Wirtschaftslage

Das Coronavirus hat die Wirtschaft schwer getroffen, doch langsam erholt sich der Kanton Aargau wieder

Die Pharmaindustrie leidet weniger unter der Krise.

Die Pharmaindustrie leidet weniger unter der Krise.

Kurzarbeit, Lokale die schliessen mussten, Jobverlust. Das Coronavirus hat die Menschen hart getroffen, der Wirtschaft einen schweren Dämpfer versetzt. Doch es geht wieder aufwärts.

Die Zeichen für die Aargauer Wirtschaft stehen auf Erholung. Zu diesem Schluss kommt der Konjunkturbarometer der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und von Aargau Services Standortförderung. Der Barometer berücksichtigt verschiedenste Indikatoren aus der Wirtschaftswelt: Import- und Exportzahlen, offene Stellen oder auch die Stimmung von Konsumenten und Investoren. Er ist quasi das Fieberthermometer der Aargauer Wirtschaft.

Um gleich bei dieser Metapher zu bleiben: Im April und Mai hätte die Aargauer Wirtschaft mit Blaulicht und über 40 Grad Fieber ins Spital eingeliefert werden müssen. So stark wurde sie vom Coronavirus und dem damit verbundenen quasi Lockdown getroffen. Im Juni, unter anderem dank der Lockerungsmassnahmen, erholte sich der Patient langsam. Nun, im Juli, ist er weiter auf dem Weg der Besserung. Er ist aber noch weit von alter Stärke entfernt.

Dabei sind die Prognosen für den Aargau sogar noch leicht besser als diejenigen für die gesamte Schweiz. Die Gründe sind vielfältig. Eine Rolle spielt etwa der Warenhandel: Die schweizweiten Importe wie auch Exporte liegen immer noch mehr als 25 Prozent unter dem Vorjahresstand. Gerade die klassische Exportindustrie, etwa Metall oder Elektro, hat nach wie vor massiv Probleme. Der Pharma- und Chemiesektor deutlich weniger. Und da dieser Bereich im Aargau überproportional stark vertreten ist, steht der Aargau als Ganzes etwas besser da.

Die Branchen leiden ganz unterschiedlich

In der Binnenwirtschaft leiden die Gastro- und die Eventbranche nach wie vor besonders stark unter der Krise. Ebenso der Tourismusbereich. Auch das sei mit ein Grund, dass der Aargau insgesamt glimpflicher als andere davongekommen sei, sagt Marcel Koller, Chefökonom der AKB: «Der Aargau ist kein klassischer Tourismuskanton wie etwa das Wallis.» Das zeigt sich auf dem Stellenmarkt: Im Aargau sind aktuell rund 18 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben als vergangenes Jahr. Schweizweit sind es minus 31 Prozent.

Andere Branchen hingegen sind bereits wieder fast bei alter Stärke. Koller nennt etwa den ganzen Lebensmittelbereich: «Der Einkaufstourismus hat zwar wieder zugenommen. Er ist aber noch nicht auf dem Niveau vor der Krise.» Und jede Krise bringt auch ihre Gewinner mit sich: In diesem Fall die IT- oder aber auch die Telekombranche. «Dank Homeoffice und fortschreitender Digitalisierung werden sie auch weiter profitieren», so Koller.

Frühstens Ende 2021 komplett erholt

Die vergangenen zwei Monate hat sich die Aargauer Wirtschaft wieder relativ schnell erholt. Das wird nun aber nicht in diesem Tempo weitergehen, prophezeit Koller: «Gewisse Massnahmen aus der Krise werden wir wohl in unser tägliches Leben übernehmen.» Etwa im Bereich des Onlinehandels. Ein sowieso seit Jahren wachsender Bereich, der nun nochmals zusätzlichen Schub bekommen hat. Koller kann sich vorstellen, dass der eine oder andere in der Krise – gezwungenermassen – online eingekauft hat und nun auf den Geschmack gekommen ist. Für den regionalen Detailhandel, der sowieso schon länger am Kriseln ist, würde das weitere Probleme bedeuten.

«Allerfrühstens Ende nächstes Jahr wird sich die Aargauer Wirtschaft wieder auf einem Niveau wie vor der Krise befinden», glaubt Koller. Und auch das nur, wenn nicht nochmals vergleichbare Lockdown-Massnahmen eingeführt werden.

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