Covid-19
Der Kanton kündigt Contact-Tracern wegen tiefer Fallzahlen – folgen bald auch die Impfzentren?

Dank der aktuell entspannten epidemiologischen Lage werden nicht mehr sämtliche 140 Contact-Tracer benötigt. Auch bei den Impfzentren wird über einen weiteren Abbau diskutiert. Doch muss im Winter wieder hochgefahren werden?

Raphael Karpf
Drucken
Teilen
Ein Einblick ins Contact-Tracing-Center am 28. September 2020.

Ein Einblick ins Contact-Tracing-Center am 28. September 2020.

Chris Iseli

Bisher wurde beim Aargauer Contact-Tracing-Center immer nur aufgestockt. Mehr Coronakranke bedeuteten mehr Kontaktpersonen, die vorsichtshalber in Quarantäne gesteckt werden mussten. Zeitweise waren es Hunderte Menschen pro Tag. Sie alle mussten möglichst schnell informiert werden.

Das klappte nicht immer. Gerade im Herbst 2020 war von einzelnen Fällen zu hören, die so spät über ihre Quarantäne informiert wurden, dass es gar keinen Sinn mehr machte, dass sie sich dann noch isolierten.

140 Personen arbeiteten zuletzt im Contact-Tracing-Center. Nun, mit den tiefen Fallzahlen, braucht es nicht mehr so viel Personal. Eine ausreichende Beschäftigung sei aktuell nicht mehr gegeben, schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Deshalb wird nun abgebaut.

Wechsel zu den Zertifikaten oder der Hotline

Rund 40 Contact-Tracerinnen und Contact-Tracer haben bereits von sich aus gekündigt. Doch das reicht nicht. Noch etwa weitere 40 Stellen müssen abgebaut werden. In Einzelfällen werde man Angestellten andere Jobs geben können, etwa bei der Vergabe der Zertifikate oder bei der Corona-Hotline. Für die meisten Betroffenen wird das laut Kanton aber nicht möglich sein. Wo möglich, soll der Abbau über die natürliche Fluktuation erfolgen. Es werde aber auch Kündigungen geben.

Das Ziel ist aber nicht nur ein kleineres Contact-Tracing: «Wir müssen flexibler werden. Die heutigen Anstellungsverhältnisse lassen das nicht zu. Deshalb benötigen wir Änderungen», sagt Andreas Obrecht, Leiter des kantonalen Covid-19-Programms. Nur so könne man schnell genug auf steigende oder sinkende Fallzahlen reagieren. Das Ziel: Ein kleines Team von Angestellten, welches von mehreren Personen auf Abruf unterstützt werden kann.

Andreas Obrecht, Leiter des kantonalen Covid-19-Programms.

Andreas Obrecht, Leiter des kantonalen Covid-19-Programms.

Britta Gut

Gesundheitssystem dürfte nicht mehr so stark belastet werden

Im Februar sagte Kantonsärztin Yvonne Hummel noch, wegen der Mutanten sei es nicht sinnvoll, das Contact-Tracing abzubauen. «Damit würde man bei einer dritten Welle wieder eine rasche Überlastung riskieren.» Nun scheint beim Kanton mittlerweile eine andere Sichtweise vorzuherrschen. Die Impfkampagne sei zwischenzeitlich ein grosses Stück vorwärtsgekommen, so Obrecht:

«Wir gehen davon aus, dass die Impfung auch bei der Delta-Variante Wirkung zeigt.»

Wie viele Ansteckungen es im Herbst geben werde, sei derzeit zwar schwierig einzuschätzen: Aber: «Wir gehen davon aus, dass dank der Impfung trotz steigender Fallzahlen das Gesundheitswesen weniger belastet wird als vor einem Jahr.»

In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Neuansteckungen wieder leicht gestiegen. Von Freitag bis Sonntag meldete der Aargau 50 neue Fälle. Im selben Zeitraum vergangene Woche waren es 33.

Die Impfung dürfte zudem nicht nur die Zahl der Neuinfektionen tiefer halten. Wer zweimal geimpft ist, muss auch nicht in Quarantäne, wenn er oder sie Kontakt zu einer erkrankten Person hatte. Auch das dürfte das Contact-Tracing-Center entlasten.