Planung

Der Aargau soll zwei neue Kantonsschulen erhalten – für 140 Millionen Franken

Volle Schulzimmer überall: Deutschunterricht an der alten Kantonsschule Aarau im November 2018

Volle Schulzimmer überall: Deutschunterricht an der alten Kantonsschule Aarau im November 2018

Im Fricktal und im Grossraum Brugg-Lenzburg sollen bis 2030 zwei neue Mittelschulen gebaut werden. Der Planungsbericht des Kantons sieht nämlich einen Anstieg der Schülerzahlen von heute 6000 auf 7500 im Jahr 2045.

Die sechs Aargauer Kantonsschulen haben die Kapazitätsgrenze erreicht, ja sogar überschritten: «Heute ist das Aargauer Mittelschulsystem zu 105 Prozent ausgelastet», erklärte Bildungsdirektor Alex Hürzeler an der gestrigen Medienkonferenz über die Zukunft der Aargauer Mittelschulen.

Und die Schülerzahlen nehmen weiter zu. Wenn man weiterhin von einer unveränderten Maturitätsquote von rund 16 Prozent ausgehe, werde Zahl der Mittelschülerinnen und Schüler von heute 6000 auf 7500 bis ins Jahr 2045 ansteigen.

Zudem sollen die rund 500 Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal, die bisher ein Gymnasium in den Kantonen Basel-Landschaft oder Basel-Stadt besuchen, künftig auch im Aargau zur Schule gehen. Die beiden Basel melden Eigenbedarf an, also müssen die Fricktaler bis 2028 weichen.

Alles in allem brauchen die Aargauer Mittelschulen deshalb innerhalb von 25 Jahren Platz für mehr als 100 zusätzliche Abteilungen. Auf diesem Szenario basiert der Planungsbericht für die Aargauer Mittelschulen, der aufzeigt, wie der Kanton strategisch auf die sich abzeichnende Raumnot reagieren möchte. Nachdem es nun fünfzig Jahre her sei, seit die Regierung eine umfassende aargauische Mittelschulkonzeption erstellt habe, sei es nun an der Zeit, die nötigen Schritte in die Wege zu leiten und die Zukunft der Kantonsschulen zu planen, sagte Hürzeler. Entsprechend sieht der Bericht einen Planungshorizont bis 2045 vor.

Fricktal und Lenzburg/Brugg

Der Planungsbericht zeigt auf, dass an den Kantonsschulen in Wohlen, Baden und Wettingen zwar Ausbaupotenzial vorhanden ist. Dieser Ausbau soll in Baden und Wettingen raschestmöglich vorgenommen werden; in Wohlen reicht der Platz vorderhand noch aus.

Aber diese Erweiterungen reichen bei weitem nicht aus, um den gesamtkantonalen Raumbedarf zu decken, schon gar nicht im Fricktal oder in den Regionen Aarau, Brugg und Lenzburg. Deshalb braucht es zwei neue Standorte für Mittelschulen. Eine der beiden neuen Mittelschulen soll im Fricktal entstehen, die zweite in der Region Lenzburg/Brugg.

Bereits 1968 war im Fricktal eine Kantonsschule geplant. Sie wurde aber nicht realisiert; rund 500 Kantischüler aus dem Fricktal besuchen deshalb die Schulen in Basel; nur 180 reisen über den Jura nach Aarau und Wettingen. Nachdem die Basler Lösung ab 2028 nicht mehr möglich ist, ist klar, dass das Fricktal bis spätestens in neun Jahren eine eigene Kantonsschule braucht. Mit rund 700 Schülerinnen und Schülern erreicht die Schule auch bereits beim Start eine vertretbare Mindestgrösse.

In welcher Gemeinde die neue Kanti dereinst stehen wird, ist noch offen. Beworben haben sich bisher Frick, Möhlin/Rheinfelden und Stein.
Als Standort für die neue Kanti in der Region Lenzburg/Brugg haben sich Brugg, Lenzburg und Windisch gemeldet. Die neue Kanti im Aargauer Mittelland soll ab 2030 zur Verfügung stehen. Die Entscheide über die neuen Standorte fallen aber frühestens 2021. Der Planungsbericht schätzt, dass die Erstellungskosten für den zusätzlich benötigten neuen Schulraum für rund 90 Abteilungen etwa 186 Millionen Franken kosten. Dazu kommen allfällige Landkosten.

Wie verändert sich die Schule?

Der Bericht berücksichtig auch mögliche Veränderungen innerhalb der Schule. So wurde überprüft, ob und wie die Digitalisierung sich allenfalls auf das Raumprogramm der Kantonsschulen auswirken könnte. Kathrin Hunziker, Leiterin Abteilung Berufsbildung und Mittelschule, erklärte, man gehe davon aus, dass sich der Unterricht mit digitalen Medien in den bestehenden Schulen und Räumen durchführen lässt. Nicht mehr einzuplanen brauche man hingegen Computerräume mit fest installierten Geräten.

«Vermehrt wird es künftig auch individuelle Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler brauchen, damit sie selbstständig arbeiten können», sagte Hunziker. Denn nicht alle Jugendlichen hätten zu Hause ein lernförderndes Umfeld. Die Schule bleibt der zentrale Lernort. Denn der direkte Kontakt mit den Lehrpersonen und der soziale und fachbezogene Austausch mit den Mitschülerinnen und Mitschülern sei unverzichtbar.

Auch auf die möglichen Auswirkungen einer Verkürzung der Schuldauer bis zur Matur auf den Schulraumbedarf wird im Planungsbericht eingegangen. Zwar weiss man erst 2020 genau, was die Verkürzung finanziell und pädagogisch mit sich bringen würde.

Zu erwarten ist aber, dass durch die Einführung eines Langzeitgymnasiums die Mittelschulräumlichkeiten schneller ausgelastet wären. Dadurch würden auch die vorgesehenen Erweiterungen schneller notwendig als bisher geplant. Klarheit wird eine Studie liefern, die aber erst im nächsten Jahr vorliegen wird.

Mindestens 22 Abteilungen

Als Leitsatz für die Aargauer Kantonsschulen der Zukunft gilt: Der Aargau betreibt grosse, aber nicht übergrosse Kantonsschulen. Angestrebt wird eine gewisse Überschaubarkeit. Als Obergrenze gelten 1500 Schülerinnen und Schüler, was rund 66 Abteilungen entspricht. Weniger als 500 Schülerinnen und Schüler (22 Abteilungen) sollte eine Kantonsschule auf Dauer nicht haben.

Am kleinsten Standort Zofingen wird festgehalten, weil die Schule mittelfristig die verlangte Grössenordnung von 22 Abteilungen nicht nur erreichen, sondern auch leicht überschreiten wird.

Die Infrastruktur der Aargauer Kantonsschulen soll sich künftig grundsätzlich im Eigentum des Kantons befinden. Mietlösungen sollen durch eigene Gebäude abgelöst werden. Ziel sei es, dass das Mittelschulsystem bei der Eröffnung der beiden neuen Schulen nicht bereits wieder voll ausgelastet sei, sagte Hürzeler. Deshalb sei eine gewisse Raumreserve nötig.
Das letzte Wort zum Planungsbericht hat der Grosse Rat. Er entscheidet in diesem Herbst.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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