Aarau
Das Dach über dem neuen Bahnhofplatz ist ein echter Hingucker

Seit Freitag schwebt über dem Aarauer Bahnhofplatz eine «Wolke». Die Architektin erklärt, warum unter dem Dach des neuen Bushofs trotzdem immer schönes Wetter ist.

Thomas Röthlin
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Die Aarauer Bahnhofuhr lässt ihren fünf Meter langen Sekundenzeiger hängen. Den technischen Defekt an der ausladenden Bahnhoffassade könnte man glatt als Kapitulationserklärung verstehen: Die grösste Uhr Europas gibt klein bei, weil ihr seit Freitag der vorgelagerte Bahnhofplatz die Show stiehlt.

Dort wurde das auf elf Stelzen stehende Bushofdach von den Baugerüsten entfernt. Es handelt sich nicht um irgend ein Null-acht-fünfzehn-Dach, sondern um ein riesiges «Kissen» mit 1000 Quadratmetern «Sitzfläche» und 2000 Kubikmetern Füllung.

Viel mehr als Luft ist allerdings nicht drin, und die beiden zusammengetackerten Folien sind transparent. Weil es nicht ganz dicht ist, hängt es ständig an einer automatischen Pumpe, die für den nötigen Überdruck sorgt, damit die «Wolke» in ihrer Form bleibt.

Schönwetter-Dach

Die Zürcher Architektin Mateja Vehovar erklärt, warum sie ihren Wurf lieber als «Himmel» bezeichnet: Weil die obere Folie blau eingefärbt wurde, ist das Wetter unter dem Dach immer schön. Die Konstruktionsidee stammt von der Expo 02, wo Vehovar an der Arteplage Yverdon mitgewirkt hatte.

Auch wenn die Architektin die Stadt als Bauherrin für ihren Mut lobt, die «Wolke» – der Begriff ist im Volksmund seit der Kreditabstimmung 2009 eingeführt – muss sich erst noch bewähren.

Vor den Sommerferien geht der Bushof in Betrieb, ab dann wollen sich die wartenden Passagiere bei Regen auf die Dachrinne verlassen können. Im Winter dann auf die Schneereling.

Optisch ist das Dach, Aufsehen erregendster Bestandteil des neuen Aarauer Bahnhofareals, natürlich Geschmacksache. Wenig schmeichelhaft, nennt es eine Redaktionskollegin bereits «Pet-Sammelstelle».

Sehen Sie hier einen Zeitraffer vom Bau der «Wolke».

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