Fast auf den Tag genau vor 16 Monaten, am 29. November 2017, wurde am Bözberg gefeiert. Damals erfolgte der Durchstich des neuen Bahntunnels bei Effingen. Inzwischen ist die Tunnelbohrmaschine längst demontiert, die rund 2,7 Kilometer lange Röhre gegen Bergwasser abgedichtet und verschalt, der Abtransport des Ausbruchmaterials ist zu mehr als 80 Prozent abgeschlossen.

«Wir sind im Zeitplan, der Innenausbau des Tunnels ist fertig, nun läuft der Einbau der Bahntechnik», sagt Gesamtprojektleiter Thomas Zieger. Schienen oder Fahrleitungen sind im Bözberg aber noch keine zu sehen – das zeigt sich bei einem Medientermin am Montag.

Wo heute der Anhänger mit der Kabelrolle steht, verkehren in anderthalb Jahren die ersten Züge: Die Schienen im Bözbergtunnel kommen auf die Höhe der seitlichen Kabelschächte zu liegen, wo die zwei Männer stehen.

  

Gearbeitet wird im Tunnel aber sehr wohl, und zwar an der Sicherheit, wie bei der Begehung deutlich wird. Schon kurz nach dem Tunnelportal bei Schinznach-Dorf zieht ein Team von Arbeitern Kabel ein (siehe Bild oben), ein paar hundert Meter weiter folgt an der Tunnelwand ein hell erleuchteter Abschnitt. Installiert wurden die LED-Lampen aber nicht, um den Kameraleuten und Fotografen die Arbeit zu erleichtern. «Das ist eine Musterinstallation, damit unsere Fachleute heute schon sehen, wie der Ausbau am Ende auf der ganzen Länge des Tunnels ist und frühzeitig Änderungswünsche anbringen können», sagt Projektleiter Thomas Zieger. Im normalen Betrieb, wenn ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 die Güter- und Personenzüge durch den neuen Tunnel fahren, brennen die Lampen nicht.

Alarmknopf alle 25 Meter

Angezündet werden sie nur im Notfall, wenn ein Passagier den Alarmknopf auf einer Box drückt, die alle 25 Meter an der Tunnelwand angebracht sind. Dann wird der ganze Handlauf beleuchtet, die Zugreisenden können diesem bei einem Brand oder einem anderen Zwischenfall bis zu einem sicheren Querstollen folgen. Diese sind alle 500 Meter im Bözberg vorhanden, sie verbinden die neue mit der alten Tunnelröhre, die künftig als Rettungsstollen dient. Der Fluchtweg bis zum sicheren Querstollen beträgt also im schlechtesten Fall 250 Meter – wenn sich ein Passagier genau in der Mitte zwischen zwei Rettungsstollen befindet. Noch fehlen die beleuchteten grünen Hinweisschilder, die den Weg zum nächsten Notausgang weisen, «doch die werden noch eingebaut», versichert Zieger.

Die Stollen sind mit elektrisch betriebenen Schiebetüren ausgerüstet, im Raum dahinter wird ein künstlicher Überdruck erzeugt, damit in einem Brandfall kein Rauch aus dem Tunnel eindringen kann. «Im Notfall sind die flüchtenden Personen im Rettungsstollen geschützt, von dort aus gelangen sie weiter in die alte Röhre, die parallel zum neuen Tunnel verläuft, und können sich danach ins Freie retten», erklärt Zieger. Damit die Türen, Ventilatoren und Lampen auch bei einem Brand funktionieren, ist die Stromversorgung doppelt ausgelegt. Die entsprechenden Installationen sind in einem separaten Raum hinter Beton geschützt.

Der sicherste Bahntunnel der Schweiz werde der Bözberg damit nicht, ein ähnliches System mit einer zweiten Rettungsröhre gebe es zum Beispiel auch im Weinbergtunnel der Zürcher Durchmesserlinie, sagt der Projektleiter. Zieger betont jedoch: «Mit den Massnahmen, die wir umsetzen, wird die Tunnelsicherheit im Bözberg gegenüber heute klar erhöht.»

Zwei Rettungsübungen geplant

Gebaut wird der neue Bözbergtunnel, damit künftig auch Lastwagen und Auflieger mit vier Metern Höhe auf der Bahn durch die Schweiz transportiert werden können. Der Durchmesser der heutigen Röhre reicht dafür nicht, eine neue zu bauen und die alte als Rettungsstollen zu nutzen, war für die SBB die zeitlich und wirtschaftlich beste Lösung. Heute verkehren die Züge noch im alten Tunnel, die Umstellung ist für den Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 geplant. Zuvor ist eine erste grosse Rettungsübung mit dem Namen «Sissle2020» geplant.

Wenn der neue Tunnel in Betrieb ist, wird der bestehende umgebaut, dies dauert von Januar 2021 bis Juni 2022. Danach findet eine zweite Rettungsübung statt, sie heisst «Sissle 2022». Die beiden Übungen mit Einbezug der lokalen Feuerwehren seien Teil der Baubewilligung für den Tunnel, sagt Zieger – in der Hoffnung, dass die Sicherheitselemente ausserhalb der Übungen nie gebraucht werden.

Sicherheit im Bözbergtunnel: AZ-Redaktor Fabian Hägler erklärt den Weg vom Tunnel ins Freie:

Sicherheit im Bözbergtunnel: AZ-Redaktor Fabian Hägler erklärt den Weg vom Tunnel ins Freie.

  

Tausende Tonnen an Stein werden pro Tag aus dem Bözberg gehoben – mit einem ausgeklügelten System wird das Material in den Steinbruch Oberegg transportiert:

Ausbruchmaterial mehrerer Tunnels landet in Wildegg

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