Es ist ein grosszügiges Geschenk, das die Schweizerische Mobiliar der Stadt und Region Zofingen am Dienstag überreichte.

Auch die Verpackung erinnerte an ein Präsent: ein knallroter Container, darin verstaut ein mobiles Deichsystem, das die Gemeinden in der Region bei Dauerregen vor Überflutungen schützen soll. Wert: gegen 300 000 Franken.

Einer der Hintergründe ist natürlich der brutale Gewittersturm, der vor ziemlich genau zwei Jahren Zofingen heimsuchte.

Bei der örtlichen Feuerwehr gingen innerhalb kürzester Zeit über 500 Alarmmeldungen ein. Das Unwetter sorgte alleine bei der Mobiliar-Versicherung für 2500 Schadenfälle, die 19 Millionen Franken kosteten.

«Daten Taten folgen lassen»

«Diese Summe macht rasch klar, warum es interessiert, wo in der Schweiz bei einer Überschwemmung welche Werte auf dem Spiel stehen», sagt Mobiliar-Pressesprecher Jürg Thalmann. Um die gefährdeten Hotspots in der Schweiz zu orten, hat das Mobiliar Lab für Naturrisiken an der Universität Bern das interaktive Internet-Tool www.schadenpotenzial.ch entwickelt.

Das Tool gehe weit über die bekannte Abbildung von Gefahrenkarten hinaus, so Thalmann. Es zeige nicht bloss die abstrakte Gefährdung durch Hochwasser, sondern auch das konkrete Schadenpotenzial.

Auf grossen Rädern rollen Feuerwehrleute die Schlauchelemente zum Einsatzort. Der Container ist mobil.

Auf grossen Rädern rollen Feuerwehrleute die Schlauchelemente zum Einsatzort. Der Container ist mobil.

Die Mobiliar verknüpfe nun Forschung und Praxis und lasse «den Daten Taten folgen». Fünf Stützpunktfeuerwehren in besonders exponierten Hochwasser-Regionen erhalten je einen mobilen Container mit modularen, insgesamt 440 Meter langen Schutzdämmen.

Neben Zofingen erhalten im Verlauf der nächsten Monate auch die Feuerwehren von Sion, Locarno, Interlaken-Bödeli und Berneck-Au-Heerbrugg einen roten Container.

Geflutete Unterführung nach dem Hochwasser in Zofingen

Geflutete Unterführung nach dem Hochwasser in Zofingen, 2017.

Geflutete Unterführung nach dem Hochwasser in Zofingen

«Wir freuen uns, den fünf Gemeinden mit unserer Schenkung ein wirksames Mittel gegen unkontrollierten Wasserfluss in die Hände zu geben und ihnen so mehr Selbstschutz zu ermöglichen», sagt Patric Deflorin, Leiter Versicherungen und Mitglied der Geschäftsleitung der Mobiliar. «Unser Engagement soll rasch wirken und Schäden mindern. Damit ist nicht nur uns als Versicherer gedient, sondern davon profitiert auch die Bevölkerung in der Region.»

Im Nu aufgebaut

Bei einer Demonstration an der Wigger in Zofingen konnte man am Dienstag zuschauen, wie das System, funktioniert. Die Schlauchelemente werden zwischen zwei grossen Rädern aufgehängt und zum Einsatzort gefahren. Dort werden die Schläuche entrollt und mit Wasser vollgepumpt. Innert kürzester Zeit entsteht so ein stabiler Damm von 60 Zentimern Höhe.

Entwickelt hat das einzigartige Containersystem die Aeschlimann Hochwasserschutz AG im luzernischen St. Urban gemeinsam mit dem deutschen Hersteller Mobildeich. «Mit dem Container ist man schnell am Einsatzort, die Aufstellung der mobilen Deiche ist einfach und geht schnell», sagt der bekannte Unternehmer Heinz Aeschlimann dazu. Laut Aeschlimann ist es möglich, die Deiche auch bei Bränden einzusetzen, um kontaminiertes Löschwasser aufzufangen.

Zum Einsatz kommen sollen die Dämme in der ganzen Region, wie Reto Graber, der designierte Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Zofingen, sagt. Damit könne man künftig Quartiere bei Hochwasser viel besser schützen (siehe Nachgefragt rechts).

Die Grenzen des Systems

Natürlich hat das System auch seine Grenzen. Zwar wurde der zweite Jahrestag des massiven Unwetters am 8. Juli 2017 zum Anlass genommen, das Geschenk zu übergeben. Genützt hätte es damals aber kaum etwas, wie Feuerwehrleute übereinstimmend sagen. Die Überschwemmungen kamen so dramatisch schnell und flächendeckend, dass die mobilen Deiche nichts mehr hätten ausrichten können. Anders sieht es allerdings bei Überschwemmungen aus, die man kommen sieht: Gefährdete Uferstellen können rechtzeitig gesichert und Schäden vermieden werden.