Coronamassnahmen
«Das ist eine absolute Katastrophe!» So reagieren Aargauer Gastro und Gewerbe auf die Bundesratspläne

Der Bundesrat hat seine Lockerungspläne für den März bekanntgegeben: Läden sollen öffnen, Restaurants hingegen geschlossen bleiben. An diesem Fahrplan gibt es fast nur Kritik. Das Vorgehen sei «zögerlich und mutlos» und für ganze Branchen «eine absolute Katastrophe».

Raphael Karpf
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Bruno Lustenberger, Gastro-Aargau-Präsident, sieht schwarz für seine Branche.

Bruno Lustenberger, Gastro-Aargau-Präsident, sieht schwarz für seine Branche.

Alex Spichale / AGR

Zaghafte Lockerungen hat der Bundesrat am Mittwoch vorgeschlagen: Läden sollen im März wieder öffnen dürfen. Auch für Veranstaltungen an der frischen Luft sollen etwas weniger strenge Regeln gelten. Weil die Zahlen der Corona-Ansteckungen kontinuierlich sinken, könne man dieses Risiko eingehen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Ein Risiko sei es aber: Noch weiss niemand so ganz genau, wie die mutierten Virusvarianten den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflussen werden.

Die Kantone haben nun eine Woche Zeit, zu den Vorschlägen des Bundes Stellung zu nehmen. Nächsten Mittwoch wird der Bundesrat definitiv entscheiden.

Was jetzt schon klar ist: Restaurants werden definitiv bis Ende März geschlossen bleiben. Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, sagt:

«Das ist eine absolute Katastrophe.»

Die Mittel der Wirte seien erschöpft. «Sie wollen arbeiten. Und jetzt wird so etwas entschieden. Das wird riesige Konsequenzen haben.»

Bruno Lustenberger, Präsident Gastro Aargau.

Bruno Lustenberger, Präsident Gastro Aargau.

Michael Würtenberg

Wobei, wie Lustenberger betont, die Konsequenzen im Aargau nicht ganz so dramatisch seien wie anderswo. «Ich war eben an einer Videokonferenz mit Gastro Schweiz. Die Wirte aus anderen Kantonen weinen fast.» Die aargauischen Hilfspakete würden schlimmstes verhindern. «Rote Zahlen schreiben wir trotzdem», sagt Lustenberger.

Und jetzt komme noch ein weiteres Problem dazu. Der Gastro-Aargau-Präsident sagt:

«Die Wirte stehen mit dem Rücken zur Wand und wissen nicht, was tun.»

Es ist die psychische Gesundheit seiner Wirte, die Lustenberger Kummer bereitet. Insbesondere auch der Lernenden. «Die beste Therapie wäre, zu arbeiten. Und gerade das geht nicht.»

Was Lustenberger ganz besonders nervt: Die Impfung würde die Probleme lösen. Doch die Schweiz habe es verpasst, sich genügend gut vorzubereiten. Und jetzt hat es zu wenig Impfstoff. «Der Bundesrat hat Fehler gemacht, und wir baden das aus.»

«Der Entscheid ist zögerlich und mutlos»

Benjamin Giezendanner, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands.

Benjamin Giezendanner, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands.

Britta Gut

«Dass die Restaurants geschlossen bleiben, ist nicht richtig», sagt auch Benjamin Giezendanner, Präsident vom Aargauer Gewerbeverband. « Für die Wirte tut es mir extrem leid.» Der Entscheid des Bundesrats sei «zögerlich und mutlos», sagt Giezendanner. Und weiter:

«Der Bundesrat hat im vergangenen Jahr nichts gelernt. Er schaut weder auf die Verhältnismässigkeit noch die Wirksamkeit seiner Massnahmen.»

Stattdessen würde er ganze Branchen einfach schliessen. «Zum Glück startet bald die Frühjahrssession im Bundesparlament», sagt Giezendanner, der für die SVP auch im Nationalrat sitzt.

«Wir müssen parlamentarisch Einfluss nehmen. Ich sehe keinen anderen Weg.»

Immerhin die Läden würden wieder geöffnet, das sei ein Lichtblick. Mehr aber auch nicht.

Was wäre aus denn aus seiner Sicht das richtige Vorgehen gewesen? Giezendanner: «Alle Betriebe ab dem 1. März wieder öffnen. Und zwar mit strengen Schutzkonzepten, die die Kantone kontrollieren.» Man habe jetzt lange genug Zeit gehabt, das vorzubereiten.

Hilfspakete müssten noch optimiert werden

Der Kanton Aargau und der Bund haben verschiedene Hilfspakete aufgegleist, um den Unternehmen zu helfen. Insgesamt sei das System im Aargau besser als in anderen Kantonen, so Giezendanner. Es habe aber gleichzeitig immer noch Verbesserungspotenzial. So bezahlt der Kanton geschlossenen Betrieben die Fixkosten. Sämtliche Zulieferer haben aber keinen Anspruch.

Ein zweites Problem laut Giezendanner: Die À-fonds-perdu-Beiträge sind bei 750'000 Franken pro Unternehmen gedeckelt. «Das hört sich nach viel Geld an. Das ist es aber gerade für grössere Unternehmen nicht.» Als Beispiel nennt Giezendanner Reisebusunternehmen, die Millionenausfälle hätten.

Giezendanner droht mit Demonstration

Und auch bei der Kurzarbeit sieht er Handlungsbedarf: Denn mit Kurzarbeit werden nicht alle Mitarbeiterkosten gedeckt. Versicherungsbeiträge etwa müssen die Betriebe selbst bezahlen. «Wenn jetzt so viele Menschen einen weiteren Monat in Kurzarbeit bleiben müssen, müssen wir hier als nationales Parlament nachbessern.»

Als der Aargau im Dezember die Läden schloss, war er vorgeprescht. Der Bundesrat beschloss dieselbe Massnahme erst einen Monat später. Befürchtet das Aargauer Gewerbe nun, dass, trotz schweizweiter Lockerungen, im Aargau die Läden im März geschlossen bleiben könnten? Giezendanner:

«Wenn die Regierung das beschliesst, dann würde ich persönlich eine Demonstration organisieren.»

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