Seit einer Woche ist bekannt, dass das Kantonsspital Aarau (KSA) die Zusammenarbeit mit der Hirslanden Klinik kündigen und ab 2020 in einer Kooperation mit dem Universitätsspital Basel selber Herzchirurgie anbieten will (die AZ berichtete). Hirslanden reagierte überrascht und teilte mit, man bedaure den Entscheid. Zudem kündigte die Privatklinik an, sich ebenfalls um den kantonalen Leistungsauftrag für die Herzchirurgie ab 2020 zu bewerben.

Ganz so nüchtern, wie die Reaktion klingt, nimmt die Hirslanden-Führung den Entscheid des KSA indes nicht auf. Der AZ liegt ein Brief von Klinikdirektor Markus Meier an die Leitung des Kantonsspitals Aarau vor. «Wir sind konsterniert und erachten das Vorgehen als nicht partnerschaftlich», heisst es im Schreiben, das auch an Regierungsrätin Franziska Roth und die grossrätliche Gesundheitskommission ging.

NZZ vor Hirslanden informiert

Das KSA setze mit seinen Absichten «einseitig und ohne vorgängige Diskussion (oder wenigstens Information) eine beispiellose Erfolgsgeschichte im Kanton Aargau aufs Spiel», schreibt der Hirslanden-Direktor. Er hält weiter fest, für die Bevölkerung sei kein Bedarf nachgewiesen und kritisiert die Kommunikation des Partnerspitals.

So habe Robert Rhiner, CEO des KSA, Hirslanden am letzten Samstagabend «telefonisch in Kenntnis gesetzt, dass sich das Kantonsspital Aarau für den Leistungsauftrag im Bereich der Herzchirurgie bewerben wolle». Über die geplante Kooperation des KSA mit dem Unispital Basel sagte Rhiner offenbar nichts. Zumindest schreibt Meier, dies habe man bei Hirslanden am Sonntag «völlig überrascht» aufgrund einer Mitteilung des KSA zur Kenntnis genommen. Er kritisiert, offenbar seien die Medien – zuerst berichtete die «NZZ am Sonntag» – vor der Hirslanden-Führung darüber informiert gewesen.

Konkurrenzverbot verletzt?

Im Brief von Hirslanden geht es aber nicht nur um Zeitpunkt und Art der Kommunikation. Explizit weist Klinikdirektor Meier auf den geltenden Zusammenarbeitsvertrag Herzmedizin mit dem KSA hin. Dieser sei «in ungekündigtem Zustand» und sei «jedenfalls noch bis zum 30. Juni 2020 in Kraft». Hirslanden gehe davon aus, dass das KSA «die vertraglichen Verpflichtungen uneingeschränkt einhalten wird». Markus Meier weist konkret auf eine Regel zum «Verbot des Aufbaus konkurrenzierender Ressourcen» und Vereinbarungen zur Zuweisung von Herzpatienten hin. Hirslanden pocht also auf die Vertragspflichten des KSA, signalisiert aber auch Gesprächsbereitschaft. «Wir laden Sie zu einer zeitnah stattfindenden Aussprache ein», heisst es im Brief, der vom Mittwoch datiert ist.

Könnte sich die Absicht des KSA, den Vertrag mit Hirslanden aufzulösen und eine Zusammenarbeit mit dem Unispital Basel einzugehen, bei der Aussprache noch ändern? Gibt es noch Verhandlungsspielraum, ist eine weitere Zusammenarbeit mit Hirslanden denkbar? Wie stellen sich die KSA-Verantwortlichen zur Kritik an ihrer Kommunikation, was sagen sie zu möglichen Vertragsverletzungen? Wie ist es möglich, ab Anfang 2020 eine eigene Herzchirurgie zu führen, wenn der Vertrag mit Hirslanden bis Mitte 2020 läuft?

KSA will Vertrag einhalten

Alle diese Fragen stellte die AZ den Verantwortlichen am Kantonsspital Aarau – die Antwort von Mediensprecherin Isabelle Wenzinger fällt indes kurz aus. «Das KSA wird den geltenden Vertrag mit der Klinik Hirslanden ordnungsgemäss und vollumfänglich einhalten», hält sie fest. Wenzinger ergänzt, das Spital bewerbe sich heute um den Leistungsauftrag Herzchirurgie ab 2020, «weil das bestehende Konstrukt mit räumlicher Trennung der Herzmedizin nicht mehr zeitgemäss und ineffizient ist». Der heute noch nötige Wechsel von einem Spital ins andere sei für Patientinnen und Patienten eine Belastung. «Die Behandlung aus einer Hand ist das Ziel und bringt für alle Beteiligten und Betroffenen nur Vorteile.»