#KeLoscht
Demo in Aarau: Aargauer Schüler fahren heute nicht nach Luzern

In Aarau protestieren heute Schüler gegen den Bildungsabbau. Wie aus einer Luzerner Aktion eine nationale wurde – und um was es den Organisatoren geht.

Mario Fuchs
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Aargauer Schüler protestieren vor Ort gegen den Bildungsabbau.

Aargauer Schüler protestieren vor Ort gegen den Bildungsabbau.

Emanuel Freudiger

Ende Februar wurde bekannt: Luzerner Mittelschüler planen einen Streik, um gegen das Sparen bei der Bildung zu demonstrieren. Das sorgte auch im Aargau für Aufsehen, denn die hiesige Schülerorganisation AGSO meldete: Weil man «relativ ähnliche Lagen» habe und man mit der Partnerorganisation im südlichen Nachbarkanton freundschaftlich verbunden sei, nehme man aus Solidarität ebenfalls an der Luzerner Demonstration teil. Man wolle «ein Zeichen setzen», sagte der Aargauer Schülerpräsident Aurel Gautschi. Auch die Kameraden aus Zürich schlossen sich an. «20 Minuten» titelte daraufhin: «Luzerner Schüler holen sich Demo-Touristen» (die az berichtete).

Reden und Transparente

Inzwischen haben sich die Demo-Pläne geändert. Protestiert wird unter dem Motto #KeLoscht nicht mehr mit einem gemeinsamen Umzug durch Luzern, sondern redimensionierter, dafür gleichzeitig in fünf Städten: Luzern, Zürich, Aarau, Basel und Genf. In Aarau findet ab 13.15 Uhr auf dem Bahnhofplatz eine bewilligte Platzkundgebung statt. Laut Organisatorin Tiziana Nauer, Schülerin an der Kantonschule Wohlen, sind Reden von Schülerinnen und Schülern sowie von Gästen wie den Juso-Vertreterinnen Mia Gujer und Ariane Müller geplant. Zu viel Parteipolitik ist jedoch nicht erwünscht: «Wir bitten euch, Fahnen von Parteien zu Hause zu lassen ;)», heisst es auf Facebook.

Schon am 20. März demonstrierten in Bern Hunderte gegen Sparmassnahmen in der Bildung.

Schon am 20. März demonstrierten in Bern Hunderte gegen Sparmassnahmen in der Bildung.

KEYSTONE

Auf Transparenten werden die Kernbotschaften der Protestierenden zu lesen sein. Aurel Gautschi fasst sie so zusammen: «Jegliche Sparmassnahmen, die die Qualität unserer Ausbildung beeinträchtigen, sehen wir als grossen Verlust für die ganze Gesellschaft an.» Es sei «jetzt schon klar, dass weitere Sparmassnahmen im Aargau zu erwarten sind». Wie viele Schüler dem Aufruf folgen, konnten die Verantwortlichen am Dienstag nicht abschätzen. Auf Facebook hatten sich bis Dienstagabend 20 Teilnehmende und 70 Interessierte eingetragen. Tiziana Nauer: «Die meisten von uns müssten in der Schule sein und haben einen freien Halbtag eingelöst.»

Demo 2.0

Wie wurde aus einer Luzerner Aktion plötzlich eine nationale? Aurel Gautschi sagt: «Die Stimmung zeigte, dass es schwierig werden könnte, genügend Leute zu motivieren, nach Luzern zu reisen.» Die Zugbilletts seien nicht günstig, und die Anreise daure ihre Zeit. So habe man sich dazu entschlossen, «regionale Solidaritätskundgebungen» durchzuführen. «Wir erhoffen uns davon grösseren Mobilisationserfolg.»

Die Aktion ist eine Art Demo 2.0. Erstens, weil sie parallel an mehren Orten stattfindet. Zweitens, weil sich die OK untereinander fast nur virtuell koordiniert haben. Die NZZ titelte dazu: «Der Whatsapp-Protest». Drittens, weil man auf den Druck von Flyern verzichtete und Werbung nur über soziale Medien erfolgte. Und viertens wegen des Namens #KeLoscht. Angelehnt an Ueli Maurers Ausspruch, er habe gerade keine Lust, ein Interview zu geben, und an den Luzerner Dialekt der Initianten, meinen die Schüler: «Wir haben #KeLoscht auf Abbau bei der Bildung.»