Reisediplomatie

Der Aargau pflegt seine China-Beziehungen auf eigene Faust

Green.ch-Chef Franz Grütter, Regierungsrat Urs Hofmann und AIHK-Präsident Daniel Knecht mit Botschafter Ken Wu im März 2012.

Green.ch-Chef Franz Grütter, Regierungsrat Urs Hofmann und AIHK-Präsident Daniel Knecht mit Botschafter Ken Wu im März 2012.

Allzu viele diplomatische Besuche seien den Kantonen eine Last, meint «Bern» und mahnt die Botschaften zur Mässigung. Der Aargau fühlt sich als Gastgeber aber nicht überfordert. Es stehen Handelsbeziehungen und die Standortförderung im Vordergrund.

Das Exportvolumen aus dem Aargau nach China beträgt rund 650 Millionen Franken, China ist nach Deutschland, Frankreich und den USA der viertgrösste Abnehmer von Exportprodukten von Aargauer Unternehmen.

Und gerade in Ostasien spielen bei Handelsbeziehungen die politischen Kontakte eine grosse Rolle.

Aus Besuchen wie dem des chinesischen Botschafters Ken Wu vor zwei Jahren, den Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann zum Internetdienstleister Green.ch (der eigene Niederlassungen in China hat) führte und anschliessend auch mit Handelskammer-Präsident Daniel Knecht ins Gespräch brachte, glaubt man daher einen konkreten Nutzen ziehen zu können.

Wenn sich jetzt auch Wus Nachfolgerin Xu Jinghu letzten Monat wieder zu Arbeitsgesprächen und einem Mittagessen mit Landammann Roland Brogli traf, dann wertet das der Regierungsrat als gutes Zeichen für die Standortförderung – und nicht als Belastung.

Von einer solchen sprach nämlich das Aussendepartement EDA in einem Rundschreiben an die diplomatischen Vertretungen in Bern und Genf, das die «NZZ» am Montag publik machte.

Die Botschaften werden darin angehalten, die Besuche in den Kantonen zu beschränken. Die Diplomaten werden daran erinnert, dass auswärtige Angelegenheiten eine Bundeskompetenz und Besuche von Kantonsbehörden dementsprechend eher unüblich seien.

Keine Rede von Überforderung

Ist die Sorge um deren diplomatische Kapazitäten in Wahrheit also eher eine Befürchtung, die Kantone könnten sich zu stark in die internationale Beziehungspflege einmischen?

In der Staatskanzlei will man das nicht kommentieren und verweist nur darauf, dass die Mitwirkung der Kantone an der Aussenpolitik in einem Gesetz ja ausdrücklich geregelt ist.

Auf jeden Fall sei man mit dem Empfang von diplomatischen Vertretungen sicher nicht überfordert, sagt Daniel Brändli, Leiter der Abteilung Strategie und Aussenbeziehungen.

Der Aufwand dafür halte sich in überschaubaren Grenzen. Für das laufende Jahr sind schon zehn Besuche angemeldet. Vor allem das Paul-Scherrer-Institut und das Zentrum für Demokratie in Aarau üben eine grosse Anziehungskraft aus.

Hier erkläre man den ausländischen Gästen sehr gern die direkte Demokratie und den Schweizer Föderalismus, so Daniel Brändli.

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