Lebensmittelabgabe

Damit es die Ärmsten nicht doppelt trifft: So bewältigt die «Schweizer Tafel» die Corona-Krise

Wegen Corona anders: Lebensmittelabgabe bei der Heilsarmee Aargau Süd in Reinach.

Wegen Corona anders: Lebensmittelabgabe bei der Heilsarmee Aargau Süd in Reinach.

Die Lebensmittelabgabe ist mit der Krise schwieriger geworden. Ein Grossteil der Freiwilligen fällt aus, weil sie zur Risikogruppe gehören. Aber das ist nicht das grösste Problem.

Bei manchen Leuten reicht das Geld im Portemonnaie nirgends hin. Noch nicht einmal für den Wocheneinkauf mit Gemüsen und Früchten. Sie sind auf kostenlose Lebensmittelabgaben angewiesen. Eine Situation, die jetzt noch schwieriger geworden ist – für alle Beteiligten.

Die «Schweizer Tafel» hilft solchen Menschen seit 2001. Jährlich verteilt sie 4000 Tonnen überschüssige Lebensmittel aus Coop, Migros, Manor, Aldi und Lidl an soziale Institutionen wie Obdachlosenheime, Gassenküchen, Notunterkünfte und andere Hilfswerke. Auch jetzt, in dieser Krise.

Weniger überschüssige Ware als sonst

Heinz Zollinger, Leiter Region Zürich und Aargau bei der «Schweizer Tafel», ist es sich gewohnt, flexibel zu sein. Aber auch er denkt jetzt nur noch an den morgigen Tag. «Die Probleme sind vielschichtig», sagt er. Aus den Läden, die aktuell noch geöffnet haben dürfen, gibt es weniger überschüssige Ware als sonst. Nicht nur, weil die Leute mehr kaufen. «Dem Personal dieser Läden fehlt aktuell verständlicherweise auch einfach die Zeit, die Ware für uns bereitzustellen», sagt Zollinger.

An helfenden Händen fehlt es auch bei der «Schweizer Tafel»: Ein Grossteil der Freiwilligen fällt aus, weil sie zur Risikogruppe gehören. «Ich habe aber das Glück, dass die verbliebenen Mitarbeiter gerne umso mehr leisten», sagt Zollinger.

40% der Verteilstellen sind geschlossen

Fehlende Ware ist nicht das Hauptproblem, auch nicht die Personalausfälle. Heinz Zollinger weiss, wie er an die Lebensmittelspenden kommt. Auch jetzt: So viel Ware wie nie erhält die «Schweizer Tafel» aktuell von Restaurants, Hotels und – vor allem – Lebensmittelproduzenten, die ihre Ware sonst an Delikatessgeschäfte liefern. «Wunderschöne Sachen; frische Teigwaren beispielsweise, oder Fondue-Mischungen.»

Das allergrösste Problem aber kann auch Heinz Zollinger nicht lösen: «40 Prozent aller Verteilstellen mussten wegen der Verordnungen schliessen», sagt er. Darunter beispielsweise auch der Verein «Tischlein deck dich», dessen 132 Lebensmittelabgabestellen allesamt geschlossen sind.

Eine der verbliebenen Institutionen ist die Heilsarmee. Und sie hält an der Lebensmittelabgabe fest, auch unter erschwerten Bedingungen: «Aktuell sind wir im weiteren Umkreis die einzige Abgabestelle; entsprechend gross ist die Nachfrage nach Spenden», sagt Peter Hauri, Offizier des Korps Aargau Süd in Reinach. Auch die Heilsarmee Aargau Süd erhält die Spenden hauptsächlich von der «Schweizer Tafel». «Im Augenblick offerieren teilweise auch Hotels und Nahrungsmittelhersteller noch gut haltbare Waren aus der erweiterten Region», so Peter Hauri.

Ausnahmsweise auch während der Ferien

Um die vom Bund auferlegten Richtlinien einzuhalten, werden die Lebensmittel vorgängig in Taschen abgepackt und draus­sen direkt an die Empfänger übergeben. Junge freiwillige Helfer liefern Risikopatienten die Lebensmittel nach Hause. Ein Aufwand, der sich lohnt, erklärt Peter Hauri: «Die Menschen sind durch diese Krise bedingt sehr dankbar, dass wir das Angebot aufrechterhalten, vor allem auch während den Frühlingsferien.»

Normalerweise findet die Lebensmittelabgabe während der Ferien nicht statt. «Für uns als Heilsarmee ist es wichtig, damit ausdrücken zu dürfen: Wir sind noch da, wir haben euch nicht vergessen!»

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