentschädigungen ausbezahlt. Die erste Welle der Entschädigungen lief Ende August aus.

Ab September wurden laut Olar für 2248 Betriebe im Aargau Kurzarbeitsentschädigungen verfügt, betroffen waren rund 24000 Angestellte. 2187 Unternehmen mit rund 23500 Arbeitnehmern hatten bereits vorher Kurzarbeit angemeldet, 30 Fälle sind noch pendent.

Knapp 30 Millionen aus dem kantonalen Hilfspaket

Auf der Plattform des Kantons für Beiträge aus dem Hilfspaket haben sich insgesamt 1603 Firmen registriert. Das Paket enthielt vier Massnahmen:

1) Sofortzahlungen à fonds perdu bis zu 10000 Franken an kleine Unternehmen mit maximal 10 Mitarbeitenden: Dafür bewarben sich 900 Firmen, 786 erhielten eine Zusage. Insgesamt wurden 4,76 Millionen ausbezahlt. Diese Massnahme war bis Ende Juni befristet.

2) Kreditausfallgarantien für KMU bis zu 250 Mitarbeitern im Höchstbetrag von 500000 Franken können bis Ende Jahr beantragt werden. Bisher haben 109 Firmen eine solche Garantie beantragt. 104 erhielten die Zusage, dass der Kreditantrag durch die Bank geprüft wird. Das Maximum der möglichen Kredite liegt laut Sandra Olar bei 20,5 Millionen Franken.

3) Leistungen für Härtefälle in Form von Direktzahlungen bis 20000 Franken oder Kreditausfallgarantien bis zu 1 Million Franken können bis Ende Jahr beantragt werden. Dafür haben sich 33 Unternehmen beworben. Bewilligt wurden Direktzahlungen von 35000 Franken und Kredite von 520000 Franken.

4) Kreditbürgschaften für Start-up-Firmen, eine gemeinsame Massnahme von Bund und Kanton Aargau, waren befristet bis Ende August. Dafür bewarben sich 31 Firmen. 14 Gesuche mit einer Kreditsumme von 3,8 Millionen hat der Kanton bewilligt und der Bürgschaftsgenossenschaft weitergeleitet.

Total 904 Aargauer Firmen erhielten Zusagen des Kantons für Unterstützung. Ausgerichtet wurden 4,8 Millionen Franken an Direktzahlungen, die Kreditlimite beträgt 24,8 Millionen.

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